Während der Corona-Krise

Wie Bremens Schulen und Hochschulen mit Prüfungen umgehen

Notfallpläne für den Schulabschluss, Ausweichtermine fürs Abi und Klausuren, die ersatzlos gestrichen werden: Wie gehen Bremens Schulen und Hochschulen mit Prüfungen und Klausuren um?
19.03.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie Bremens Schulen und Hochschulen mit Prüfungen umgehen
Von Sara Sundermann
Wie Bremens Schulen und Hochschulen mit Prüfungen umgehen

Ein leeres Klassenzimmer – dass der Unterricht ausfällt ist besonders bitter für die, bei denen jetzt eigentlich die Prüfungen anstehen.

Julian Stratenschulte /dpa

Schulen sind geschlossen, Hochschul-Vorlesungen finden maximal digital statt. Das dürfte für die meisten Schüler und Studierenden noch erträglich sein. Doch was ist mit denjenigen, für die in den kommenden Wochen Prüfungen anstehen? Schul- und Hochschulleitungen sind derzeit intensiv damit beschäftigt, wie sich Prüfungen in Zeiten des Coronavirus überhaupt noch umsetzen lassen. Studierende fürchten, dass sich durch die Einschränkungen ihr Studium verlängert.

An Bremens Schulen stehen demnächst Abitur- und andere Abschlussprüfungen an. Die Behörde hat für diese Prüfungen einen Notfallplan entwickelt und spätere Ausweichtermine für Abitur und Mittleren Schulabschluss festgelegt.

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Für das Abitur wurde der Zeitraum für schriftliche Prüfungen bis zum 29. Mai verlängert, für mündliche Prüfungen bis zum 5. Juni. Die Behörde empfiehlt den Schulen zudem dringend: Schülern, die bisher keine Klausur in Abiturlänge schreiben konnten, solle das zu Übungszwecken zuhause „per E-Learning oder per E-Mail ermöglicht werden“.

Für den Mittleren Schulabschluss nach der 10. Klasse sollen die Schulleitungen ebenfalls spätere Termine freihalten: den 29. Juni für die schriftliche Prüfung in Deutsch, den 30. Juni für Mathematik und den 1. Juli für Englisch. Diese Notfallpläne wurden zu Mittwoch noch einmal überarbeitet: „Die Lage ändert sich ständig, wir müssen jeweils mit der Situation umgehen“, sagt Behördensprecherin Annette Kemp.

Geplante Klausuren fallen aus

Seit Mittwoch gilt auch: Geplante Klausuren für bestimmte Schülergruppen in der gymnasialen Oberstufe und an beruflichem Gymnasien fallen komplett aus. Das bezieht sich auf Klausuren von Schülern im zweiten Halbjahr des zweiten Jahres der Qualifikationsphase, also dem Abiturjahrgang (nur zweites Halbjahr von Q2). Diese Klausuren würden auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes „ersatzlos gestrichen“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde. Die Noten für dieses Halbjahr seien auf Basis der Leistungen von Januar bis März zu erteilen, gegebenenfalls ergänzt durch sogenannte „Klausurersatzleistungen“.

An der Bremer Uni wird es nun keine Präsenzprüfungen mehr geben, wie Thomas Hoffmeister, Konrektor für Studium und Lehre ankündigt: „Wir prüfen derzeit alternative Prüfverfahren, denn wir wollen, dass Studierende trotz der aktuellen Situation ihre Credit Points erwerben können.“ Alternativen könnten Hoffmeister zufolge zum Beispiel videobasierte Verfahren sein. Zudem gilt, dass Studierende jetzt ohne Angabe von Gründen selbst kurz vor Beginn ihre Prüfung absagen können. Normalerweise ist dafür eine Krankschreibung nötig. So soll sichergestellt sein, dass Studierende ihre Prüfungen später nachholen können. „Durch einen Prüfungsrücktritt [...] entstehen Ihnen keine Nachteile“, heißt es in einem Uni-Beschluss.

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Viele Studierende seien „verwirrt und ärgern sich zum Teil auch“, sagt Jura- und Politikstudent Jonas Elster, Mitglied im Studierendenrat der Uni. „Im schlimmsten Fall müssen viele ein Semester länger studieren – oder auch zwei, denn viele Prüfungen werden gar nicht jedes Semester angeboten.“

Der 21-Jährige fordert zudem eine verlängerte Abgabefrist für Hausarbeiten. „Die Uni-Bibliothek ist dicht, und ohne Bibliothek kann man eigentlich keine Hausarbeiten schreiben.“ Bücher würden nach wie vor gebraucht, sagt er. Und auch viele wissenschaftliche Werke seien nur digital abrufbar, wenn man sich in der Nähe der Bremer Uni-Bibliothek befinde.

Mitarbeiter der Uni in einer Isolierungsmaßnahme

Mit Stand von Mittwochnachmittag gibt es zudem einen Mitarbeiter der Uni, der laut Uni-Sprecherin am Coronavirus erkrankt ist und sich derzeit im Ausland aufhält. „Er befindet sich dort in einer Isolierungsmaßnahme“, so die Sprecherin. Beschäftigte der Universität aus seinem näheren Umfeld befänden sich vorsorglich ebenfalls in Isolierung.

Die Uni bereite sich derweil auf ein Sommersemester ohne Präsenzveranstaltungen vor, sagt Konrektor Hoffmeister. Derzeit sind Semesterferien, im April würden normalerweise die Vorlesungen wieder beginnen. „Wir arbeiten an Tools für die Online-Lehre“, so Hoffmeister. Eine der einfach umzusetzenden Optionen sei es, dass Lehrende Powerpoint-Folien in ein Video umwandeln und dazu sprechen, was Sie in einer Veranstaltung erzählen würden. „Wir müssen aber darauf achten, dass wir Angebote machen, bei denen nicht zu viele Studierende gleichzeitig online gehen“, sagt Hoffmeister. Es gelte zu vermeiden, dass der Uni-Server zusammenbreche. Professoren, die vom heimischen Sofa aus im Live-Stream zu ihren Studierenden sprechen, dürfte es also kaum geben.

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Die Hochschule Bremen ist noch stärker betroffen als die Uni, dort hätten die Vorlesungen schon am 9. März beginnen sollen. Doch vor kurzem beschloss der Senat, dass die Lehrveranstaltungen an Bremens Hochschulen bis zum 17. April ausgesetzt werden. „Wir haben den gesamten Präsenzbetrieb eingestellt, inklusive Prüfungen“, sagt Thomas Pawlik, Konrektor für Studium und Lehre an der Hochschule. Für Prüfungen gelte: „Was verschoben werden kann und muss, wird verschoben.“ Man werde versuchen, wo möglich Ersatz für die gängigen Prüfungsformen zu finden. Klausuren könnten zum Teil durch Hausarbeiten ersetzt werden. „Auf keinen Fall soll irgendein Studierender Nachteile haben“, betont Pawlik.

Auch im Umfeld der Hochschule gibt es nach Angaben von Sprecher Ulrich Berlin einen bestätigten Corona-Fall. Der Partner einer Lehrbeauftragten am Hochschul-Standort Werderstraße sei erkrankt. Auch die Lehrbeauftragte sei getestet worden, habe aber ihr Testergebnis noch nicht, so der Sprecher.

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