Sparkassen-Areal am Brill

Star-Architekt Daniel Libeskind plant Bau von vier Türmen

Noch handelt es sich um geheime Entwürfe: Star-Architekt Daniel Libeskind plant auf dem Sparkassen-Areal am Brill den Bau von vier Türmen. Baubeginn könnte 2020 sein, wenn die Sparkasse ausgezogen ist.
16.02.2019, 19:57
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Star-Architekt Daniel Libeskind plant Bau von vier Türmen
Von Jürgen Hinrichs

Als Anfang Februar bekannt wurde, dass der US-amerikanische Star-Architekt Daniel Libeskind die Neubauten auf dem Sparkassen-Areal am Brill planen soll, war schon zu erwarten, dass etwas Spektakuläres dabei herauskommt. Libeskind ist bekannt für seine extravaganten Entwürfe. Und tatsächlich: Wie jetzt durchgesickert ist, begnügt er sich nicht mit Bauten im moderaten Maßstab der Umgebung. Es sollen im Gegenteil lauter Türme werden. Der Turmbau zu Bremen. Vier ovale Häuser, die unterschiedlich hoch aufragen und in der Spitze die Höhe des Bremer Doms erreichen, 98 Meter. Das hat der WESER-KURIER aus sicherer Quelle erfahren. Auch die Bild-Zeitung verfügt über entsprechende Informationen.

Die Pläne werden streng geheim gehalten. Zu viel Sprengkraft für den rot-grünen Senat vor den Bürgerschaftswahlen im Mai. Hochhäuser sind in Bremen stets umstritten, schon gar im Dunstkreis der Innenstadt und seiner Heiligtümer mit Rathaus, Roland, Marktplatz und Dom. Die Höhe der Kirche ist seit jeher das Maß aller Dinge. Nichts darf den Dom toppen oder auch nur vage in Konkurrenz mit ihm treten.

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Entsprechend heikel ist, was Libeskind für die Investoren des Sparkassen-Geländes gezeichnet hat. Auftraggeber sind die Brüder Pinchas und Samuel Schapira aus Israel. Sie waren dabei, als der Architekt seine Pläne im Bremer Rathaus einem kleinen, sehr feinen Kreis vorgestellt hat. Der halbe Senat kam kurzfristig zusammen, angeführt von Bürgermeister Carsten Sieling (SPD). Nicht das kleinste Detail sollte zunächst nach außen dringen. Fotografieren verboten! Die Skizzen wurden nach dem zweistündigen Treffen sofort wieder eingesammelt. Doch Augen sehen, und Hirn speichert ab, und so kommt nun doch an die Öffentlichkeit, was am Brill grob geplant wird.

Der niedrigste Turm im Libeskind-Entwurf nimmt die Höhe des historischen Sparkassen-Gebäudes auf. Das denkmalgeschützte Haus mit der riesigen Kassenhalle bleibt als einziges stehen. Alle anderen Gebäude auf dem 11 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Brill, Hankenstraße, Jakobistraße und Bürgermeister-Smidt-Straße werden abgerissen. Beginnen können die Arbeiten, wenn die Bank im Oktober 2020 ausgezogen ist.

Hochhäuser mit viel Grün

Mit jedem weiteren Turm gewinnt das Ensemble an Höhe, bis die 98 Meter erreicht sind. Es soll einen Bogen beschreiben, der sich an dem Verlauf der Hankenstraße orientiert. Nach den Informationen der Bild-Zeitung bekommen die ovalen Hochhäuser viel Grün, sowohl auf den Dächern als auch an den Fassaden, die Kletterpflanzen tragen, sogenannte hängende Gärten.

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Als Nutzung stellen sich der Architekt und die Investoren vor allem Wohnen vor – von günstigen Studentenappartements bis zu teuren Lofts mit einer Aussicht über die ganze Stadt. Es soll aber auch Gastronomie geben. Denkbar wäre außerdem teilweise eine öffentliche Nutzung. Ein Audimax zum Beispiel für Hochschule und Universität. Ein Vertreter der Investoren hatte auf Nachfrage ausdrücklich betont, dass dies zu den Überlegungen gehöre.

Vor gut einem Jahr waren für das 250-Millionen-Projekt die Ergebnisse eines städtebaulichen Wettbewerbes vorgestellt worden. Gewonnen hatte Robertneun, ein Architekturbüro aus Berlin. Sein Konzept, das unter anderem zwei hohe Häuser vorsah, sollte als Grundlage für das Bauleitplanverfahren und die weiteren Gespräche mit den Investoren dienen. Doch dann kam eine andere Entwicklung in Gang.

Eine Fläche, die nur durch Höhe erreicht werden kann

Die Schapiras hatten für den Wettbewerb zusammen mit der Stadt ein Bauvolumen von 47 000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche zugrunde gelegt. Ein halbes Jahr später sollte es plötzlich deutlich mehr werden. Aufgerufen werden dem Vernehmen nach mittlerweile rund 75 000 Quadratmeter. Eine Fläche, die nur durch Höhe erreicht werden kann. Libeskind hat diese Höhe jetzt geliefert.

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Bürgermeister Sieling war nach der trauten Runde im Rathaus mit dem Architekten vor die Kameras getreten und hatte sich mehr allgemein darüber geäußert, dass Bremen froh darüber sein könne, dass es in dieser Zeit so viele ausgezeichnete Angebote von Investoren und Architekten bekomme. „Das ist eine große Chance, die wir nutzen sollten.“ Einzige Einschränkung des Bürgermeisters: „Es muss passen und funktionieren.“ Bausenator Joachim Lohse (Grüne) äußerte sich direkt zu den Plänen von Libeskind: „Das ist ein kühner, mutiger Entwurf.“ Offen sei aber noch, wie hoch die Häuser tatsächlich ausfallen, wie viel Geschossfläche insgesamt geschaffen wird und welche Lösungen man für die verkehrliche Erschließung findet.

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