Zeitplan des Verkehrsressorts

Bau der Bremer Fahrradbrücke dauert länger

2023 sollte die erste der drei geplanten Fahrrad- und Fußgängerbrücken über die Weser fertig sein. Aus einem ersten Zeitplan des Bremer Verkehrsressorts geht nun hervor, dass sich der Bau verzögert.
09.02.2021, 20:33
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Bau der Bremer Fahrradbrücke dauert länger
Von Pascal Faltermann

Das Ziel war definiert. Bis zum Ende der jetzigen Legislaturperiode im Jahr 2023 sollte die erste Brücke für Fußgänger und Radfahrer über die Kleine Weser gebaut sein. Das war das Ergebnis einer Machbarkeitsstudie, und auch im rot-grün-roten Koalitionsvertrag war es so formuliert. Doch ganz so schnell wird es nicht gehen. Aus einem konkreten Zeitplan der Verkehrsbehörde, der dem WESER-KURIER vorliegt, geht hervor, dass der Plan angepasst werden muss. Demnach könnte erst im Wahljahr 2023 mit dem Bau begonnen, die Brücke zwei Jahre später fertig werden.

Insgesamt beschäftigt sich das Verkehrsressort mit drei Radfahrer- und Fußgängerbrücken über die Weser: im Bremer Osten zwischen Hemelingen und Habenhausen, in Mitte zwischen Altstadt und Neustadt sowie im Westen zwischen Woltmershausen und Überseestadt. Im Koalitionsvertrag heißt es dazu: „Die Anbindung der Stadtteile Links der Weser werden wir verbessern. Daher werden wir in dieser Wahlperiode drei Weserquerungen für den Fuß- und Radverkehr planen und bauen.“

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Am weitesten sind die Vorbereitungen für die Querung in der Innenstadt. Erforderlich sind dort zwei Brücken, je eine über die Weser und über die Kleine Weser. Von der Neustadt (Höhe Piepe) soll es rüber zur Altstadt (Höhe Einmündungsbereich Altenwall/Tiefer) gehen. Die Übergänge sollen mit der Fahrradroute Wallring einen Ring um die Innenstadt ermöglichen und damit Konflikte in der Innenstadt zwischen Fußgängern und Radfahrenden entzerren.

Laut Zeitplan, der an diesem Donnerstag in der zuständigen Deputation vorgestellt wird, geht das Ressort davon aus, dass in diesem Jahr alles für das Bauwerk über die Kleine Weser fachlich geplant wird, damit das Planfeststellungsverfahren 2022 umgesetzt werden kann. Dann könnte es 2023 mit den Arbeiten losgehen, und Mitte 2025 könnten die ersten Radfahrer über die Brücke fahren. Für die Große Weserbrücke soll im zweiten Halbjahr 2022 ein Planungswettbewerb mit einer Vorzugsvariante abgeschlossen sein. Dann wird konzipiert und entwickelt, um im zweiten Halbjahr 2025 mit dem Bau beginnen zu können. Die Fertigstellung ist für Mitte 2027 vorgesehen.

Radweg muss angepasst werden

„Als Radfahrer wünsche ich mir auch eine schnellere Planung, aber eine gute Brückenplanung dauert eben“, sagt der für Mobilität zuständige Staatsrat Ronny Meyer (Grüne). Bislang habe es noch keinen konkreten Zeitplan gegeben, nur den angedachten Termin in der Machbarkeitsstudie. Durch diesen sei ein grober Plan für den Verlauf und die entsprechenden Korridore festgelegt worden. Nun gehe es an die Details. Bei der Brücke über die Kleine Weser müsse der genaue Standort zum einen an die geplante Stadtstrecke – ein Projekt, bei dem der Deich links der Weser erhöht wird – angepasst werden. Zum anderen der Verlauf des geplanten Radwegs auf dem Stadtwerder festgelegt werden. Dieser könne entweder rechts oder links an einem Spielplatz vorbeiführen.

In dem Papier des Verkehrsressorts wird darauf hingewiesen, dass verschiedene Möglichkeiten geprüft wurden, um bei der Umsetzung Zeit zu sparen. Auf die Empfehlungen des Gestaltungsgremiums oder die Planfeststellung zu verzichten, könne man fachlich aber nicht empfehlen. Das Arbeiten rund um die Uhr an sieben Tagen der Woche könnte mit höheren Kosten verbunden sein und Anwohner oder das Krankenhaus durch Lärm stören.

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„Das ist wie bei einer Altbausanierung, nicht alles ist vorhersehbar. Wir machen das lieber richtig, seriös und so schnell es geht“, sagt Ralph Saxe (Grüne), auf die Vorlage angesprochen. „Wir freuen uns, dass die Zeitpunkte nun konkreter werden und es mit den Brücken vorangeht“, sagt Falk Wagner (SPD). Die SPD-Fraktion sehe die größten Vorteile bei der Brücke im Bremer Osten, weil diese die Wohn- und Industriegebiete verbinde. Die Querung erreiche die beste verkehrliche Entlastung und höchste CO2-Einsparung der drei Projekte. „Deswegen sollte diese Brücke Priorität genießen“, so Wagner.

Beginn mit Bau der Korbinsel-Brücke im Jahr 2025

Mit dem Bauwerk in Hemelingen wird vor allem das Ziel verfolgt, die Arbeitswege vom Pkw auf das Fahrrad zu verlagern. Berufspendler – nicht nur aus Habenhausen, Kattenturm und Arsten, sondern auch aus den niedersächsischen Nachbarkommunen Weyhe und Brinkum – können hiervon profitieren, heißt es in der Vorlage des Verkehrsressorts. Ausgegangen wird davon, dass im zweiten Halbjahr 2022 das Vergabeverfahren mit einer Vorzugsvariante abgeschlossen ist und danach die genauere Planung beginnen kann. Ziel ist es, 2024 das Planfeststellungsverfahren durchzuführen und im zweiten Halbjahr 2025 mit dem Bau der Korbinsel-Brücke zu beginnen. Die Fertigstellung ist für Mitte 2027 geplant.

Bei der Brücke im Bremer Westen machen die Sozialdemokraten etwas Druck: „Die Machbarkeitsstudie sollte zeitnah vergeben werden“, sagt Wagner. Bislang gebe es nur Vorgespräche dazu. In Woltmershausen und der Überseestadt müssen die genauen Brückenstandorte noch gefunden werden. Auch die technische Machbarkeit und die Anbindung des Verkehrs müssen laut Verkehrsressort untersucht werden.

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„Bike und Ride“ auf der Agenda

Die Sitzung der staatlichen und städtischen Deputation für Mobilität, Bau und Stadtentwicklung ist für Donnerstag, 11. Februar, um 15 Uhr terminiert. Die Abgeordneten diskutieren die Themen in einer Videokonferenz, beschlossen werden die verschiedenen Punkte in einem Umlaufverfahren. Auf der Agenda stehen unter anderem die Auswahl von Klimaschutzprojekten, die Neufassung des Bremischen Wohnraumschutzgesetzes und das „Bike und Ride“-Ausbauprogramm an Bahnhöfen in Bremen. Die Tagesordnung und die Unterlagen zur Deputation finden sich unter www.bremische-buergerschaft.de.

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