Bremer Uni wollte Tests auswerten Corona-Hilfsangebot der Uni Bremen läuft ins Leere

Die Bremer Uni hat sich mit einem Hilfsangebot für die Corona-Diagnostik eine Abfuhr eingehandelt. Im Frühjahr bot sie ihre Mitwirkung bei der Auswertung von Tests an, doch die Gesundheitsbehörde winkte ab.
05.12.2020, 05:00
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Corona-Hilfsangebot der Uni Bremen läuft ins Leere
Von Jürgen Theiner

An der Universität hat es im Frühjahr einen Versuch gegeben, Laborkapazitäten für die Corona-Diagnostik nutzbar zu machen und damit die kommerziellen Labore vor Ort zu unterstützen. Wie erst jetzt bekannt wird, wurde die Initiative von der Wissenschaftsbehörde unterstützt. Sie kam jedoch über das Konzeptstadium nicht hinaus, weil die Gesundheitsbehörde formale Bedenken geltend machte.

Der Anstoß für einen Beitrag der Uni zur Eindämmung der Corona-Krise kam Anfang April vom Rektorat. Die Pandemie hatte sich gerade voll entfaltet, und niemand konnte wirklich abschätzen, wie massiv sich der Bedarf an Test- und Auswertungskapazitäten in den kommenden Monaten erhöhen würde. „Wir wurden angesprochen, ob wir etwas aufbauen könnten“, erinnert sich der Virologe Andreas Dotzauer. Gemeinsam mit einer Kollegin aus dem Fachbereich Biologie/Chemie habe er sich hierzu bereit erklärt. „Natürlich wollten wir nicht in Konkurrenz zu den Laboren treten, die am Markt tätig sind, sondern als Back-up zur Verfügung stehen“, unterstreicht Dotzauer.

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Nach Rücksprache mit der Wissenschaftsbehörde, die das Vorhaben ausdrücklich unterstützte, habe man sich an die Arbeit gemacht. Der Bedarf an technischer Aufrüstung und Logistik wurde abgeschätzt, außerdem holte Dotzauer eine kleine Firma, die notwendige Reagenzien liefert, als Partner mit an Bord. „Mit zwei bis drei Monaten Vorlauf hätten wir an den Start gehen können“, sagt der Virologe in der Rückschau. Rund 260.000 Euro habe er an Kosten kalkuliert.

Laborarzt fehlte

Frühzeitig sei allerdings deutlich geworden, dass einige Akteure in der Gesundheitsbehörde von der Initiative aus der Universität nicht übermäßig begeistert waren. Nachdem sich die Corona-Krise im Sommer zu entspannen schien, habe er von dort auch nichts mehr gehört. „Wir haben dann unsere Bemühungen erst einmal eingestellt“, so Dotzauer. Dass seine Offerte letztlich so wenig Widerhall fand, findet der Professor im Nachhinein „ärgerlich“.

Im Wissenschaftsressort kann man das nachvollziehen. „Wir wollten, dass das klappt“, ist von Sprecher Sebastian Rösener zu erfahren. Staatsrat Tim Cordßen habe frühzeitig ausgelotet, ob an der Universität Kapazitäten zur Auswertung von Corona-Tests geschaffen werden könnten. Im Gesundheitsressort hielt man indes wenig von dem Vorstoß, wie Sprecher Lukas Fuhrmann bestätigt.

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Wichtige Voraussetzungen nach dem Infektionsschutzgesetz seien an der Uni nicht gegeben gewesen. So sei „für die Feststellung einer Infektion oder übertragbaren Krankheit eine Approbation als Arzt“ erforderlich. Dieser müsse auch über einschlägige Zusatzqualifikationen bei der Arbeit mit Krankheitserregern verfügen. Ein solcher Mediziner sei jedoch nicht aufzutreiben gewesen, obwohl man über Bremen hinaus danach gesucht habe. „Deswegen musste das gesamte Vorhaben leider verworfen werden“, bedauert Fuhrmann.

Diagnostik an Uni „nicht hilfreich“

Bei den kommerziellen Laborbetreibern in Bremen hält man diese Entscheidung für „vollkommen richtig“. So formuliert es Andreas Gerritzen. Er leitet das Medizinische Labor Bremen in Horn-Lehe. Bei aller Wertschätzung für die Akteure an der Universität habe er es „nicht für hilfreich gehalten“, dass dort eine Corona-Diagnostik aufgebaut wird, sagt Gerritzen. Nach seiner Einschätzung hätte es neben dem Arztvorbehalt weitere praktische Schwierigkeiten gegeben, unter anderem bei der Geräteausstattung. Gerritzen: „Die Initiative der Gruppe um Professor Dotzauer fiel in die erste Welle der Corona-Pandemie. Damals waren wir mitnichten an der Grenze des Leistbaren“, weshalb es auch keine Notwendigkeit für weitere Laborkapazitäten gegeben habe.

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Angespannt sei die Lage nur für kurze Zeit gewesen, als nach dem Spätsommer – ausgelöst durch infizierte Urlaubsreisende – die Zahl der Corona-Tests in die Höhe schnellte. Seit der Änderung der staatlichen Teststrategie im November und der Konzentration auf symptomatische Patienten sei wieder eine gewisse Entspannung eingetreten. „Die Analytik läuft“, gibt Gerritzen Entwarnung.

Für Andreas Dotzauer hat sich die Sache erledigt, und zwar dauerhaft. Dem ­WESER-KURIER sagte der Virologe, er würde sich bei einer Änderung der Lage nicht noch einmal zur Verfügung halten.

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Bremer Labore

Der größte Teil der Corona-Tests, die aus Bremen und dem Umland stammen, wird im Medizinischen Labor Bremen an der Haferwende ausgewertet. Mitte November war dort ein Spitzenwert von rund 2000 Befunden pro Tag erreicht, inzwischen sind die Zahlen rückläufig. Ein weiterer größerer Anbieter von Corona-Diagnostik ist das LADR Laborzentrum in der Östlichen Vorstadt. Auch in den Laboren des Klinikverbundes Geno und bei den freien Kliniken werden Tests ausgewertet.

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