Investoren gesucht

Gebäudewert des Lankenauer Höfts bei null

Das Areal des Lankenauer Höfts soll nun verpachtet werden. Eine überregionale Ausschreibung soll Investoren begeistern.
28.11.2018, 09:43
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Von Reiner Haase
Gebäudewert des Lankenauer Höfts bei null

Wirtschaftsbehörde und Wirtschaftsförderung Bremen unternehmen einen zweiten Versuch, der Immobilie wieder Leben einzuhauchen. Nur der Turm soll nach Behördenanaben bleiben.

Christian Walter

Eine gute Verkehrsanbindung ist für den Beirat Woltmershausen das A und O bei der geplanten Wiederbelebung des Lankenauer Höfts. „Das Bau- und das Wirtschaftsressort müssen die Anbindung gebacken kriegen“, fordert Beiratssprecherin Edith Wangenheim (SPD). Karin Bohle-Lawrenz (FDP) benannte in der Beiratssitzung am Montag das Wie: „Die Öffnung der Senator-Borttscheller-Straße würde die Anwohner und den Stadtteil entlasten und die Erreichbarkeit des Lankenauer Höfts erleichtern.“

Die Senator-Borttscheller-Straße ist tatsächlich über die Autobahn 281 gut erreichbar, ohne dass Autos den Straßenzug Woltmershauser Straße/Rablinghauser Straße/Zum Lankenauer Höft durch die Wohngebiete des Stadtteils benutzen müssten. Der Haken an der Sache ist zurzeit, dass sie zwar weitgehend mit wenigen Metern Abstand parallel zur Straße Zum Lankenauer Höft verläuft, aber hinter dem Zaun zum Neustädter Hafen. Sie ist folglich für die Öffentlichkeit gesperrt.

Seit fast zwei Jahren geschlossen

Die traditionsreiche und am Ende einer Landzunge zwischen der Weser und dem Neustädter Hafen gelegene Gastronomie ist nunmehr seit fast zwei Jahren geschlossen. Ein erster Versuch der Wiederbelebung ist im Frühjahr 2017 daran gescheitert, dass der Investor kurzfristig abgesprungen ist. Als Zwischennutzer haben der Verein Zuckerwerk im Sommer 2017 und die Initiative Golden City im Sommer 2018 jeweils einige Monate lang für Leben auf der Halbinsel gesorgt.

Unterdessen haben das Wirtschaftsressort und die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) einen neuerlichen Anlauf zur Verpachtung des Areals vorbereitet. Die nahezu veröffentlichungsreife Ausschreibung soll regionale und überregionale Investoren begeistern. „Auf eine europaweite Ausschreibung wird verzichtet“, kündigte Yvonne Averwerser vom Wirtschaftsressort an. „Wir haben die Zuversicht, da wird was ganz Schönes rauskommen“, ergänzte sie.

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Laut Claudia Gernand von der WFB soll der Investor das Areal mit der alten Gastronomie, dem markanten Turm und Freiflächen drumherum nicht kaufen, sondern nach Erbbaurecht mit 99-jähriger Laufzeit pachten. Die lange Laufzeit gebe dem Investor Sicherheit, auch beim Einwerben von Krediten, stellte Gernand im Woltmershauser Beirat klar. Den Wunsch, das Gastronomiegebäude verkaufen zu können, haben die Behörden begraben. „Der Restwert ist inzwischen auf null gesetzt worden“, berichtete Gernand. „Der Investor kann machen, was er will: den Altbau erhalten, verschönern und sanieren, entkernen oder abreißen und neu bauen“, fügte Averwerser bei.

Der Turm allerdings muss stehen bleiben, zumal die Nutzflächen teilweise langfristig vermietet sind. „Nur ganz oben kann sich etwas Neues entwickeln, zum Beispiel ein astronomischer Lehrraum oder ein Hochzeitszimmer“, so Averwerser. Aus einem Workshop mit Woltmershauser Bürgern sind zahlreiche Ideen zur künftigen Nutzung in den Ausschreibungstext aufgenommen.

"Man muss schauen, auf was der Investor eingeht"

Die übernommenen Stichworte reichen von Gastronomie mit Restaurant und Platz für größere Gesellschaften, einem Raum für nicht kommerzielle Begegnungen, maritimem Charakter, Picknick und Spiel im Freien, Innen- und Außentoiletten, Festivals, Theater, Freilichtbühne und Flohmarkt. „Wir haben einen bunten Strauß gebunden“, so Gernand, „man muss schauen, auf was der Investor eingeht.“

„Uns ist wichtig gewesen, viele Dinge aus der Moderation zu benennen. Uns ist aber auch klar, dass nicht alles kommen wird“, sagte Averwerser. Die Stichwörter aus dem Workshop sind nicht nur in die Ausschreibung aufgenommen worden, sie dienen Averwerser zufolge auch der Bewertung der Angebote durch eine Jury. Auch der Stadtteil wird in der Jury vertreten sein, voraussichtlich durch Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon.

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Auch Vertreter der Bau- und der Wirtschaftsbehörde sowie der Wirtschaftsförderung sind für die Jury gesetzt. Dem Beirat soll das Votum der Jury vorgestellt werden, bevor der Zuschlag erteilt wird. Auf die Forderung nach der zusätzlichen Zufahrt über die Senator-Borttscheller-Straße sind Averwerser und Gernand nicht näher ­eingegangen. Averwerser betonte allerdings, dass die Bus- und Fährverbindungen erhalten und möglichst auch verbessert werden sollen.

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