984. Freimarkt

Start in Bremens fünfte Jahreszeit

Die Karussells drehen sich, die Luft ist erfüllt vom Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Seit Freitag ist der Freimarkt eröffnet. Für Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt bedeutete das: harte Arbeit
18.10.2019, 20:29
Lesedauer: 4 Min
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Von Simon Wilke

Die fünfte Bremer Jahreszeit hat offiziell begonnen: Seit Freitagnachmittag, 16 Uhr, können sich die Bremerinnen und Bremer auf der Bürgerweide wieder gruseln, umherwirbeln lassen oder mit Schmalzgebäck eindecken. „Ischa Freimaak“ heißt es nämlich, und zwar spätestens seit Kristina ­Voigt (Die Linke), Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, in der „Königsalm“ das erste Bierfass der Freimarktsaison anschlug.

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„Ich war vorher vielleicht sogar etwas aufgeregter als am Abend der Bürgerschaftswahl“, sagte Voigt nach getaner Pflicht mit einem Augenzwinkern. „Aber nach dem ersten Schlag war der Hahn schon so fest drin, da war ich sicher, dass es klappen würde.“ Tatsächlich klappte es, und das war eine Premiere: In der 984. Auflage kam erstmals einer Frau die Ehre zu, den Freimarkt offiziell zu eröffnen. Die Erklärung Voigts: „Es gab vorher nie eine zuständige Wirtschafts- oder Innensenatorin.“

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Doch Voigts Anstich war nicht die erste Premiere des Tages. Denn zur Eröffnungsveranstaltung geladen wurde erstmals in die „Königsalm“. Bisher war traditionell im Bayernzelt gefeiert worden. In der „Königsalm“ tummelte sich dann auch allerlei Bremer Prominenz. Schauspieler Dirk Böhling, der die Eröffnung moderierte, konnte von Bremerhavens Bürgermeister Melf Grantz über etliche Bremer Bundestagsabgeordnete bis hin zu Werder-Legende Max Lorenz viele bekannte Gäste begrüßen. Und sie und die zahlreichen Besucher bekamen allerlei geboten.

Die schönste Zeit im Jahr

Zunächst durfte die neue Miss Freimarkt, Frederieke Karpinski, in einem weißen Kutschschlitten aus Holz unter dem Hallendach über die Köpfe der Gäste schweben. Die 25-jährige Bürokraft aus Osterholz-Scharmbeck hatte sich gegen 23 weitere Kandidatinnen durchgesetzt und war vorher offiziell mit Krönchen und Schärpe gekürt worden. Karpinski wird den Bremer Freimarkt nun ein Jahr lang repräsentieren und unter anderem den Freimarktumzug am kommenden Samstag, den 26. Oktober, anführen. „Die Freimarktzeit ist für mich die schönste Zeit im Jahr.“, sagte Karpinski.

Doch nicht nur in der „Königsalm“ wurde gefeiert. „Ischa Freimaak“ – das sieht seit Freitag jeder, der einen Blick auf den Roland wirft. Traditionell hatten am Nachmittag drei Schornsteinfeger das Bremer Wahrzeichen mit einem großen Freimarkt-Herz und vielen Luftballons geschmückt. „Ischa Freimaak“ – und das gleich dreimal – hieß es auch bei der Eröffnungsrede vom Bremer Bürgerschaftspräsidenten Frank Imhoff (CDU) zum kleinen Freimarkt. Er begrüßte freudig alle „Bre­merinnen und Bremer und auch die Butenbremer“, konnte aber nicht umhin, in seiner Rede auch auf das fast schon obligatorische Schmuddelwetter zur Freimarktzeit einzu­gehen.

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Denn kurz vor der offiziellen Eröffnung des kleinen Freimarkts hatte es noch in Strömen geregnet. Imhoff wollte sich die Laune davon jedoch nicht verderben lassen. „Der Bremer an sich ist wettererprobt“, stellte er gleich zu Beginn klar, und: „Wir gehen auch bei schlechtem Wetter gerne aus dem Haus und über den Freimarkt.“ Dass Imhoffs Optimismus durchaus berechtigt war, war offensichtlich. Rund um den Roland hatten sich jede Menge Zuschauer eingefunden, Kinder fuhren Karussell, und die ersten gebrannten Mandeln wurden verkauft. Diesen Charakter des Freimarkts lobte Imhoff explizit: „Bremens Freimarkt ist ein Volksfest und für alle da. Alle haben hier ihren Spaß.“ Und das gilt, laut Imhoff nicht nur für die Bremer. Regelmäßig kämen 3,5 bis vier Millionen Besucher zum Freimarkt, und „die gehen meist freudig nach Hause und erzählen, wie schön Bremen ist und was man hier Tolles erleben kann.“

Fassanstich mit vier Schlägen

Imhoff war später dann auch bei der Eröffnung in der „Königsalm“ zu Gast. Dort durfte er zusammen mit den Besucherinnen und Besuchern des Festzeltes die Schläge zählen, die Voigt brauchte, um das Freimarkt-Fass anzuschlagen. „Eins! Zwei! Drei! Vier!“, klang es aus den Kehlen der Gäste, dann floss das Bier. Damit hatte sie einen Schlag mehr benötigt, als Ex-Bürgermeister Carsten Sieling im Vorjahr. „Ich hatte mal eine Kneipe“, sagte Voigt, „aber das waren Aluminumfässer. Die sticht man nicht mit einem Hammer an.“ Nach diesen vier Schlägen und drei anschließenden „Ischa Freimaak“ war nun auch der große Bremer Freimarkt offiziell eröffnet.

Für Voigt war der Abend allerdings noch nicht vorbei. Ihr nächster Programmpunkt war das große Eröffnungsfeuerwerk. Für ­Voigt keinesfalls bloßes Pflichtprogramm: „Zum Feuerwerk gehe ich auf jeden Fall. Das mache ich bei jedem Freimarkt.“ Überhaupt ist die Senatorin ein Fan des Freimarkts. „Ich liebe die schönen Lichter und den Geruch nach gebrannten Mandeln, und ich gehe auch gerne mal in ein oder zwei Karussells“, verriet sie. In den kommenden Tagen werde sie allerdings vor allem dienstlich auf dem Freimarkt unterwegs sein, aber: „Ich versuche zumindest noch einmal in der zweiten Woche privat herzu­kommen.“

+ + Dieser Text wurde um 21.51 Uhr aktualisiert + +

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