Fachkräftemangel an Schulen Wege aus dem Lehrermangel

Das Bremer Bildungsressort hat ein Personalentwicklungskonzept erarbeitet. Doch wie viele Lehrer werden in welchen Fächern bis 2025 gebraucht? Das bleibt offen.
18.12.2017, 20:52
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Wege aus dem Lehrermangel
Von Lisa Schröder

Christian Gloede ist aufgebracht. Es geht um den Fachkräftemangel der Schulen in Bremen-Nord. Davon hat der Landessprecher der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) gerade im WESER-KURIER gelesen. Die Lehrerin einer Grundschule in Blumenthal berichtet darin, dass dort der Fachunterricht in den Klassen kaum noch möglich sei: „Es wird gebastelt oder aufgeräumt.“

Gloede kann nicht nachvollziehen, dass dies in einem reichen Land wie Deutschland vorkommt: „Das ist fürchterlich. Die Situation ist unerträglich. Das ist ein riesiger Skandal.“ Der Fall in Blumenthal sei Ausdruck einer strukturellen Krise. Gerade in Bremen-Nord und im Bremer Westen fehlten Lehrer.

Vor allem kann Gloede nicht verstehen, warum das Bildungsressort nicht entsprechend reagiert. Das neue Personalentwicklungskonzept sieht er deshalb kritisch. „Es sind einige Pflöcke gesetzt. Doch die Konsequenzen entsprechen nicht unseren Erwartungen.“ Denn dringend brauche es mehr Lehrer, sagt der GEW-Landesvorstandssprecher.

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Doch wie viele Lehrer werden künftig an den Schulen in Bremen und Bremerhaven gebraucht? Die Behörde wird bei diesem Punkt im Konzept nicht konkret. Bis zu den Herbstferien sollte es eigentlich eine Antwort auf diese Frage geben. Das „Personalentwicklungskonzept“ liegt dem Senat an diesem Dienstag vor und soll im Anschluss an die Bürgerschaft weitergeleitet werden.

Zwar werden die Lehrer-Abgänge der nächsten Jahre dargestellt und auch die erwarteten Zahlen an Schülern. Demnach wird mit deutlich mehr Kindern in den Grundschulen und Oberschulen gerechnet. Die Zahl der Gymnasiasten verändert sich kaum, sondern nimmt bis 2027 sogar etwas ab.

Allerdings fehlt ein konkreter Überblick, an welchen Schulen welche Lehrer benötigt werden. Im Papier heißt es: „Aufgrund der aktuell vorliegenden Datenlage ist es jedoch noch nicht möglich, diese Gesamtzuweisungen auf eine schulart-, lehramts- und fächerspezifische Ebene differenziert herunterrechnen zu können.“

Mehr für den Beruf des Lehrers werben

Natürlich werde hochgerechnet, wie viele Lehrerwochenstunden in den Schulstufen gebraucht würden, sagt dagegen Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts. Dieser Bedarf werde mit den in der Vorlage genannten Maßnahmen zusammengeführt. Und weiter: „Wir denken, dass unsere kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen greifen.“ Das Bildungsressort will unter anderem noch mehr für den Beruf des Lehrers werben.

Schon in der Schule soll das beginnen, dank einer neuen App fürs Smartphone. Diese soll Schüler künftig für das Lehramtsstudium motivieren. Außerdem sollen mehr Kandidaten für das Referendariat gewonnnen werden, denn anders als in den Vorjahren gibt es davon laut Vorlage zu wenig. 20 Prozent der Lehramtsstudenten bleiben bisher an Bremer Schulen für ihre weitere Ausbildung.

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Das Ressort von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD) hat bereits daran gearbeitet, dass den Nachwuchslehrern früher Plätze für das Referendariat zugesagt werden – und dass es mehr davon gibt. Die Zahl der Plätze wurde von 550 auf rund 600 erhöht. 80 Prozent der ausgebildeten Lehrer bleiben nach aktuellen Angaben derzeit im Bundesland.

„Das ist sehr hoch. Zudem steuern wir den Einsatz der Referendare enger, um sie an Schulen in schwieriger Lage einsetzen zu können“, sagt Sprecherin Annette Kemp. Neu ist zudem ein Pool für die Einstellung von Lehrkräften, um die Unterversorgung einzelner Schulen zu bekämpfen.

Besonders in Bremerhaven Personalversorgungsprobleme

Für Schulen mit besonderen Problemen soll es ab dem nächsten Halbjahr Entlastungsstunden geben: „Damit Lehrer beispielsweise mehr Zeit für Unterrichtsvorbereitungen und Teamgespräche haben.“ Im Personalentwicklungskonzept wird der Fachkräftemangel problematisiert, der Bremen wie den anderen Bundesländern zu schaffen mache: „Der Fachkräftemangel zeigt sich bereits jetzt vor allem in naturwissenschaftlichen Fächern, in Fächern wie Sport und Musik oder im sonderpädagogischen Bereich.“

Besonders in Bremerhaven gebe es schon jetzt Personalversorgungsprobleme, die mit denen der Stadt Bremen nicht vergleichbar seien. In Zukunft soll wegen des Fachkräftemangels auf einen „Personalmix“ gesetzt werden, heißt es im Konzept: „Künftig werden an den Schulen nicht mehr allein Lehrkräfte der unterschiedlichen Lehramtstypen tätig sein, sondern ebenfalls andere Personalkategorien, die mit den klassischen Lehrkräften zusammenarbeiten.“

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