Platz oder Brücke? Streit um Loriot-Gedenken wird immer skurriler

Bremen. In die Debatte um einen angemessenen Platz für Loriot mischt sich nun eine neue Stimme: Der Bremer Grünen-Chef Hermann Kuhn schlägt vor, die Bürgermeister-Smidt-Brücke in Loriot-Brücke umzuwidmen.
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Von Andrea Tiedemann

Bremen. In die Debatte um einen angemessenen Platz für Loriot mischt sich nun eine neue Stimme: Der Bremer Grünen-Chef Hermann Kuhn schlägt vor, die Bürgermeister-Smidt-Brücke in Loriot-Brücke umzuwidmen.

Die "schöne Brücke im Herzen Bremens" verbinde die Stadt und sei in Sichtweite von Radio Bremen, Loriots ehemaliger Wirkungsstätte. "Das ist ein würdigerer Platz als alle anderen", meint Loriot-Fan Kuhn. Von der Nähe zum Museum Weserburg verspricht sich Kuhn, dass auch die Zeichnungen, mit denen der Künstler seine Karriere begann, zu Ehren kommen.

Zudem müsse auch kein Anlieger seine Adresse ändern. "Die Brücke taucht nur in den Plänen namentlich als Bürgermeister-Smidt-Brücke auf." Dass man damit zugleich dem im 19. Jahrhundert lebenden Johann Smidt die "eigene Brücke" wegnehme, damit habe Kuhn keine Probleme. Smidt, der von 1821 bis zu seinem Tod im Jahr 1857 fast durchgängig Bremens Bürgermeister war, habe wegen seiner antijüdischen und antilutherischen Haltung sowieso einen zwiespältigen Ruf.

Seit dem Tod Vicco von Bülows Ende August wird in Bremen darüber diskutiert, welche Plätze sich als Erinnerungsstätten eignen. Vor einigen Tagen hatte sich bereits die CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Elisabeth Motschmann eingeschaltet. Sie kritisierte den Beschluss des Beirats Mitte, nach dem der Platz vor Radio Bremen nach Loriot benannt werden sollte. Ortsamtsleiter Robert Bücking kann den Streit nicht verstehen. "Der Platz ist hinreichend würdig", meint er, "Vicco von Bülow hatte ja auch einen Blick für Kleines und Skurriles." Doch auch Oliver Schmidt vom Bistro Grasshoff, in dem Loriot während seiner Bremer Aufenthalte oft Gast war, hatte sich über die Wahl des Platzes vor Radio Bremen beschwert.

Da den Beiräten bei der Benennung von öffentlichen Straßen und Plätzen ein verbindliches Vorschlagsrecht zusteht, sind dem Senat allerdings erst einmal die Hände gebunden. Werner Wick von der Senatskanzlei sagt, man könne im Stadtgebiet auch nur einen öffentlichen Ort nach Vicco von Bülow benennen. Der Bürgermeister wolle sich nun mit den Beteiligten zusammensetzen. Ein Treffen mit Vertretern der zuständigen Ressorts und Radio Bremen sei für nächste Woche geplant. Kanzleisprecher Hermann Kleen sei zudem mit der Tochter des verstorbenen Humoristen im Gespräch.

Stadtteile machen eigene Pläne

Doch während in Bremens Innenstadt diskutiert wird, verfolgen zwei weitere Stadtteile bereits eigene Ideen. In Huchting wurde bereits Ende September ein Beirats-Beschluss gefasst, wonach der Platz zwischen der Kirchhuchtinger Landstraße und dem Roland-Center dem Schöpfer der "Knollennasenmännchen" gewidmet werden soll. "Der Platz ist bisher unbenannt, die Namensgebung daher unproblematisch", sagt Ortsamtsleiter Uwe Martin.

In Osterholz hat man gleich ein privates Gelände ausgesucht. Der Beirat dort hatte sich Anfang September entschieden, mit einem Möbelhaus zu kooperieren. Osterholz hat beim Thema Loriot einen ganz eigenen Stolz, denn dort stand das alte Radio-Bremen-Funkhaus, in dem Vicco von Bülow viele seiner Sketche drehte. "Die Verbindung des Stadtteils zu Loriot endet nicht, nur weil man das Studio ins Faulenquartier setzt", erklärt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Als vor vier Jahren klar wurde, dass das aus den 60ern stammende Gebäude abgerissen wird, baten einige Osterholzer darum, Teile als Erinnerungsstücke aufzubewahren. "Mit Schaufel und Hacke haben wir vier Lampen ausgebuddelt", sagt Beirats-Mitglied Ingrid Osterhorn. Die Originalleuchten sollen nun bei der Gestaltung des neuen Platzes verwendet werden.

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