Wohnungen in Lüssum

Überhöhte Vonovia-Abrechungen in Bremen-Nord im Fokus

Die CDU ist mit der Aufklärung überhöhter Heizkostenabrechnungen durch die Vonovia unzufrieden. Publik geworden waren zahlreiche Fälle in der Lüssumer Heide.
07.03.2018, 18:04
Lesedauer: 3 Min
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Überhöhte Vonovia-Abrechungen in Bremen-Nord im Fokus
Von Patricia Brandt
Überhöhte Vonovia-Abrechungen in Bremen-Nord im Fokus

Vonovia-Wohnungen in Lüssum.

Christian Kosak

Zwei Beispiele für Heizkostenabrechnungen der Vonovia: Nach nur einem Monat Mietzeit in einer Wohnung in der Lüssumer Heide sollte die Mieterin statt 100 plötzlich 450 Euro für Heizkosten zahlen. In einem anderen Fall forderte die Vonovia eine Nachzahlung für Heiz- und Betriebskosten von rund 4000 Euro. Während die Energiekartellbehörde Vorermittlungen zu auffällig hohen Heizkostenabrechnungen bei der Vonovia aufgenommen hat, tauchen in Blumenthal weiterhin kuriose Abrechnungen auf. An diesem Donnerstag beschäftigt sich auch die Sozialdeputation auf Bitte der CDU mit dem Thema.

Sigrid Grönert, CDU-Sprecherin für Soziales, hat nachgefragt, ob und wie die Behörden besonders hohe Nebenkostenabrechnungen von Hartz-IV- und Sozialleistungsempfängern prüfen, bevor sie zahlen. Wie berichtet, hat die Energiekartellbehörde aufgrund eines Berichts in unserer Zeitung Vorermittlungen zur Abrechnungspraxis der Vonovia aufgenommen. Jens Tittmann hatte Mitte Januar als Sprecher der Umweltbehörde Kontrollen angekündigt.

CDU reicht es nicht

Erste Informationen würden zurzeit ausgewertet, heißt es nun. Ob ein formelles Verfahren nach Paragraf 54 des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen eröffnet wird, stehe noch nicht fest. Bei den Ermittlungen geht es nach den Worten von Sprecher Jens Tittmann ausschließlich um die vom Fernwärmelieferanten in Rechnung gestellten Preise. Die Forderungen der Vonovia gegenüber ihren Mietern und mögliche technische Ursachen für außergewöhnlich hohe Verbräuche spielten keine Rolle bei der kartellrechtlichen Kontrolle.

Der CDU reicht das nicht. Sie will unter anderem wissen, wie viele Kontrollen wegen hoher Abrechnungen stattfinden und ob es bei hohen Nachforderungen „Toleranzgrenzen“ gebe. Auf zwei Seiten hat die Verwaltung die Fragen der CDU beantwortet. Laut Bericht führt das Sozialressort die sehr hohen Heizkostenabrechnungen auf Mängel in den Wohnungen zurück und ist hierzu mit der Vonovia und ihren Mietern im Gespräch. Das Sozialressort weiß von überhöhten Heizkostenabrechnungen im Bereich der sogenannten OPR-Wohnungen, in denen zum Beispiel Obdachlose einquartiert werden. Diese Forderungen wurden laut Bernd Schneider nicht übernommen. In anderen Fällen von überhöhten Forderungen habe das Sozialamt jedoch gezahlt.

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Sigrid Grönert sind die Aussagen zu unkonkret. Sie kritisiert, dass keine Zahlen genannt werden – es würden lediglich Formulierungen gewählt wie „unangemessene Höhen“ oder „nicht nachvollziehbar immens“. Die Politikerin hat den Eindruck, dass es keine systematische Aufarbeitung gibt: „Insbesondere, wenn ich lese, dass keine Aussage darüber möglich scheint, wie viele Abrechnungen geprüft wurden.“

In dem Bericht der Verwaltung ist lediglich die Rede von „einigen überhöhten Heizkostenabrechnungen“. Genau geschaut wird beim Amt nur in Einzelfällen. „Solange sich die Kosten im Rahmen der Angemessenheit bewegen, wird die Berechtigung einer Forderung grundsätzlich nicht angezweifelt.“ Und weiter: „Bestehen berechtigte Zweifel an einer Forderung aus Nebenkostenabrechnungen, erfolgt ein Verweis direkt an einen Mieterverein.“

Es wäre, sagt Sigrid Grönert, nicht verkehrt, eine sehr hohe Nachzahlungsforderung direkt zu überprüfen. „Lediglich die Gelegenheit zur Kostensenkung durch eine Energie- oder andere Beratung auf den Weg zu schicken, würde bedeuten, dass die Kosten auch im zweiten Jahr noch nicht viel geringer ausfallen dürften…“ Die CDU prüft nun, wie sie mit dem Thema weiter umgeht.

Leser meldete Ungereimtheiten in Huckelriede

Unterdessen hat sich ein Leser gemeldet, dem Ungereimtheiten in Huckelriede aufgefallen sind. So seien die Kosten dort 2016 im Vergleich zu 2014 um 280 Prozent gestiegen. Angegeben worden seien als Posten Heckenpflege und Sperrmüllumlage. Dabei gebe es in dem Bereich keine Hecken und Sperrmüll sei in Bremen kostenlos.

Nach den Worten von Nina Henckel, Sprecherin der Vonovia, würden jetzt zusammen mit dem Jobcenter Nachforderungen aus den Heizkostenabrechnungen 2015 und 2016 geprüft. Zu der Abrechnung aus Huckelriede könne sie keine Angaben machen, ohne genaue Details zu kennen. Sperrmüllkosten fielen immer dann an, wenn im Umfeld der Wohnungen Sperrmüll entsorgt wird und sich der Verursacher nicht ausfindig machen lässt.

Die Vonovia weiß laut Mitteilung aktuell nicht, ob sie ihren Mietern in der Lüssumer Heide überhaupt die richtigen Verbräuche zugeordnet hat. Nina Henckel: „Das heißt, dass wir anhand der Daten des zuständigen Messdienstleisters prüfen, ob den Mietern für die Abrechnung 2015 und 2016 die richtigen Verbräuche zugeordnet wurden. Hierfür sind Vorortbegehungen erforderlich, welche nach aktuellem Stand Anfang März abgeschlossen sein werden. Anschließend werden wir mit einer Lösung auf unsere Kunden zugehen.“

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