Großprojekt der Bremer Stadtentwicklung Wohnungsbau im Tabakquartier könnte 2021 starten

Alles muss reibungslos klappen, sonst ist der Termin nicht zu schaffen: Bremen will bis 2021 Wohnungsbau im Tabakquartier ermöglichen.
24.11.2019, 21:11
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Wohnungsbau im Tabakquartier könnte 2021 starten
Von Karin Mörtel

Investoren und Stadt haben sich offenbar auf ein gemeinsames Ziel verständigt, wann der Wohnungsbau im Woltmershauser Tabakquartier starten soll. Im Jahr 2021 könnte es in dem 55 Hektar großen Industriegebiet hinter der Bahnlinie Bremen-Oldenburg soweit sein, heißt es aktuell von den Projektentwicklern bei Justus Grosse und aus der Baubehörde. Damit korrigiert Justus Grosse seine bisherige Wunschvorstellung, die in der Baubehörde stets als überambitioniert galt, um ein Jahr nach hinten. Damit das neue Baurecht bis 2021 in Kraft treten kann, dürfen Planer und Politik allerdings keine Zeit mehr verlieren.

Auf dem ehemaligen Betriebsgelände des Tabakwarenherstellers Martin Brinkmann AG treibt Justus Grosse schon seit Monaten die Bauarbeiten rings um die ehemalige Zigarettenfabrik zügig voran. Momentan läuft der Umbau diverser Fabrik- und Speichergebäude in Bürolofts auf dem knapp 20 Hektar großen Grundstück der Bremer Projektentwickler. Im März können laut Plan die Mieter in den ersten fertigen Flügel in „Die Fabrik“ einziehen. Die Verwandlung des ersten von drei alten Tabakspeichern wird nach Investorenangaben Ende 2020 fertig sein.

Baupläne für Hotel und Mobilitätshaus liegen vor

Das denkmalgeschützte Heizwerk der Fabrik soll bereits im Dezember als neues Veranstaltungszentrum eröffnet werden. Außerdem sind die Pläne für den Neubau eines Hotels sowie eines sogenannten Mobilitätshauses bereits fertig. Die Baumaschinen werden für diese Projekte dann im kommenden Frühjahr und Sommer erwartet.

Damit legt Justus Grosse ein hohes Tempo vor, schließlich hat das Unternehmen das Brinkmann-Gelände erst vor eineinhalb Jahren gekauft, einen Teil davon sogar noch später. „In zwei Jahren wollen wir bereits den ersten Tabakspeicher sowie den zweiten Bauabschnitt in der Fabrik, das Hotel und das Mobilitätshaus fertig und zwei Gastronomien in Betrieb haben“, kündigt Clemens Paul, Geschäftsführer bei Justus Grosse, während eines Rundgangs über das Fabrikgelände an. Außerdem soll bis Ende des Jahres geklärt sein, welche Theater- und Musikprojekte den „Halle 1“ genannten, denkmalgeschützten Lagerschuppen beleben.

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Damit wären die meisten Projekte des Unternehmens, die mit heutigem Baurecht zu vereinbaren sind, bereits angeschoben. „Gleichzeitig merken wir, dass das Interesse an Wohnungen im Tabakquartier riesig ist“, sagt Paul. Allein etwa 1500 Namen und Adressen lägen dem Unternehmen bereits von Menschen vor, die sich vorstellen könnten, in eine der etwa 1500 Wohnungen zu ziehen, die Justus Grosse dort neu bauen oder in Form von Wohnlofts in zwei weiteren Tabakspeichern realisieren wolle.

Darunter werde es auch viele kleinere Wohnungen geben, die auf dem Grundstück sowohl als geförderte und freifinanzierte Miet- und Eigentumswohnungen entstehen sollen, so der Geschäftsführer. „Daher wollen wir unbedingt Anfang 2021 mit Wohnungen starten“, so Paul. Bis zum Jahr 2024 wird das Unternehmen nach eigenen Angaben etwa 560 Millionen Euro ins Tabakquartier investiert haben.

Deputationen erhalten Masterplan später

Mit der Geschwindigkeit des Investors mitzuhalten, bleibt indes eine große Herausforderung für die Stadt. Denn der Masterplan, in dem eine Richtung für die künftige Entwicklung des Tabakquartiers vorgegeben ist, wird nun wohl doch nicht im November, sondern erst Anfang kommenden Jahres den drei zuständigen Deputationen der Bereiche Stadtentwicklung, Umwelt, Verkehr und Wirtschaft vorgelegt.

Der Grund: Im Laufe der Planung sind einige neue Großprojekte hinzugekommen, die abgestimmt und eingearbeitet werden mussten. Beispielsweise den Bau eines Berufsschulcampus sowie eines neuen Tunnels unter dem Bahndamm hindurch (wir berichteten). Eineinhalb Jahre hat die Erstellung des Masterplans inklusive einer intensiven Bürgerbeteiligung nun gedauert. Angesichts der Dimension des Stadtentwicklungsprojektes und den vielen beteiligten Akteuren ist das eher zügig. Neben dem Brinkmann-Gelände gehört auch das ehemalige Gaswerks-Gelände mit zu dem heutigen Industriegebiet, das in den kommenden Jahrzehnten in ein Zukunftsquartier verwandelt werden soll, auf dem Wohnen und Arbeiten gleichermaßen möglich ist.

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Nun ist der Masterplan zwar fertig, doch es fehlt noch seine juristische Prüfung sowie die Feinabstimmung mit den beteiligten Ressorts und ein Beschluss des Beirates Woltmershausen. Und bevor die ersten Wohnungen gebaut werden können, sind zunächst neue Bebauungspläne nötig, die basierend auf dem Masterplan noch erarbeitet und von der Bürgerschaft beschlossen werden müssen. Mehr als ein Jahr Zeit wäre dafür nicht, wenn tatsächlich noch 2021 Baustart sein soll.

„Das ist ein sehr ambitioniertes Ziel, das nicht leicht zu schaffen ist, aber wir wollen darauf hinarbeiten“, sagt dazu Axel König, Chef der Stadtplanung bei der Bausenatorin. Ambitioniert auch deshalb, weil für einzelne Bereiche wie das Brinkmann-Gelände noch städtebauliche Wettbewerbe angedacht sind, bevor die Bebauungspläne aufgestellt werden.

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Am politischen Willen im Bremer Senat dürfte es nach seiner Einschätzung nicht mangeln, merkt Paul nach dem Rundgang noch an: „Denn wer 10 000 neue Wohnungen in einer Legislaturperiode schaffen will, hat sicherlich ein hohes Interesse daran, Neubauten voranzutreiben, für die wir keinen einzigen Baum fällen müssen.“

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