Zehnstöckiges Bürogebäude soll kommen Geplantes Hochhaus sorgt für Diskussionen in der Überseestadt

Zum Abschluss ein Gebäude mit besonderer Präsenz: Ab Sommer 2020 will das Unternehmen Justus Grosse an der Ecke Kommodore-Johnsen-Boulevard / Kommodore-Ziegenbein-Allee ein Bürohochhaus bauen.
18.08.2019, 19:47
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Geplantes Hochhaus sorgt für Diskussionen in der Überseestadt
Von Anne Gerling

Eine asymmetrisch geschnittene Grundform, roter Klinker, zwei Dachterrassen, Gastronomie im Erdgeschoss mit großzügigem Vorplatz und eine Tiefgarage mit insgesamt 43 Pkw-Stellplätzen: Der Entwurf für das Bürogebäude „View“ an der Ecke Kommodore-Johnsen-Boulevard/Kommodore-Ziegenbein-Allee vis-à-vis vom Waller Sand, den Clemens Paul, Gesellschafter der Firma Justus Grosse, und Architekt Hans-Jürgen Hilmes dem Fachausschuss Überseestadt in dessen konstituierender Sitzung am Donnerstagabend im Ortsamt West präsentierten, erntete grundsätzlich durchaus Zustimmung.

Ein Punkt allerdings rief bei fast allen Mitgliedern des Gremiums um die frisch gewählte Ausschusssprecherin Brunhilde Wilhelm (Grüne) und ihren Stellvertreter Thorsten Jahn (SPD) Widerwillen hervor: Die Höhe des Gebäudes, das der Investor selbst als Hochhaus bezeichnet.

Immobile überragt Umfeld

Mit ihren zehn Geschossen wird die Immobilie ihr Umfeld tatsächlich um einige Meter überragen, was bei den meisten Waller Ortspolitikern gar nicht gut ankommt – auch wenn Clemens Paul relativiert, die lichte Höhe sei niedriger als bei anderen Projekten.

„Ich verstehe die Motivation nicht, an diese Stelle ein so hohes Haus hinzustellen. Von der Weserseite aus sieht es aus, als ob das im Weg steht“, sagt etwa Ausschusssprecherin Brunhilde Wilhelm. „Schade, dass da so viel Höhe geplant ist“, meint auch Brigitte Grziwa-Pohlmann (SPD), die sich mit sieben Etagen durchaus noch hätte anfreunden können. Je höher die Gebäude, desto enger werde es aber: „Und da geht es ja auch um Lebensraum und Begegnungsraum für die Leute, die da wohnen.“ Die Hochhäuser in der Überseestadt stünden fast ausnahmslos an der Weserseite, sagt wiederum Kerstin Eckardt (CDU): „Ich finde, das passt da nicht rein.“ Auch Jörg Tapking (Linke), Sprecher der Linksfraktion, äußerte sich kritisch zur Höhe. Er ist überzeugt: „Das hat eine bedrückende Wirkung auf die benachbarten Wohnhäuser.“ Lob gab es allein von FDP-Vertreter Björn Tuchscherer: „Ich wohne da und spüre dort keine Enge. Das ist ein sehr guter Entwurf. Ich glaube, es ist eine Riesen-Bereicherung.“

Die Diskussion darüber, wie viele städtebauliche Hochpunkte die Überseestadt nach Weser Tower, Landmark Tower, Bömers Spitze und demnächst Ahoy noch verträgt, geht also mit dem neuen Stadtteilbeirat womöglich in die nächste Runde. Er sei für diese Debatte allerdings der falsche Ansprechpartner, unterstrich dazu Clemens Paul. Schließlich setze er als Investor nun lediglich die von der Stadt festgesetzten Vorgaben um.

Unterschiedliche Höhen im Areal

Für das Baufeld 11, in dem neben Mehrfamilienhäusern auch das „View“-Bürogebäude entsteht, gibt es bereits einen drei Jahre alten rechtskräftigen Bebauungsplan, der an dieser Stelle ausdrücklich höhere Gebäude zulässt. Die stadtplanerische Idee dahinter, so war es nun bei der Sitzung nochmals zu hören: Anstatt alle Gebäudehöhen wie mit dem Lineal gezogen streng einheitlich zu halten, wird mit verschiedenen Maßen gespielt. In Baufeld 7 – dem Areal zwischen Deichhäusern und dem Weg zum Molenturm – soll dann ein letzter Hochpunkt als dominanter Abschluss gebaut werden. Die Diskussion um diese Immobilie ist noch nicht abgeschlossen; es war sogar schon eine Gebäudehöhe von 23 Stockwerken im Gespräch, die der Waller Beirat seinerzeit entschieden abgelehnt hatte.

Die Vorbereitungen für das „View“-Bürohochhaus laufen derweil auf Hochtouren. „Wir sind im Ausschreibungsprozess und hoffen, im Sommer 2020 loslegen zu können“, sagt Clemens Paul, der mit einer Bauzeit von rund 18 Monaten rechnet. Entsprechend könnten ab 2022 in dem 3700 Quadratmeter großen Gebäude rund 150 Arbeitsplätze mit Weserblick eingerichtet werden. Auch wenn das Baugrundstück kein ganz einfacher Ort sei, um dort ein solches Angebot zu platzieren: „Die Nachfrage nach Büroflächen ist weiterhin groß. Bömers Spitze ist voll vermietet. Wir würden dieses Gebäude nicht bauen, wenn wir nicht glauben würden, dass wir es vermarkten können“, so Clemens Paul.

Ein größeres Wagnis ist seiner Ansicht nach die im Erdgeschoss geplante Gastronomie, die außerhalb der mit der Firma J. Müller vereinbarten gastronomiefreien Zone liege: „Dort so etwas zu etablieren, ist ein schwieriges Thema. Aber ich sehe das als eine Struktur-Unterstützung für einen Standort, den wir selbst mit entwickelt haben. Und ich glaube, das könnte da gut funktionieren.“

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