Erster Spatenstich beim Bauprojekt

Was Hohes am Bremer Europahafen

Am Mittwoch erfolgte der erste Spatenstich für das 300-Millionen-Projekt am Kopf des Europahafens in der Überseestadt. Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) würdigte es als "einen großen Schritt für mehr Urbanität".
14.02.2019, 17:44
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Was Hohes am Bremer Europahafen
Von Jürgen Hinrichs
Was Hohes am Bremer Europahafen

So viel Leben am Europahafen wünscht sich die Stadt, doch noch sind die Menschen dort die Simulation des Computers.

Cobe

Nichts, was nicht stimmte bei diesem Termin: Die Sonne schien, es war Valentinstag und ein Projekt begann, das allenthalben Begeisterung entfacht. Am Donnerstag wurde am Kopf des Europahafens das erste Mal und symbolisch zum Spaten gegriffen. Der Start für eine Bebauung, die der Überseestadt ein neues Gepräge geben wird. „Dies ist ein großer Schritt für mehr Urbanität“, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Am Europahafen werde eine Lücke geschlossen. „Ein wunderbares Projekt mit hoher Qualität“, lobte Sieling. Vier große und hohe Häuser, die in den nächsten zwei Jahren entstehen, eine Investition von rund 300 Millionen Euro. Stemmen wird sie der Bremer Unternehmer Kurt Zech.

Einmalig, wie schnell aus einem Plan dieser Dimension Wirklichkeit wird. Zech war vor anderthalb Jahren auf die Stadt zugegangen, es gab einen Architektenwettbewerb, und jetzt geht's schon los. Der Bauherr lobte seine Leute, genauso aber auch das Bau- und das Wirtschaftsressort: „Ich habe das noch nie erlebt in einer Stadt, dass die Verwaltung so gut mitarbeitet.“ In seinen Dank schloss er den Waller Beirat ein. „Heute Abend werden wir dort einen neuen Antrag vorlegen, für ein Handwerkerhaus ein paar Hundert Meter weiter.“ Zech zieht's durch, er kennt kein Halten.

In seiner Begrüßung der vielen Gäste, die sich auf der Baustelle versammelt hatten, ließ der gebürtige Bremer die Geschichte seines Unternehmens Revue passieren. Es war vor genau 110 Jahren von seinem Großvater in einem Ort nahe Breslau gegründet worden. Nach dem Krieg machte der Firmengründer mit seiner Baufirma in Bremen weiter, in Walle. Das sind die Wurzeln eines Imperiums, das mittlerweile einige hundert Firmen umfasst. „Zu diesen Wurzeln kehren wir zurück“, sagte Zech.

Die Überseestadt gehört zu Walle. In der Überseestadt wird er seine Mitarbeiter in Bremen zusammenziehen, die zurzeit noch auf verschiedene Standorte verteilt sind. Künftig lautet ihre Büroadresse „Am Europahafenkopf 1“. Eines der neuen Gebäude wird die Zech-Zentrale. Annähernd 800 Angestellte, die dort Platz finden und entweder die Aussicht zur Stadt hin genießen oder über den alten Hafen hinweg bis weit nach Gröpelingen.

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Wenn es nach ihm gegangen wäre, räumte Zech ein, hätte es für die Häuser im Hafen erstens keinen Architektenwettbewerb gegeben. Und zweitens wäre der Entwurf, nach dem gebaut wird, nicht ausgewählt worden. „Es gab sechs Vorschläge, was nun kommt, war für mich zunächst auf Platz sechs.“ Ganz hinten also, indiskutabel. „Ich allein hätte diesen Entwurf niemals genommen.“

Doch dann wurde diskutiert, noch mal und noch mal. Hier und da gab es an den Plänen während der sechs Monate auch Veränderungen. Harte Überzeugungsarbeit, bei der eine „Fraktion von Frauen“, wie Zech es ausdrückte, bei ihm schließlich den Sinneswandel auslöste. „Irgendwann habe ich die Qualität erkannt. Es ist ein fantastischer Entwurf“, schwärmte der Unternehmer. Die Frauen – das war zuallererst Senatsbaudirektorin Iris Reuther. Sie hatte sich früh für den Entwurf von Cobe Architekten aus Kopenhagen ausgesprochen und stand beim Spatenstich in der ersten Reihe.

Am Europahafenkopf werden gut zwei Hektar bebaut. Die Hälfte der Fläche hatte Zech bereits gehört, die andere Hälfte hat ihm die Stadt verkauft. Den Anstoß, an dem Ort nicht zu kleckern, sondern zu klotzen, gab die Entwicklung bei Kellogg. Der Frühstücksflockenhersteller stellte Ende 2017 die Produktion ein, bedauerlich für Bremen, weil einige hundert Arbeitsplätze wegfielen. Andererseits machte das den Weg frei, auf dem Areal selbst und in dem Gebiet drumherum Wohnungen zu bauen, weil auf die Industrie und ihre Emissionen keine Rücksicht mehr genommen werden muss.

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In den beiden sogenannten Lofthäusern entstehen 342 Wohnungen, 70 davon werden sozial gefördert. Das Bürogebäude umfasst eine Bruttogeschossfläche von 32 000 Quadratmetern, genug für die Leute von Zech, es bleibt aber auch Platz für andere Firmen. Im Erdgeschoss der Unternehmenszentrale wird auf 1200 Quadratmetern eine Markthalle gestaltet – wie Zech sich das vorstellt, hat er am Donnerstag schon mal vorgemacht. Um die Baustelle herum waren Streetfood-Stände aufgebaut. Burger für den Bürgermeister, die Gäste nahmen aber auch Currywurst oder eine der vielen Suppen.

Das vierte Haus wird Autos aufnehmen, viel mehr noch aber Fahrräder, bis zu 1200 Stück. Bei den notorischen Staus in der Überseestadt ist dieser Schwerpunkt im sogenannten Mobilitätshaus gut gewählt.

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