Stadtteil Östliche Vorstadt Ein bisschen Italien in Peterswerder

Simonetta Bifini stammt aus der Toskana. Im Stadtteil-Porträt erzählt die Wahl-Bremerin, weshalb sie den Peterswerder so liebt und weshalb sie hier seit 27 Jahren wohnt.
04.09.2022, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Ein bisschen Italien in Peterswerder
Von Sigrid Schuer

Die Spätsommersonne strahlt an diesem Freitagnachmittag über dem Peterswerder. Die Menschen treffen sich auf einen Cappuccino oder einen Apérol Spritz auf den Außenterrassen der italienischen Restaurants "Gallo" und "Padre e Figlio", um das Wochenende einzuläuten. Ein bisschen Italien in Peterswerder. "Wie in meiner Heimat, der Toskana, spielt sich heutzutage das Leben viel mehr auf der Straße ab. Die Leute genießen es, draußen zu sitzen", sagt Simonetta Bifini, die seit 27 Jahren in Peterswerder lebt. Das sei früher nicht so gewesen, da hätten viele Geschäfte auch schon um 18 Uhr geschlossen.

Dazu trägt die Sprachlehrerin seit mittlerweile 30 Jahren mit ihrem Institut Italienischer Sprachkontakt in der Hamburger Straße ein gutes Stück bei. Viele ihrer langjährigen Schülerinnen und Schüler seien wirklich froh gewesen, als im vergangenen Jahr nach der ungewissen Lockdown-Phase der Präsenzunterricht wieder losgehen konnte, erzählt sie. Schließlich lernt sich Italienisch am besten, wenn auf der Piazzetta, auf dem Platz ihrer Sprachschule, gelacht und viel erzählt wird. In der Corona-Krise habe sie für die optimale Verbesserung des Hygieneschutzes in ihrer Sprachschule unter anderem in Hepafilter investiert, der zu nahezu 100 Prozent Bakterien und Viren aus der Luft herausfiltern soll, sagt sie.

Es hat Herz und Wärme
Simonetta Bifini über ihr Altbremer Haus in Peterswerder

Seit 2001 hat ihre Sprachschule ihren Sitz in dem Altbremer Haus in Peterswerder. Sie habe sich damals bei der Besichtigung sofort in das Haus verliebt. "Es hat Herz und Wärme", schwärmt die Italienerin. Wie sie überhaupt vor vielen Jahren der Liebe wegen nach Bremen kam. Als ihre Kinder noch klein waren, sei das sehr praktisch gewesen, erzählt Simonetta Bifini: "Es ist immer jemand im Haus gewesen, um sie betreuen zu können". Ideal sei auch der Spielplatz quasi vor ihrer Haustür, auf dem Brommy-Platz. Dort hätten ihre Kinder Luca und Valeria leidenschaftlich gern gespielt.

Unvergesslich seien auch die Kindergeburtstage, die sie mit ihren beiden Kindern oft auf dem Brommy-Fest gefeiert habe. Denn beide sind am 3. September geboren. Traditionell steigt das Brommy-Fest am ersten September-Wochenende, wie auch in diesem Jahr nach der Pandemie-Pause wieder. Luca und Valeria erinnerten sich daran immer noch gern zurück, sagt Bifini. Inzwischen studiert ihr Sohn an der Berliner Charité Medizin, ihre Tochter hat in Hamburg auf Lehramt studiert. Bifini hat sich seit 2006 selbst ein zweites, berufliches Standbein aufgebaut: Sie arbeitet in Teilzeit als Betreuerin und Vertrauensperson für autistische Kinder an der Gesamtschule Mitte.

Der Brommy-Platz ist bis heute einer der Lieblingsplätze der Italienisch-Lehrerin geblieben, vor allem, seitdem es dort draußen das gastronomische Sommer-Angebot "Brommy's Garten" gibt. Simonetta Bifini liebt ihr Quartier: "In wenigen Minuten bin ich im Viertel, aber auch an der Weser und kann im Grünen spazieren gehen", sagt sie. Hier sei es ruhiger als im Viertel und Verkehrsanbindung und Infrastruktur stimmten. Und dann die Nachbarschaft, erst vor einer Woche sei sie mit ihrem Sohn Luca aus den Sommerferien in Orbetello an der Costa d'argento in der Toskana zurückgekommen, wo heute noch ihre Verwandten leben und die Begrüßung in Peterswerder sei ausgesprochen herzlich ausgefallen: "Wie schön, dass Du wieder da bist!"

Im Garten von Bifinis Altbremer Haus blüht ein großer Hibiskus-Baum mit rosafarbenen Blüten. Auf dem Gartentisch liegt die Regenbogen-Flagge mit dem Aufdruck "Pace, andrá tutto bene", "Frieden, alles wird gut", eine Erinnerung daran, wie die schwer gebeutelten Italiener mit Lebensmut und Zuversicht der Corona-Pandemie trotzten, als sie auf ihren Balkonen Giuseppe Verdis Freiheitshymne "Va pensiero" anstimmten. "Pace, andrá tutto bene", diese Botschaft habe heute in Kriegszeiten nichts an Aktualität verloren, sagt Bifini.

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