Discomeile in Bremen Umbau der Discomeile lässt auf sich warten

Umbau, Lichtkonzept oder eine temporäre Schranke - die geplanten Maßnahmen, um die Attraktivität der Bremer Discomeile zu steigern, sind weiterhin nicht umgesetzt.
14.12.2017, 19:23
Lesedauer: 4 Min
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Umbau der Discomeile lässt auf sich warten
Von Pascal Faltermann

Es geht nicht voran an der Discomeile. Mit der Lightplanke und dem Woodys stehen zwei Clubs seit geraumer Zeit leer. Die Hauseingänge und Ecken sind vermüllt, im Innenhof am Tower Musikclub liegen Spritzen und Fäkalien. Die für September angekündigte temporäre Schranke für den Breitenweg – gibt es noch nicht. Ein geplantes Meilenfest fand nicht statt. Umbaumaßnahmen, ein Lichtkonzept oder eine Aufbesserung des Schmuddelimages – Fehlanzeige. Dabei gab es die ersten Pläne dafür bereits 2013. Stattdessen gibt es nun Leerstand, Betreiberwechsel und weiterhin Ankündigungen, dass es besser werden soll.

Dorthin, wo sonst am Wochenende rund 20.000 Menschen feiern, kommen immer weniger Besucher. Das will zwar keiner der Betreiber offiziell sagen, aber unter vorgehaltener Hand wird es bestätigt. Drei Clubs sprechen zumindest von gleichbleibenden Gästezahlen. Aber es gibt auch Nachrichten wie diese: Im Oktober entdeckte die Polizei in einer Ex-Diskothek eine Großplantage für Cannabis. Dem Vernehmen nach sollte es sich dabei um die Lightplanke gehandelt haben. Insgesamt sollen darin 900 Cannabispflanzen untergebracht gewesen sein.

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Noch im April hatte sich SPD-Politiker Sükrü Senkal gefreut, dass im Entwurf für den Doppelhaushalt 2018/19 rund zwei Millionen Euro für den Umbau des Straßenzuges Breitenweg/Rembertiring eingeplant worden sind. Tatsächlich sind jetzt für 2018 700.000 Euro, für 2019 dann 1,3 Millionen Euro vorgesehen. Es bestand die Hoffnung, dass erste Maßnahmen im Laufe des Jahres umgesetzt werden. Doch es passierte so gut wie nichts. 2018 hätte die lange geplante Umgestaltung starten können. Derzeit sieht es erst nach dem zweiten Halbjahr 2018 aus.

„Ich warte darauf, dass es endlich losgeht“, sagt Senkal nun. Natürlich sei er immer noch sehr unzufrieden, dass es noch keine Erfolge zu sehen gebe. Er habe bereits in der letzten Sitzung der Bau- und Verkehrsdeputation noch einmal nachgefragt. Dort wurde ihm versichert, dass die Verträge für die notwendige Bebauungsplan-Änderung für den Innenhof zwischen Siemens-Hochhaus und Musikclub Tower im Bereich auf der Brake, bereits beim städtischen Liegenschaftsverwalter Immobilien Bremen liegen. Ziel ist es, einen mit Toren abschließbaren Veranstaltungsort entstehen zu lassen, wofür der Tower und das vis-à-vis gelegene Café Papagei ein Konzept erarbeitet hatten. Senkal wisse davon, dass es in der ganzen Thematik auch um Existenzen von Clubbetreibern geht. „Es wäre sehr schade, wenn beispielsweise der Tower-Betreiber irgendwann das Handtuch werfen würde.

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Dass sich bislang nicht viel getan habe, wollen die Vertreter der Bremer Baubehörde nicht ganz so stehen lassen. "Wir befinden uns derzeit in der Umsetzung", sagt Frank Steffe, Sprecher der Baubehörde. Vor allem bei der Umnutzung des Innenhofes am Tower Musikclub gebe es zahlreiche Schritte zu bedenken, da es eine öffentliche Fläche sei. So müssten in Beteiligungsverfahren die Träger öffentlicher Belange mit einbezogen werden. Eine Änderung des Bebauungsplanes müsse erfolgen, weil es sonst im Innenhof keine kulturelle Nutzung geben könne. Anfang des kommenden Jahres soll der Innenhof nun verschlossen werden. Der entsprechende Pachtvertrag, sei mittlerweile an die Anlieger des Hofes gegangen. „Wenn die Verträge nun raus geschickt wurden, würde mich das sehr freuen, sagt Olli Brock, Betreiber des Tower Musikclubs. "Dass die Tore dann aber auch da sind und abschließbar sind, das glaube ich erst, wenn ich es sehe“, sagt Brock. Das alles habe nun fast zweieinhalb Jahre gedauert.

„Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Umbau im zweiten Halbjahr 2018 starten können“, sagt Behördensprecher Steffe. Dann werde an der Verkleinerung des Breitenweges und den Nebenanlagen gearbeitet. Auch die Beleuchtung solle dann verbessert werden. Ein buntes Lichtkonzept solle irgendwann durch die Betreiber der Clubs installiert werden. Dass die temporäre Schranke zur Sperrung des Breitenwegs am Wochenende noch nicht im Einsatz sei, hänge an den Diskobetreibern, so Steffe. Unbestritten sei aber auch, dass es Handlungsbedarf gebe.

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Dass die Schranke noch nicht eingesetzt wurde, führt Bülent Ünal, Sprecher der Interessenvertretung Meile Kollektiv, darauf zurück, dass es zahlreiche Rücksprachen mit dem Amt für Straßen und Verkehr (ASV) sowie der Polizei Bremen gegeben habe. Auch aus dem Boden herausfahrbare Poller seien im Gespräch gewesen. Zudem müssten die Straßensperrungen mit einer kommenden großen Baustelle der Gewoba am Breitenweg noch abgestimmt werden. Er stehe als Vertreter des Meile-Kollektivs mit den Verantwortlichen des ASV im Gespräch. Zudem gebe es regelmäßige Treffen mit einem guten Austausch mit Behörden und Politik. Insgesamt sieht Ünal die Entwicklung eigentlich positiv, auch wenn es alles etwas langwierig sei. Er hat aber Verständnis für die Prozesse in den Behörden.

Von einem Besucherrückgang will er bei den Clubs La Viva, 2-Raumclub und Tower nicht sprechen, dort seien die Zahlen gleichbleibend oder gestiegen. Aber er weiß, dass nicht alle Kollegen mit der Situation zufrieden sind und es bundesweit einen Rückgang der Gäste in Großraumdiskotheken gibt. Ünal hat die Hoffnung, dass mit der Entwicklung des City-Gates am Bahnhofsplatz auch die Attraktivität der Diskomeile wieder steigt. Dann würde es vielleicht auch Interessenten für die leer stehenden Clubs geben. Und auch die Idee eines Meilenfestes gebe es weiter, das grobe Konzept stehe. Das Lichtkonzept werde dann auf den umgestalteten Breitenweg angepasst.

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