Lankenauer Höft Wenn Zwischennutzer weitermachen wollen

Drei große Zwischennutzungs-Projekte gab es in diesem Sommer in Bremen. Die Organisatoren der Projekte würden gerne weitermachen. Was es dafür braucht, darüber wurde im Lankenauer Höft diskutiert.
27.09.2017, 21:23
Lesedauer: 3 Min
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Wenn Zwischennutzer weitermachen wollen
Von Sara Sundermann

Was passiert, wenn ein Projekt, das nur für einen Sommer angelegt war, Tausende Besucher anlockt und die Organisatoren das Ganze gern im kommenden Jahr wiederholen würden? Viele Zwischennutzer wollen dauerhaft in Bremen als Kulturveranstalter aktiv sein, doch dafür gibt es hier bisher kaum Modelle.

Deshalb haben sich Vertreter der Stadtverwaltung, der Zwischenzeitzentrale und der selbst organisierten Kultur- und Partyprojekte am Mittwoch im Lankenauer Höft getroffen, um über Probleme der Vergangenheit und Vorschläge für die Zukunft zu sprechen.

Auffällig ist, das betonten auch Vertreter der Zwischenzeitzentrale (ZZZ): In diesem Sommer gab es in Bremen gleich drei große Zwischennutzungs-Projekte mit Kultur, Musik und Party: Erstens das Projekt „Die komplette Palette“ von Musiker Immo Wischhusen, der eine Bühne auf einer Landzunge in Hemelingen baute.

Bau-Staatsrat signalisiert Offenheit

Zweitens das Projekt „Anderswo“ vom Verein Kulturbeutel, der auf einer Wiese zwischen der A 281 und dem Bremer Flughafen Partys und Kulturveranstaltungen organisierte. Und drittens das Projekt „Höftschwung“, für das der Verein Zucker das ehemalige Restaurant am Lankenauer Höft bespielte und auch Bewohner von Woltmershausen einbeziehen wollte.

Die Organisatoren aller drei Projekte möchten weitermachen. Der neue Bau-Staatsrat Jens Deutschendorf und Mitarbeiter von Bau- und Wirtschaftsbehörde signalisieren Offenheit dafür und wollen die Projekte soweit möglich unterstützen. Allerdings hakte es zuletzt an verschiedenen Stellen bei allen drei großen Sommer-Projekten: Die Zwischennutzer vom Zuckerwerk wurden vom Beirat in Woltmershausen und einem Teil der Anwohner massiv abgelehnt.

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Zudem war es den Organisatoren zufolge schwierig, junge Leute zu Veranstaltungen bis zum Lankenauer Höft zu locken, das vielen Bremern schon als abgelegen gilt. Die Organisatoren von Anderswo konnten zwar an ihre zentraler gelegene Spielstätte in diesem Sommer nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Besucher locken.

Doch es gab Konflikte mit Anwohnern, die sich über Lärm beschwerten. Zwar seien die mit der Behörde vereinbarten Lärmobergrenzen bei Partys eingehalten worden, betonten Vertreter des Anderswo. „Wir haben uns extra ein Lärmmessgerät zugelegt und lagen deutlich unter den Grenzwerten, trotzdem haben wir eine Anzeige bekommen“, berichteten die Organisatoren.

Es gibt noch viel zu verbessern

Und Rapper Immo Wischhusen alias Flowin Immo musste im Sommer zeitweise um sein komplettes Kulturprojekt fürchten, als er – nach wochenlangen Vorarbeiten – kurz vorm Start die Auflage von der Feuerwehr bekam, eine Straße, die auch von 16-Tonnern befahren werden könne, müsse zu seiner Bühne gebaut werden. Kostenpunkt: rund 30.000 Euro.

Die Straße musste schließlich doch nicht gebaut werden, das Sommerfestival in Hemelingen konnte stattfinden Dennoch war am Mittwoch bei der Diskussionsrunde im Lankenauer Höft für alle Beteiligten klar: Es gibt noch viel zu verbessern bei der Zusammenarbeit von Stadt und Vertretern selbst organisierter Projekte.

Die Verwaltung müsse dazu lernen, damit nicht bei jedem Projekt wieder alles individuell neu zu beantragen sei, sagte Stadtplaner Tom Lecke-Lopatta. Er schlug Module vor, bei denen die Stadt nach einem bewährten Muster bestimmte Auflagen erteile, aber nicht jedes Mal alles wieder komplett neu erarbeite.

Unterstützung für Existenzgründer

Es fehle an Klarheit, welche Stelle in der Verwaltung für was zuständig sei, sagte Jan Casper-Damberg vom Wirtschaftsressort. Er verstehe, dass dies manche Organisatoren verzweifeln lasse. „Es braucht eine Anlaufstelle bei der Stadt, die weiterhilft, nicht nur für Start-Ups, sondern wirklich für gemeinwohlorientierte Projekte“, sagte Oliver Hasemann von der Zwischenzeitzentrale.

Durch Zwischennutzung verhindere man nicht nur, dass leer stehende Gebäude kaputt gehen, erklärte Lecke-Lopatta, der sich in der Baubehörde seit Jahren für Projekte junger Leute einsetzt und damit auch Bremer Randstadtteile beleben möchte. Durch Zwischennutzungen würden Existenzgründer unterstützt, und die Stadt wolle dadurch auch Bürgerbeteiligung fördern: Es gehe darum, die junge Generation in die Stadtentwicklung einzubeziehen.

Bereicherung für Bremen

Der Stadtplaner wandte sich direkt an die Vertreter der Kulturprojekte: „Ihr habt keine Lust, abends zu einer Versammlung zu gehen, um dort über Bauleitpläne zu diskutieren. Ihr wollt einfach selber etwas machen.“ „Diese Projekte sind eine Riesen-Bereicherung für Bremen“ – und sie würden überwiegend ehrenamtlich organisiert, sagte Staatsrat Jens Deutschendorf. „Da wollen wir gerne weiterhelfen.“ Ob das gelingt und wie künftig Konflikte ausgetragen werden, dürfte spannend bleiben – und spätestens im Frühsommer kommenden Jahres wieder in Bremen für Debatte sorgen.

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