Neuer Fernbusterminal Vorfreude auf den neuen ZOB

Der ZOB am Breitenweg steht vor dem Aus, die Reise geht zum neuen Standort hinter dem Fruchthof: Nicht nur die Fahrgäste freuen sich darauf, auch den Busfahrern fällte ein Stein vom Herzen.
05.01.2018, 21:07
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Frank Hethey

Wenn der Busfahrer Christian Franz in Zukunft den neuen Fernbusterminal ansteuert, dürfte er begeistert sein. Vorbei die Zeiten, da er direkt am viel befahrenen Breitenweg halten, womöglich auch noch rangieren musste. Stattdessen geht es vom Breitenweg hinter dem früheren Fruchthof scharf rechts ab und dann in einem eleganten Bogen in den eigentlichen Haltebereich. Insgesamt elf Parkbuchten sollen dort angelegt werden. Verlassen werden die Busse das neue Terminal über eine Ausfahrt gegenüber vom Cinemaxx-Kino. Auch die Fahrgäste werden in den Genuss eines ungewohnten Komforts kommen. Nicht nur, weil der gesamte Wartebereich überdacht sein soll. Sondern auch wegen des Serviceangebots – geplant sind öffentliche Toiletten, ein Imbiss, sogar als letzter Schrei „Kiss & Ride-Plätze“ für den schnellen Abschied.

Als Fernbusfahrer kennt sich Franz bestens aus mit deutschen Bushaltestellen. Täglich steuert er eine ganze Reihe von ihnen an, der Mann aus Neuss kann sich ein fundiertes Urteil erlauben. Auch über die Situation am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) am Breitenweg. „Aus Busfahrer-Sicht ist die Lage in Bremen katastrophal“, sagt er. Damit meint er gar nicht einmal die Parkbuchten, deren Größe sei ausreichend. „Die Zufahrt ist das Problem.“ Oft genug blockieren kurzzeitig haltende Privatautos die Busplätze. Und wenn die nicht da sind, bleibt immer noch die Einfahrt in die Parkbucht. Zum Beweis zeigt er auf ein schiefes Verkehrsschild – das sei von ihm. Auch die Anfahrt über den Breitenweg verlangt den Busfahrern einiges ab. Zumal die jetzt auch noch „ein bisschen“ erschwert werde durch die Baustelle vorm Hauptbahnhof.

„Eng, laut und gefährlich“

Kein Wunder, dass sich Christian Franz auf den neuen Standort am Güterbahnhof freut. Ebenso wie Fahrgast Hildburg Innecken aus Delmenhorst, die zwei- bis drei Mal im Jahr die Fernbusverbindung nach Düsseldorf nutzt. Am Breitenweg sei es „eng, laut und gefährlich“, lautet ihr vernichtendes Urteil. Eben erst sei sie fast von einem Fahrrad umgefahren worden. Für sie das fast zwangsläufige Ergebnis der drangvollen Enge, als Fußgänger vergesse man allzu leicht die Radfahrer. „Und das, obwohl ich selbst Fahrradfahrerin bin“, sagt die 66-Jährige kopfschüttelnd. „Da wird es am neuen Platz wohl sicherer sein.“

Lesen Sie auch

Wer sich umhört unter den Wartenden am Breitenweg, wird kein Wort des Bedauerns über den ZOB-Umzug vernehmen. Uneingeschränkt positiv äußert sich auch Mario Schulz, nach eigenem Bekunden „ein richtiger Binnenbremer“. Bis vor einigen Jahren hat er in Bremen gewohnt, nun lebt und arbeitet er in Flensburg. Um Eltern und Freunde zu besuchen, kehrt er regelmäßig per Bus in seine Heimatstadt zurück. Nirgends sonst hat er einen Busbahnhof wie in Bremen gesehen. „Eine Haltestelle direkt an der Hauptstraße kenne ich nicht aus anderen Städten“, sagt der 40-Jährige. „Und schon gar nicht, dass die Busfahrer auf der Fahrbahn rangieren müssen.“

Alles andere als angenehm auch, mitten im rauschenden Verkehr des viel befahrenen Breitenwegs das Gepäck im Bus zu verstauen. Amadou Barry zieht vielsagend die Augenbrauen hoch. „Es ist alles sehr eng, erst recht auf der Straße mit den Autos.“ Die Verlegung findet er deshalb „sehr gut“.

Der Breitenweg hatte keine Zukunft

Sich bei Wind und Wetter an eine Hauswand zu drücken, keinen richtigen Unterschlupf zu haben und keine Möglichkeit, sich eine kleine Erfrischung zu holen, das Gewusel mit dem Fahrzeugverkehr auf der einen Seite und den Radfahrern auf der anderen – alles Faktoren, die dem Bremer ZOB beim bundesweiten ADAC-Test vor einem Jahr den vorletzten Platz beschert haben. Dass der Standort am Breitenweg keine Zukunft hat, war schon vorher klar, schon seit Jahren hat sich die Stadt nach Alternativen umgesehen. Als ernsthafter Anwärter galt der Flughafen – und sehr früh auch schon das jetzt avisierte Areal am Güterbahnhof.

Lesen Sie auch

Freilich sieht es am künftigen Standort noch nicht nach einer glänzenden Zukunft aus. Wo ab 2020 die Busse halten sollen, befindet sich derzeit ein Parkplatz, in den angrenzenden Sträuchern liegt haufenweise Müll herum. Eine typische Schmuddelecke mit wenig anheimelnden Bahnhofsflair. Der betagte Güterschuppen aus Kaisers Zeiten unterstreicht die Tristesse. Nach strahlendem Leben sieht das sichtlich vernachlässigte Gebäude nicht gerade aus. Den hinteren Teil nutzt die Firma Vivagardea als Lagerhalle, im vorderen Bereich sitzt die Discothek „Gleis 9“. Für den neuen Busbahnhof muss der Altbau weichen. Kolja Beckmann, Geschäftsführer des Tanzlokals, ist überrascht von den konkreten Bauplänen. „Wir finden es natürlich schade“, sagt Beckmann. Jetzt muss er umdenken. „Wir machen so lange weiter, wie es geht.“ Danach wolle er einen neuen Ort für seine Discothek finden.

Und was sagen die anderen Anlieger zu den Plänen – diejenigen, die im früheren Fruchthof ihrer Arbeit nachgehen? Einer von ihnen ist der Architekt Ronald Kirsch, dessen Büro im Erdgeschoss des Gebäudes liegt. In absehbarer Zeit wird sich der Trubel des Fernverkehrs fast direkt vor seiner Haustür abspielen, nur der hauseigene Parkplatz trennt seinen Arbeitsplatz dann noch vom Busterminal. Ein Problem hat der Architekt damit nicht. Der Zustand am alten ZOB sei „unhaltbar“, sagt er, eine „Totgeburt“ von Anfang an. Als Autofahrer passiert er den Engpass täglich auf dem Weg zur Arbeit. „Da muss man Bedenken haben, dass jemand beim Kofferrausholen auf der Kühlerhaube landet.“

Gut findet er, dass der Busterminal zentral in Bahnhofsnähe bleibt und nicht etwa zum Flughafen oder nach Hemelingen verlegt wird. „Für die Fahrgäste wäre das ein riesiger Umweg gewesen.“ Skeptisch beurteilt der Architekt nur die Zufahrt. Weil der Fahrradverkehr in beiden Richtungen erlaubt ist, sei das Abbiegen schon jetzt für ihn als Autofahrer „ein Graus“. Kirsch: „Ein Wunder, dass da noch nichts Schlimmes passiert ist.“

Eher zurückhaltend beurteilt eine Mitarbeiterin vom Amt für Soziale Dienste die Pläne für den ZOB. Die Behörde belegt fast das gesamte frühere Fruchthof-Gebäude. Das Jugendamt ist dort ebenso untergebracht wie die Flüchtlingsbetreuung. Der Fernbusterminal würde sicher „viel Betrieb“ bringen, sagt die Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte – soll heißen: vielleicht zu viel Betrieb. Immerhin können die Städteplaner ihre Sorgen wegen der wegfallenden Parkplätze zerstreuen. Denn als Ersatz ist ein Parkhaus mit rund 500 Plätzen geplant.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+