Quartiersentwicklung in Walle Quartiersmeisterei ist eröffnet

Zwei Profis werden sich ab sofort der Waller Wunschprojekte annehmen: Evin Oettingshausen und Janine Bäker.
26.08.2022, 08:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

Die Waller Quartiersmeisterei hat ihren Betrieb aufgenommen. Ihre Aufgabe: Die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger umsetzen und die Lebensqualität im Stadtteil erhöhen. Für eine solch ambitionierte Stellenbeschreibung gibt es kein festgelegtes Berufsbild. Doch mit Evin Oettingshausen und Janine Bäker konnten zwei Multitalente gefunden werden, die sich mit ihren Qualifikationen und Erfahrungen ergänzen. Offiziell wird das Büro erst Mitte September von Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt eröffnet. Doch für die Waller stehen die Türen an der Bremerhavener Straße/Ecke Dorumstraße schon jetzt offen. Dort werden ständig Ideen, Anregungen, Verbesserungsvorschläge gesammelt, von denen die Menschen in Walle profitieren könnten.

Evin Oettingshausen, 47 Jahre alt, hat mehr als 25 Jahre in Bremen und davon einen guten Teil in Walle verbracht und bringt für die neue Aufgabe handwerkliche Erfahrung in den Bereichen Installation und Bau, ein abgeschlossenes Bachelor-Studium der Architektur, einen Master der Kulturwissenschaften plus jahrelange Tätigkeit im Bereich Erinnerungskultur mit. Janine Bäker, 34 Jahre, ist Freizeitwissenschaftlerin, arbeitete nach ihrem Masterabschluss im grenzüberschreitenden Stadtmarketing-Projekt der Partnerstädte Bremen und Durban und leitete in den vergangenen beiden Jahren das Jugendzentrum Verden.

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„Die Quartiersmeisterei soll ein Taubenschlag werden – ein lebendiger, vielfältig genutzter Ort des Austauschs“, sagt die gebürtige Wallerin. Die vergangenen Wochen wurden dort dafür genutzt, sich in die Themen einzuarbeiten, die den Stadtteilbeirat, die ansässigen Vereine und Initiativen sowie die Bewohnerschaft seit Jahren beschäftigen und die im Rahmen der Workshops „Walle Central“ systematisch erarbeitet und dokumentiert wurden.

Unter dem Titel „Walle Central 2040“ hatte die Waller Ortspolitik ab dem Herbst 2019 zu mehreren sehr gut besuchten Workshops eingeladen, um abstrakte Ziele der Quartiersentwicklung mit Leben und konkreten Ideen zu füllen. „Niedrigschwellige Stadtteilpolitik“, nennt es Beiratsmitglied Karsten Seidel (Grüne), einer der Motoren des Projekts. Unter „Walle Central“ verstehen die Initiatoren das Gebiet zwischen Waller Heerstraße, Nordstraße, Waller Ring und Hansestraße, inklusive dem Heimatviertel im Waller Wied.

Über den Handlungsbedarf war man sich einig, und auch über die gemeinsamen Wünsche: die lokale Wirtschaft in Walle zu stärken, Leerstände zu füllen und das „Trading Down“ zu verhindern, die Mobilität nachhaltig zu gestalten, Aufenthaltsqualität, soziale Gerechtigkeit und Wohnqualität im Stadtteil zu verbessern.

Die Ergebnisse der Workshops flossen in eine Datenbank mit 164 Unterpunkten, die als Arbeitsgrundlage für die Quartiersmeisterei dienen soll: Darunter viele dicke Bretter, deren konsequente Bearbeitung die Grenzen dessen weit übersteigen, was ein ehrenamtlicher Stadtteilbeirat leisten könne, erklärt Sonja Kapp (SPD) aus der Vorbereitungsgruppe. Ein solches Angebot im Stadtteil sei „unschätzbar“, bestätigt auch Karin Schlechtinger. Das sah auch die Bremer Wirtschaftssenatorin so, die die Professionalisierung des Waller Stadtteilmanagements aus Mitteln des Aktionsprogramms Stadtteilzentren 2021 fördert. Für das laufende und das kommende Jahr ist die Quartiersmeisterei mit je 120.000 Euro gesichert. Die Trägerschaft hat das Kulturhaus Walle übernommen.

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Die Quartiersmeisterei solle auch als Kontaktbörse dienen, die freistehende Lokale und Menschen mit Ideen zusammenbringe, erklärt Oettingshausen. „Tatsächlich hatten wir schon einige Anfragen und Interessenten“. Doch der Name besagt bereits, dass es in Walle nicht allein um den rein wirtschaftlichen Faktor gehen soll. Um Leerstände zu füllen, Firmen und Menschen mit neuen Ideen für eine Ansiedlung im Stadtteil zu interessieren und zu begeistern, sei die Verbesserung der Aufenthaltsqualität eine wesentliche Voraussetzung, sagt Seidel. „Es geht uns darum, soziokulturelle Aspekte in die wirtschaftliche Entwicklung zu integrieren.“ Ein konkretes Projekt könnte die städtebauliche Aufwertung des Bereichs der Elisabethstraße zwischen Vegesacker und Bremerhavener Straße werden, die im Rahmen der Walle Central-Workshops von einer Anwohnerinitiative ins Spiel gebracht worden war. Im Auftrag des Beirats wird die Quartiersmeisterei die Workshops mit der Nachbarschaft vorbereiten, leiten und nachbereiten, die im September dieses Jahres starten sollen, so Oettingshausen. Weitere Schwerpunkte – man könnte auch sagen: Sorgenkinder – sind im Stadtteil der durch viele Leerstände geprägte Steffensweg sowie der Wochenmarkt am Wartburgplatz. „In meiner Kindheit war er noch riesig und reichte bis zur Probststraße“, erinnert sich Bäker. Einbringen werde sich das Team auch bei der Planung und Bespielung der Parkletts, die den Eingangsbereich der Waller Mitte an der Vegesacker Straße beleben sollen.

Wie viel davon in den kommenden beiden Jahren tatsächlich umgesetzt werden soll und kann, wird sich zeigen. „Es wäre schön, wenn wir mit unserer Arbeit Impulse setzen und etwas bewegen könnten im Stadtteil“. sagt Evin Oettingshausen. Der Waller Beirat denkt aber längst bereits über diese Zeitspanne hinaus, so Seidel: Kürzlich wurde beschlossen, dass ein Antrag auf Projektmittel der Fernsehlotterie gestellt werden soll, deren Bewilligung die Waller Wunschprojekte nachhaltig befördern würde.

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