Überseeinsel WPD-Chef stellt Pläne für Kellogg-Areal vor

Ab 1. Juli hat WPD-Geschäftsführer Klaus Meier Schlüsselgewalt für das Kellogg-Areal. Gemeinsam mit Senatsbaudirektorin Iris Reuther hat er die ersten Ideen dazu nun in Walle vorgestellt.
28.04.2018, 06:36
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WPD-Chef stellt Pläne für Kellogg-Areal vor
Von Anne Gerling

WPD – dieses Kürzel geisterte seit einigen Monaten immer wieder im Fachausschuss Überseestadt des Waller Beirats herum. Die drei Buchstaben standen dabei für einen großen Unbekannten: Die Windkraftfirma, die Mitte März das Kellogg-Areal gekauft hat und es zur „Überseeinsel“ weiterentwickeln möchte. Drei frühe Skizzen für das neue Quartier sind kürzlich öffentlich vorgestellt worden (wir berichteten). Dass die Waller Ortspolitiker – abgesehen von Beiratssprecher Wolfgang Golinski (SPD) – dabei bis dato nicht eingebunden waren, kam bei ihnen gar nicht gut an.

Jetzt ist aus dem Unbekannten endlich ein Gesprächspartner geworden: WPD-Chef Klaus Meier hat vorige Woche gemeinsam mit Senatsbaudirektorin Iris Reuther im Fachausschuss Überseestadt die ersten Ideen für das 15-Hektar-Areal persönlich vorgestellt und ging dabei auch kurz auf die Vorgeschichte ein. Vor sieben Jahren hatte WPD Kellogg ein 10 000-Quadratmeter-Grundstück am Stephanitorsbollwerk abgekauft, um sich dort niederzulassen. Später erhielt das Unternehmen dann auch für das restliche Kellogg-Areal den Zuschlag – obwohl auch eine weltweite Ausschreibung des Grundstücks und der Verkauf an den Meistbietenden denkbar gewesen wären.

Man habe soeben erst den allerersten Schritt einer sehr langen Reise hinter sich, unterstrich Iris Reuther zu den nun vorgestellten Entwürfen der Büros SMAQ, OMP und Cobe, die weiter verfolgt werden sollen: „Das war kein Wettbewerb im klassischen Sinne, sondern eine Vorstudie.“ Diese sei lediglich der Einstieg in die weiterführende Befassung mit dem Projekt, für das Ende Mai ein allererster städtebaulicher Vertrag zwischen Stadt und WPD abgeschlossen werde.

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Im anschließenden Prozess müsse unter anderem genauer über drängende Themen wie Lärm, Verkehr, Hochwasserschutz und Freiräume nachgedacht werden. Auch die Öffentlichkeit solle dabei beteiligt werden; aktuell sucht das Bauressort nach einer Agentur, die dafür ein entsprechendes Format und Verfahren organisieren kann. Der Auftakt dafür soll mit einer größeren Veranstaltung im August oder September gemacht werden.

Dass er die Waller Ortspolitik keinesfalls übergehen will, stellte Klaus Meier bei diesem ersten Treffen umgehend unter Beweis. Er hatte nämlich das Positionspapier mitgebracht, in dem der Beirat seine Vorstellungen zu den Themen Bebauung, Infrastruktur, Spiel- und Grünflächen und Parkplätze umrissen hat – und ließ es sich nun nicht nehmen, zu allen zwölf Punkten im Schnelldurchlauf Position zu beziehen. Ob es dabei nun um das Thema Verdichtung geht („Wir haben sehr viele Grünflächen“), um Architekturformen und Dachtypen („Wir wollen keine weißen Klötze und baulich an die bestehenden Strukturen in Walle anknüpfen“) oder die Forderung nach sozialen Infrastrukturmaßnahmen („Das erste Gebäude, das wir bauen werden, wird eine Schule sein“): Die Anregungen aus dem Stadtteil seien allesamt abgearbeitet worden, versichert Meier. Auch würden sie in den städtebaulichen Vertrag mit aufgenommen.

Der Kaufvertrag ist wie gesagt unterschrieben, ab 1. Juli hat WPD beziehungsweise Meier Schlüsselgewalt: „Dann kann ich die Tore öffnen.“ Bevor in wenigen Jahren die Bauaktivitäten starten, hätte er gern schon Zwischennutzer auf dem Gelände und sucht unter anderem einen Gastronomiebetrieb, der die alte Kellogg-Kantine übernimmt. Geplant ist außerdem eine Ausstellung zur Geschichte des Geländes: „Es gibt einen Mitarbeiter, der die Historie über die letzten 200 Jahre verfolgt hat.“

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Daneben wird sich der WPD-Chef nun außerdem mit vielen praktischen Fragen beschäftigen; etwa mit dem Thema Altlasten, für deren Beseitigung per Gesetz Grundstückseigentümer beziehungsweise Verursacher zuständig sind. Aber auch mit den Anforderungen an moderne Schulgebäude: Im Mai hat Meier einen Termin mit dem Bildungsressort. Ob WPD am Ende der Stadt das Baugrundstück zur Verfügung stellt oder aber nach dem Modell Öffentlich-private-Partnerschaft (ÖPP) die Schule selber baut und an die Stadt vermietet, sei ihm dabei einerlei, sagt Meier.

Auch das Thema Mobilität steht weit oben auf seiner To-do-Liste, schließlich sind auch die WPD-Mitarbeiter schon jetzt vom alltäglichen Verkehrschaos in der Überseestadt betroffen. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, findet Meier. Zum einen ändere sich das Mobilitätsverhalten und junge Leute nutzten nicht mehr bevorzugt das Auto, ist er überzeugt. Auch gebe es sowohl einen Fähranleger als auch ein Bahngleis zum Hauptbahnhof, das nach dem Kellogg-Weggang nicht mehr genutzt werde: „Damit hat man eine Trasse, wo Busse staufrei fahren könnten.“

Im Fachausschuss wurde all dies überwiegend positiv aufgenommen – auch wenn Jörg Tapking (Die Linke) rund um den Grundstücksverkauf gern deutlich mehr Transparenz gehabt hätte. „Wir wünschen uns, dass die Chance ergriffen wird, hier ressortübergreifend eine kooperative Planung zu machen. Es liegt eine große Verantwortung bei den Institutionen der Stadt, dass Fehler aus der Vergangenheit hier nicht wiederholt werden“, gab Karsten Seidel (Grüne) den Verantwortlichen mit auf den Weg. Aus dem Publikum wandte sich schließlich eine Bewohnerin des Heimatviertels direkt an Meier: „Die Vision, die Sie gezeigt haben, ist etwas sehr, sehr Schönes. Das Thema Infrastruktur ist dabei das A und O. Davin wird der Erfolg und Misserfolg des Ganzen abhängen.“

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