Anwohner und Geschäftsleute befürworten das Vorhaben / Thema wird am 23. April im Stadtteilbeirat behandelt

„Vegesacker“ Walles erste Fahrradstraße?

Walle. Ob es am Verkehrsentwicklungsplan (VEP) liegt, in dem die Einrichtung von Fahrradstraßen ausdrücklich befürwortet wird? In Sachen Vegesacker Straße jedenfalls geht es flott voran: Nachdem im Dezember der Waller Beirat auf Initiative der SPD-Fraktion das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) beauftragt hatte, die zentrale Waller Einkaufsmeile daraufhin zu prüfen, ob sie als Fahrradstraße ausgewiesen werden könnte, beschloss Anfang März die Bau- und Verkehrsdeputation, die Vegesacker zu einer Fahrradstraße weiterzuentwickeln.
16.04.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling

Ob es am Verkehrsentwicklungsplan (VEP) liegt, in dem die Einrichtung von Fahrradstraßen ausdrücklich befürwortet wird? In Sachen Vegesacker Straße jedenfalls geht es flott voran: Nachdem im Dezember der Waller Beirat auf Initiative der SPD-Fraktion das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) beauftragt hatte, die zentrale Waller Einkaufsmeile daraufhin zu prüfen, ob sie als Fahrradstraße ausgewiesen werden könnte, beschloss Anfang März die Bau- und Verkehrsdeputation, die Vegesacker zu einer Fahrradstraße weiterzuentwickeln.

Was das konkret für den Stadtteil bedeutet, das wollte nun der Verein Waller Geschäftsleute wissen und hatte Verkehrsplaner Wilhelm Hamburger vom Bauressort sowie Vertreter von SPD und Grünen zu einer Informationsveranstaltung in die Sportklause eingeladen.

1746 Fahrräder und 1755 Kfz sind Untersuchungen zufolge täglich auf der Vegesacker Straße unterwegs – mit diesem Verkehrsaufkommen käme sie entsprechend Bremens Leitlinien mit ihrer Fahrbahnbreite von 5,50 Metern als Fahrradstraße durchaus in Betracht. Experte Hamburger würde das Vorhaben befürworten; sein Fazit: „Nicht alle Vorgaben der Leitlinien können erfüllt werden – die Vorteile überwiegen jedoch.“

So würde eine Fahrradstraße den Einzelhandel vor Ort stärken, da mehr Parkplätze für auswärtige Kunden zur Verfügung stünden. Auch wäre sie ganz im Sinne einer „Stadt der kurzen Wege“ und könnte das Verhalten von Auto- und Radfahrern positiv beeinflussen. Immer wieder nämlich beführen Radfahrer hier die Fußwege, berichteten einige der rund 60 Zuhörer – darunter viele Gewerbetreibende und Anwohner. Ihre Hoffnung: Dass Radler vermehrt die Straße nutzen würden, wenn sie dort bevorzugt würden.

Das größte Problem, zeigte die Diskussion, ist allerdings die in Bremens Leitlinien empfohlene „Bevorrechtigung von Fahrradstraßen“, die schließlich Hauptverbindungen des Radverkehrs werden sollen. Dies wäre hier aber schwer zu realisieren. So gilt auf der Vegesacker Straße, die in der Tempo-30-Zone zwischen Waller Heerstraße und Nordstraße liegt und vor rund fünf Jahren aufwendig saniert und dabei mit Hochpflasterungen in mehreren Kreuzungsbereichen umgestaltet wurde, derzeit die Regelung rechts vor links – was eine Vorfahrtsberechtigung laut der bundesweit geltenden Straßenverkehrsordnung ausschließt.

Durch Einbahnstraßenregelungen in den Seitenstraßen oder Vorfahrtsschilder an den Kreuzungen ließe sich gegensteuern. Hamburger empfiehlt nun zunächst Piktogramme in den Einmündungsbereichen, eine Fahrradstraßen-Beschilderung und eine konsequente Parkraumüberwachung, um das Parken in zweiter Reihe zu verhindern. Dies nämlich verursache Engpässe, an denen es erfahrungsgemäß zu Konflikten zwischen Autos und Fahrrädern komme.

Viel werde sich also eigentlich nicht ändern, stellte Beiratsmitglied Franz Roskosch (CDU) fest: „Radfahrer fahren dort jetzt schon nebeneinander – zukünftig dürfen sie das dann auch.“ „Man könnte fragen: Wo ist da der Unterschied – außer den Piktogrammen bleibt alles, wie es ist“, meint auch die grüne Beiratspolitikerin Cecilie Eckler-von Gleich und spricht in diesem Zusammenhang von einer „Fahrradstraße light“. Ihr Parteikollege Ralph Saxe, Verkehrspolitischer Sprecher der Bürgerschaftsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sieht aber einen deutlichen Unterschied zumindest in der Symbolik: „Es gäbe dann einen Vorrang für Räder – da würde etwas umgekehrt und das ist ein gutes Zeichen: Walle wird noch fahrradfreundlicher!“

Wie sind Fahrradstraßen und Tempo-30-Zonen miteinander vereinbar – und zwar, ohne dass es zu einer Überbeschilderung kommt? Die bundesweit gültige Straßenverkehrsordnung macht dazu derzeit keine klare Aussage. Jürgen Pohlmann (SPD), Sprecher der Bau- und Verkehrsdeputation der Bremischen Bürgerschaft, will das ändern und strebt gemeinsam mit den Grünen eine entsprechende Gesetzesinitiative an. Schließlich müsse eine Verkehrswende kommen, ist er überzeugt, denn nicht alle könnten sich zukünftig ein Auto leisten und auch dem Klimaschutz müsse entsprochen werden. „Diese Veranstaltung hat gezeigt, dass wir uns einig sind: Wir wollen hier eine Fahrradstraße. Und das Ziel ist, dass der Radverkehr dann auch Vorrang haben sollte“, sagt er. Ob der Beirat es genauso sieht? Dessen Sprecher Wolfgang Golinski (SPD) will für die nächste Sitzung am 23. April einen Antrag vorbereiten.

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