Kultur im Tabakquartier Bovenschulte plant Zentrum der Freien Künste in Bremen

Wenn es nach der Kulturbehörde geht, sollen ab Mitte 2021 bildende Künstler, Musiker, Tänzer, Schauspieler und andere Akteure der Freien Szene im Woltmershausener Tabakquartier ein neues Zuhause finden.
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Bovenschulte plant Zentrum der Freien Künste in Bremen
Von Alexandra Knief

Bürgermeister und Kultursenator Andreas Bovenschulte (SPD) erinnert sich noch: Als er einst mit seiner Band in Bremen einen Probenraum suchte, war das gar nicht so leicht. Wie viele andere Musiker übte er in einem alten Bunker. Unter Bedingungen, die er nicht unbedingt als ideal bezeichnen und deshalb gerne verbessern würde. „Trotz aller Begrenzungen, die wir bei der Kulturförderung haben, liegt mir die Unterstützung der Freien Kunst- und Kulturszene besonders am Herzen“, sagt Bovenschulte. Wie diese aussehen könnte, gab er am Dienstag bekannt. Bei einer Begehung des Tabakquartiers in Woltmershausen.

Rund 50 multifunktionale Räume, Platz für bildende Künstler, Musiker, Tänzer, Schauspieler und sogar einen eigenen Theatersaal mit rund 400 Plätzen will die Kulturbehörde hier in einem Zentrum der Freien Künste entstehen lassen. Wenn alles läuft wie geplant sogar bereits bis Mitte 2021.

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Die Firma Justus Grosse, die für die Neubelebung des 200.000 Quadratmeter großen Grundstücks an der Hermann-Ritter-Straße zuständig ist, will rund 5000 Quadratmeter Fläche in einem denkmalgeschützten Fabrikgebäude zu günstigen Konditionen für die Freie Szene zur Verfügung stellen. Ein Neubau sei mit den geringen vorhandenen Mitteln auf keinen Fall finanzierbar gewesen, betonte der Kultursenator. Darum sei man umso froher, mit der einstigen Tabakfabrik einen bereits bestehenden Bau gefunden zu haben, der für das Vorhaben gut geeignet sei.

Spartenübergreifende Nutzung

Nicht nur für die Freie Szene ist das Gelände interessant. Auch die Bremer Philharmoniker haben laut Bovenschulte bereits Interesse an einem Hallenbereich in unmittelbarer Nähe zu dem geplanten Künstlerzentrum geäußert, da der aktuelle Mietvertrag des Orchesters in nicht allzu ferner Zukunft auslaufe. „Das hier soll kein niedlicher Garten werden“, sagte Kulturstaatsrätin Carmen Emigholz (SPD) am Dienstag. Vielmehr sollen in dem Zentrum Professionalität, Kreativität und Entwicklungsspielraum zusammenkommen und eine Einheit bilden. „Es soll ein offenes, modernes Zentrum entstehen, auch, um vielversprechende Künstler in Bremen zu halten und ihnen zu zeigen, dass sie hier gewollt sind.“

Um die Qualität des Angebots zu sichern, soll ein neu zu gründender Vergabebeirat entscheiden, wer in den Räumen unterkommt, sagte Emigholz. Ziel sei es, einen bunten Mix zu schaffen und sowohl Künstlern, die in der Lage sind, Miete zu zahlen, eine Bleibe zu geben, als auch solchen, die auf mehr Unterstützung angewiesen sind. So könnte die Bereitstellung eines Raumes zukünftig unter die Projektförderung der Kulturbehörde fallen.

Private Unterstützung

„Mein Ziel als Kultursenator ist die Sicherstellung einer verlässlichen Kulturförderung“, sagte Bovenschulte am Dienstag. Ob das geplante Zentrum auch mit einer erhöhten Förderung der Freien Szene durch den Kulturhaushalt ab 2020 einhergeht, wollten die Beteiligten zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bestätigen. „Wir werden aber dafür kämpfen“, sagte Staatsrätin Emigholz. Für die Finanzierung des Zentrums stecke man aktuell noch in der Akquise wichtiger Drittmittel. Und diese scheint recht erfolgversprechend zu sein: „Ich gehe davon aus, dass wir nennenswerte private Unterstützung erhalten werden, sodass unsere Ziele durchaus realistisch sind“, so Bovenschulte.

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In den kommenden Jahren sollen auf dem Gelände der ehemaligen Brinkmann-Fabrik neben Büro- und Gewerbeflächen unter anderem rund 1500 neue Wohnungen, ein Kindergarten und ein gastronomisches Angebot entstehen. „Es soll ein lebendiger Ort werden“, sagt Joachim Linnemann, geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensgruppe Justus Grosse. „Gerade Kultur ist für so ein Gebiet ein sehr belebender Faktor.“ Insgesamt investiert das Unternehmen rund 500 Millionen Euro in die Umgestaltung des Geländes. Wie hoch die Kosten für den Umbau des Gebäudeteils sein werden, der für die Freie Szene vorgesehen ist, konnte Linnemann zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen.

Bevor es wirklich losgehen kann, steht aber natürlich noch einiges an Papierkram und Abstimmungen aus. Wie es nun weitergeht? „Wir werden demnächst ein Eckpunktepapier unterzeichnen, das einen erfolgreichen Start initiiert“, sagt Kultursenator Bovenschulte. Alles weitere werde sich in den kommenden Monaten zeigen.

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