Täter erbeuten 43.000 Euro Trickbetrug bei Bremer Seniorin nach Drehbuch

Mit einer dreisten Lügengeschichte prellen Trickbetrügerin eine Bremer Seniorin um 43.000 Euro. Die Polizei ermittelt - hat dafür aber keinerlei Anhaltspunkte.
05.08.2018, 16:28
Lesedauer: 3 Min
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Trickbetrug bei Bremer Seniorin nach Drehbuch
Von Ralf Michel

Wenn die Polizei über Trickbetrügereien nach der Masche „falscher Polizist“ berichtet, betont sie stets zwei Details: Zum einen, wie skrupellos die Täter die Gutgläubigkeit, aber auch Hilflosigkeit und Einsamkeit vieler älterer Menschen ausnutzen. Zum anderen, wie professionell und kreativ die Betrüger vorgehen. Die Betrüger zögen dabei gleichermaßen aus Erfolgen und Misserfolgen ihrer Taten Schlüsse und würden ihre betrügerischen Methoden dementsprechend ständig anpassen und optimieren.

Wie ausgefeilt die Szenarien der Betrüger sind, um ihre Opfer zu hintergehen, zeigt ein Beispiel aus dem ersten Halbjahr 2018, bei dem die Täter über 43.000 Euro erbeuteten:

Opfer in diesem Fall ist eine über 80 Jahre alte Bremerin. Die Frau wurde vormittags von einem Mann angerufen, der sich als Kripobeamter ausgab. Er erklärte, dass tags zuvor in Bremen ein älteres Ehepaar von zwei Männern überfallen worden war. Bei diesem Ehepaar sei ein Zettel gefunden worden, den die Täter wohl verloren hätten. Auf dem Zettel hätten die Personalien der älteren Bremerin gestanden. Offenbar sollte sie das nächste Opfer werden.

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Dann erkundigte sich der Anrufer, ob die Frau ein Bankschließfach hätte. Sie bejahte dies und prompt folgte wie nach Drehbuch das nächste Kapitel der Lügengeschichte. Der angebliche Kripobeamte berichtete, dass die vermeintlichen Täter vorhätten, gemeinsam mit einem Mitarbeiter der Bank die Konten und Schließfächer der Kunden des Geldinstituts zu plündern. Sie solle deshalb ihr Schließfach leeren und ihr Bargeld abheben, man wolle den Tätern eine Falle stellen. Angst müsse sie dabei nicht haben, versicherte der Anrufer. Sie stünde unter ständiger Beobachtung, es könne ihr also nichts passieren.

Anschließend gab der Mann der Seniorin noch einen skurrilen Auftrag mit auf den Weg: Sobald sie ihr Bankschließfach geleert habe, sollte sie ein von zu Hause mitgebrachtes Buch darin deponieren. Dann nannte er der Frau eine Handynummer und forderte sie auf, ihn anzurufen. Auch das tat die Bremerin, der Kontakt zu den Betrügern war endgültig hergestellt.

Kennwort „Blume“

Im weiteren Verlauf des Vormittags erhielt sie auf ihrem Handy immer wieder neue Hinweise, bis sie sich schließlich zu Fuß zu ihrer Bank aufmachte. Dabei sollte sie das Telefonat nicht unterbrechen, damit man ihr jederzeit Anweisungen geben könne. Für eventuelle Zwischenfälle wurde ein Kennwort verabredet: „Blume“.

In der Bankfiliale hob die Bremerin zunächst 2000 Euro von ihrem Konto ab, steckte das Geld in ihre Brieftasche und diese in ihre Handtasche. Dann ging sie zu ihrem Schließfach, in dem sie mehrere braune Briefumschläge mit insgesamt 41.000 Euro Bargeld deponiert hatte. Auch ihr Sparbuch, auf dem eine weitere hohe Geldsumme eingetragen war, steckte sie in ihre Handtasche. Und legte dann wie aufgefordert das mitgebrachte Buch in das Schließfach.

Kaum war die Seniorin wieder zu Hause, meldete sich erneut der falsche Kripobeamte. Diesmal forderte er sie auf, ihre Handtasche unter einen gelben Autoanhänger zu legen, der unweit ihres Wohnortes auf einem Parkstreifen stand. Auch dies tat die Bremerin, doch damit war das von den Betrügern erdachte Szenario noch keineswegs beendet. Sie solle sich in Richtung eines Kindergartens in der Nähe entfernen. Man habe die verdächtige Personen in Sicht und werde nun versuchen, diese festzunehmen.

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Während sie die Anweisungen des falschen Polizisten entgegennahm, hörte die Frau in dessen Hintergrund jemanden „Noch keinen Zugriff!“ rufen. Als sie den Kindergarten erreichte, rief sie wie abgesprochen wieder die ihr bekannte Handynummer an. Erneut wurde sie aufgefordert, sich weiter zu entfernen. Diesmal ertönten im Hintergrund die Rufe „Zugriff! Zugriff!“, dann wurde die Verbindung unterbrochen.

Doch auch damit noch nicht genug. Noch einmal meldete sich der Anrufer. Diesmal, um sich bei ihr zu bedanken. Und um Zeit zu gewinnen: Sie solle nun nach Hause gehen und dort auf einen Kollegen warten, der ihre Handtasche zurückbringen würde.

Die Frau machte sich auf den Heimweg und wartete auf den Polizisten. Als der nicht kam, rief sie die Handynummer an. Und tatsächlich meldete sich der falsche Kripobeamte noch einmal. Erklärte seinem Opfer, dass sie auf einen Trick hereingefallen war, und legte auf.

In ihrer Verzweiflung lief die betrogene Seniorin sofort zu dem gelben Autoanhänger. Aber natürlich war ihre Handtasche verschwunden. Später bei der Polizei sagte sie aus, dass sie von der Vorgehensweise der Trickbetrüger durchaus schon in der Zeitung gelesen habe. Trotzdem sei sie auf den falschen Polizisten hereingefallen.

Keine Täterbeschreibung

Nach der vergeblichen Handtaschensuche rief die Frau ihre Tochter an. Die wiederum informierte umgehend die Polizei. Auch die Bank wurde alarmiert, um das gestohlene Sparbuch der Frau zu sperren. Der echten Polizei schilderte die Seniorin dann, was ihr widerfahren war. Doch mehr als die gesamte Geschichte zu erzählen, konnte sie nicht tun. Zwar gab es zahlreiche Telefonate, doch zu Gesicht bekommen hatte sie keinen der Täter. Die Stimme des falschen Kripobeamten habe nach einem etwa 50 Jahre alten Mann geklungen – mehr Anhaltspunkte hat die Polizei nicht.

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