Interview mit Mitarbeiterin von Hansewasser

Gaby Heitmann:„Ich sitze vor 18 Monitoren“

Gaby Heitmann ist im Prozessleitcenter von Hansewasser dafür verantwortlich, dass das Abwassersystem reibungslos läuft. Ihr Job lässt die Abwassermeisterin aber auch im Urlaub nicht los.
27.04.2020, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Gaby Heitmann:„Ich sitze vor 18 Monitoren“
Von Nina Willborn
Wie muss man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen?

Man kann ihn mit einem Cockpit vergleichen. Im Prozessleitcenter überwachen wir ja den gesamten Betrieb, steuern und regeln alle Anlagen, also zum Beispiel die rund 200 Pumpwerke und alle Anlagen auf den beiden Bremer Kläranlagen. Eine Schicht fahren wir immer zu zweit, und wir sitzen vor insgesamt 29 Monitoren, die in einem Rondell angeordnet sind. Einer hat die elf Bildschirme für die Abwasserleitungen vor sich, der andere die 18 für die Abwasserreinigung.

Und was ist Ihre Aufgabe?

Grundsätzlich prüfe ich, ob alle Anlagen das machen, was sie sollen. Wenn ich meinen Dienst beginne, verschaffe ich mir erst mal einen Überblick darüber, was in den Stunden vor meiner Schicht passiert ist. Gab es Störungen und wenn ja, wie ist der aktuelle Stand, wie viele Kollegen führen gerade eine Inspektion der Kanäle oder der Pumpwerke durch? Da gibt es bestimmte Checklisten, außerdem ein Betriebstagebuch mit den Rubriken „noch offen“ und „erledigt“. Alles, was „offen“ ist, muss dann natürlich abgearbeitet werden. Ich werde als Springerin eingesetzt, meine Dienste sind also weniger weit im Voraus planbar als die der Kollegen mit festen Schichten. Mal arbeite ich an zwei Tagen in der Nachtschicht, dann wieder tagsüber. Das Prozessleitcenter ist jeden Tag 24 Stunden besetzt und man kann sagen, dass eigentlich immer irgendetwas gemacht werden muss.

Gibt es denn so viele Störungen?

Nein, aber im Rahmen der Digitalisierung haben wir bei Hansewasser einen hohen Automatisierungsgrad erreicht. Während meiner Schicht laufen dann schon sehr viele Betriebsmeldungen ein, aber auch Störungen. Deshalb ist es wichtig, alles zu bewerten, um im Zweifelsfall handeln zu können. Das ist unsere Aufgabe.

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Sie sind Abwassermeisterin. Das ist ein ungewöhnlicher Jobtitel, oder?

Ich wollte nach der Schule eigentlich Chemielaborantin werden und habe ein Praktikum in einer Kläranlage gemacht. Da habe ich dann von der Ausbildung der Ver- und Entsorger gehört, und dieser Beruf hat mich fasziniert, weil er so vielfältig ist. In der Ausbildung geht es natürlich viel um Biologie, Physik und Chemie, aber auch Metallverarbeitung, teilweise selbst Gartenarbeiten gehören dazu. Als ich dann 19 Jahre alt war, dachte ich, dass das noch nicht alles gewesen sein kann und habe meinen Meister gemacht. Die Arbeit lässt mich übrigens auch im Urlaub nicht los, ich bin immer die erste in der Familie, die, egal wo wir sind, eine Kläranlage sieht. Die finde ich automatisch. Und gerade in Bremen ist mein Job auch eine Herausforderung.

Wieso?

Das Kanalnetz hier ist ein besonderes. Weil Bremen so flach ist, brauchen wir eine intelligente Kanalbewirtschaftung. Das Wasser muss an vielen Stellen gepumpt werden, vor allem bei starken Regenfällen. Unser System mit den vielen Wehr- und Steuerklappen zu steuern, bedeutet viel Verantwortung. Aber es macht mir großen Spaß.

Das Gespräch führte Nina Willborn.

Info

Zur Person

Gaby Heitmann (48)

ist Abwassermeisterin und arbeitet seit Oktober 2018 im Prozessleitcenter von Hansewasser. Die Delmenhorsterin absolvierte 1998 eine Ausbildung zur Fernentsorgungs-Facharbeiterin.

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