Wahlkampf-Vorbereitungen

Wahlkampf im Zeichen von Corona

Eine Wahlkampf-Kundgebung auf dem Marktplatz wird es diesmal nicht unedingt geben. Wenn die Spitzenkandidaten nach Bremen kommen, stehen auch andere Formate zur Wahl.
18.07.2021, 13:43
Lesedauer: 3 Min
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Wahlkampf im Zeichen von Corona
Von Frank Hethey

Ganz im Zeichen der Corona-Pandemie steht der Wahlkampf für die Bundestagswahl am 26. September. Mit klassischen Massenveranstaltungen auf dem Marktplatz ist diesmal nicht unbedingt zu rechnen. Zwar werden sich die Kanzlerkandidaten Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) in Bremen blicken lassen, aber eher in alternativen Konstellationen. Auf den Haustürwahlkampf will dagegen keine Partei verzichten. 

Anders als vor vier Jahren, als Martin Schulz zum Wahlkampfauftakt auf dem Marktplatz sprach, bevorzugt SPD-Kandidat Scholz bei seinem Wahlkampfbesuch eine überschaubare Runde. In Bremen war er schon, nach aktueller Planung kommt er am 9. August nach Bremerhaven. Er werde dort aber keine "große Kundgebungsrede" halten, sagt Landesgeschäftsführer Roland Pahl. Im Mittelpunkt stünden Diskussionen mit den Bürgern.

Auch CDU-Kandidat Laschet wird kaum auf einer Großveranstaltung auf dem Marktplatz zu sehen sein. Angesichts der Corona-Situation würde die Organisation "sicher sehr schwierig sein", sagt Fraktionschef Heiko Strohmann. Eine andere Option gibt es bislang nicht. "In welchem Format er sich zeigen wird, wissen wir noch nicht." 

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Das Spitzenpersonal der Grünen wird aller Voraussicht nach ebenfalls in Bremen erscheinen. Mit dem Besuch von Baerbock und Co-Parteichef Robert Habeck rechnet Landesvorstandssprecherin Alexandra Werwath im August oder September. Angesichts der Corona-Situation geht Werwath „eher von einer Open Air-Veranstaltung als einer Indoor-Veranstaltung“ aus. Anders als SPD und CDU schielen die Grünen auf den Markplatz als Veranstaltungsort. "Der Domshof scheidet wegen der Bühne aus", sagt Sprecherin Ina Schulze.  

Eine größere Veranstaltung mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Lindner plant die FDP nach aktuellem Planungsstand für Anfang September. "Vorausgesetzt, Corona lässt es zu", sagt die stellvertretende Landesvorsitzende Bettina Schiller. Nicht nur der Parteichef, auch andere prominente Bundesliberale sollen in Präsenzveranstaltungen auftreten. Mit Publikum sind verschiedene Aktionen geplant, "natürlich auch ein Sommerfest für alle". 

Statt auf Großveranstaltungen mit Parteiprominenz setzt die SPD auf individuelle Ansprache. Eine Woche vor dem Urnengang soll Bundesarbeitsminister Hubertus Heil nach Bremen-Nord kommen, aber nur im kleinen Kreis. Geplant seien viele Aktionen vor Ort, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, sagt Pahl.

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Ein besonderes Augenmerk legt die CDU auf den digitalen Wahlkampf. "Social Media und online werden eine wichtigere Rolle spielen als in den letzten Jahren", kündigt Strohmann an. Ins gleiche Horn stößt auch die FDP. Die Online-Dienste Instagram, Facebook und Twitter sollen stärker als noch bei der Bürgerschaftswahl 2019 in den Wahlkampf eingebunden werden. 

Erstmals will die CDU mit Bremen-Plakaten aufwarten, die sich aber grafisch an der Bundeskampagne orientieren werden. Wie das geht, hat die FDP vorgemacht. "Unsere Plakate hatten schon immer einen eigenen Stil", sagt Schiller.

Fest im Blick hat die SPD den traditionellen Haustürwahlkampf. "Wir werden insgesamt wieder auf Präsenz umsteigen", so Pahl. Von Tür zu Tür will auch die CDU ziehen. Aber natürlich unter Beachtung der AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske), wie Strohmann betont. Ein Luxusproblem haben die Grünen beim Haustürwahlkampf. Wegen des starken Mitgliederanstiegs in den letzten Monaten hätten viele Mitglieder noch überhaupt keine Erfahrungen im Wahlkampf, sagt Werwath.

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Einen "kurzen und knackigen Wahlkampf" erwartet Strohmann. Der Grund: Die knappe noch verbleibende Zeit nach Ende der Sommerferien Anfang September. Andererseits sei es das normale Geschäft, dass die letzten drei Wochen vor der Stimmabgabe entscheidend seien. Auf einen fairen Wahlkampf hofft Werwath, "auch von der Union". 

Mit einer coronabedingt verstärkten Briefwahl rechnen Werwath wie auch Strohmann. Darauf werde die CDU ihren Wahlkampf aber nicht abstellen, sagt Strohmann. Es habe sich abgezeichnet, dass sich die Briefwahl "kontinuierlich auf die Zeit verteilt", es gebe keine Peaks wie sonst.

Der frisch gekürte AfD-Spitzenkandidat Olaf Kappelt will nach den internen Querelen versuchen, seine Partei "in den Wahlkampfmodus zu versetzen". Von den Linken war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erlangen. 

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