Umfrage zum eingeschränkten Regelbetrieb

Bremer Kita-Eltern blicken besorgt auf Ferienende

Eine Umfrage der Zentralelternvertretung (ZEV) bringt es an den Tag: Die Familien leiden unter dem eingeschränkten Regelbetrieb in den Bremer Kitas. Wenig verheißungsvoll auch der Blick in die Zukunft.
20.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Kita-Eltern blicken besorgt auf Ferienende
Von Frank Hethey
Bremer Kita-Eltern blicken besorgt auf Ferienende

Bis die Kinder in den Kitas wieder unbeschwert toben können, dürfte es noch dauern: Ein Regelbetrieb ist noch nicht in Sicht.

Uwe Zucchi /dpa

So einiges wurde den Eltern von Kita-Kindern abverlangt, als die Kita-Betreuung während der Corona-Monate nur noch auf Sparflamme lief. Seit Mitte Juni haben die Kindertagesstätten im eingeschränkten Regelbetrieb zwar wieder geöffnet. Doch so richtig rund läuft es nach Einschätzung der Zentralelternvertretung (ZEV) für die Familien noch lange nicht. Das geht aus einer Umfrage hervor, die die ZEV kurz vor Beginn der Sommerferien unter Eltern von Kita-Kindern vorgenommen hat.

Danach geben mehr als die Hälfte der Eltern (55 Prozent) an, ihr Betreuungsbedarf werde durch den eingeschränkten Regelbetrieb nicht vollständig abgedeckt. Mehr als 42 Prozent der Eltern sind gezwungen, ihre Kinder parallel zur eigenen Berufstätigkeit etwa im Homeoffice zu betreuen.

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Eine Rückkehr zum Regelbetrieb fordert deshalb ZEV-Vorstand Petra Katzorke. Sollte das nicht möglich sein, pocht sie auf eine „klare, transparente und frühzeitige Kommunikation“ durch die Bildungsbehörde wie auch auf ein „transparentes Notfallkonzept“. Daran hapert es aus ihrer Sicht. So viel Betreuung wie möglich zu versprechen, hält Katzorke nicht für ausreichend. „Es muss einen Stufenplan geben, sollte es Corona-bedingt wieder zu Rückschritten kommen“, so Katzorke. „Familie X muss wissen: Ab welcher Stufe hat mein Kind einen Platz.“ Behörde und Politik seien gefordert, ein tragfähiges Konzept in Absprache mit Arbeitgebern und den Einrichtungen zu erstellen.

Eltern schwant nichts Gutes

Wie sorgenvoll die Eltern der Situation nach den Ferien entgegenblicken, verdeutlicht die Umfrage, an der sich vom 5. bis zum 10. Juli insgesamt 1181 Personen beteiligt haben. Schon allein beim Gedanken an die Betreuungssituation im kommenden Herbst und Winter schwant vielen Eltern nichts Gutes: Mehr als 70 Prozent von ihnen fühlen sich gestresst, knapp 40 Prozent davon sogar stark gestresst, wenn sie sich ausmalen, welche Folgen eine Erkältungswelle oder eine zweite Corona-Infektionswelle für die Kinderbetreuung haben könnte.

Knapp 55 Prozent der Eltern wünschen sich eine Rückkehr zum Regelbetrieb. Die Marschroute von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), mindestens 20 Stunden Betreuung als eingeschränkten Regelbetrieb zu garantieren, empfinden zahlreiche Eltern als unzureichend. Fast 24 Prozent der Befragten befürworten eine Erhöhung auf 30 Stunden. Das passt zu den 23 Prozent der Eltern, die familiäre Bezugspersonen wie Großeltern einspannen, um die fehlende Betreuungszeit zu kompensieren. Ein Viertel der Eltern nimmt auch Gleitzeit oder Urlaub in Anspruch oder baut Überstunden ab. Zehn Prozent der Eltern haben für die Kinderbetreuung ihre Arbeitszeit reduziert.

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Viele Eltern beklagen einen mangelhaften Austausch zwischen Kitas und Elternschaft. Konkret geht es dabei um die schleppende Weitergabe von Informationen und eine fehlende Gesprächsbereitschaft. Ein weiterer Kritikpunkt: Bei Umsetzung der Pandemie-Regeln habe es Diskrepanzen zwischen verschiedenen Einrichtungen gegeben. Zahlreiche Eltern waren laut ZEV auch verärgert, wenn ihre Kitas ein restriktiveres Betreuungsangebot vorwiesen als andere Einrichtungen.

Mehr als 41 Prozent der Umfrage-Teilnehmer geben an, vor Ausbruch der Corona-Pandemie sei ihr Kind acht Stunden pro Tag in einer Kita betreut worden. Fast alle Teilnehmer der Umfrage (94 Prozent) erklärten, ihr Kind werde derzeit im eingeschränkten Regelbetrieb betreut. Etwas mehr als die Hälfte (52 Prozent) hatte bereits vorher einen Platz in der Notbetreuung. Mehr als ein Drittel der Eltern (36 Prozent) haben Kinder in einer Einrichtung der Bremischen Evangelischen Kirche, mehr als ein Viertel bei Kita Bremen.

Vorerst kein Regelbetrieb

Die Bildungsbehörde verweist unterdessen auf das dritte Rahmenkonzept, das mit den Kita-Trägern abgestimmt und kürzlich vorgestellt wurde. Diesem Konzept zufolge ist auch nach den Sommerferien vorerst nur mit einem eingeschränkten Regelbetrieb zu rechnen. Ein Grund: fehlendes Personal wegen der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe. Zudem dürfen gruppenübergreifende Angebote aufgrund der Ansteckungsgefahr derzeit nicht umgesetzt werden. „Was gerade im Früh- und Spätdienst zu Einschränkungen führt“, wie Ressortsprecherin Annette Kemp einräumt. Ein Aspekt, der in den Ferien mit den Kita-Trägern wie auch mit der ZEV beraten werden solle. Ein weiterer Hemmschuh für die Rückkehr zum Regelbetrieb: Die Umsetzung der Corona-Hygieneregeln schränkt die Kapazitäten ein.

Gleichwohl gibt es laut Bildungsressort aber auch Licht am Ende des Tunnels. „Viele Kitas gehen über 20 Stunden hinaus und bieten den Regelbetrieb an“, sagt Kemp. Die Kehrseite der Medaille: „Es gibt aber auch viele Kitas, die das aufgrund der Personalsituation nicht können.“ Eine möglichst verlässliche, transparente und flexible Kinderbetreuung ist laut Rahmenkonzept aber schon in Sicht: Für das nächste Kita-Jahr seien „Szenarien je nach Infektionsgeschehen unter den gegebenen Rahmenbedingungen zu planen“, heißt es in dem elfseitigen Papier.

ZEV-Vorstand Katzorke bleibt skeptisch, in ihren Augen werden die Kita-Eltern zu sehr allein gelassen. „Alles kehrt zur Normalität zurück. Aber man hat das Gefühl, dass die Familien vergessen werden.“

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