Diskussion über Maklergebühren

Wie die Maklergebühren von Bremen bewertet werden

Über die Aufteilung und die Höhe der Maklergebühren gibt es in Bremen unterschiedliche Vorstellungen. Der WESER-KURIER hat Stellungnahmen der Bremer Bürgerschaftsfraktionen dazu eingeholt.
18.08.2019, 21:47
Lesedauer: 5 Min
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Wie die Maklergebühren von Bremen bewertet werden
Von Detlev Scheil

Die Eigentumswohnung in guter Lage soll für 250 000 Euro verkauft werden. Für den von einer Erbengemeinschaft beauftragten Makler ein einträgliches Geschäft, denn die Wohnung ist ruck, zuck an den Mann gebracht, und nach Unterzeichnung des Kaufvertrags beim Notar ist dem Vermittler eine Provision von fast 15 000 Euro sicher. Zahlbar vom Käufer.

Bremen ist eines der wenigen Bundesländer, in denen die Maklergebühr nur dem Immobilienkäufer aufgebürdet wird. Noch jedenfalls. Denn sowohl eine Empfehlung des Maklerverbandes IVD als auch politische Überlegungen auf Bundesebene laufen darauf hinaus, die Gebühr künftig in ganz Norddeutschland zu teilen.

Bremer Courtage liegt bei 5,95 Prozent

Wie hoch die Maklerprovision im Immobilienhandel ist und wer sie zu zahlen hat, ist bisher nicht gesetzlich geregelt, sondern richtet sich nach Empfehlungen regionaler Maklerverbände. In den meisten Bundesländern teilen sich Verkäufer und Käufer die Provision. In Bremen, Hamburg, Hessen, Berlin und Brandenburg zahlen nur die Käufer, wobei in Berlin und Brandenburg die Courtage mit 7,14 Prozent am höchsten ist, während sie in Bremen 5,95 Prozent beträgt. Niedersachsen ist ein Sonderfall, denn je nach Region wird die Provision hälftig geteilt oder auch nicht. Im Bremer Umland werden ganz überwiegend die Bremer Konditionen übernommen.

Das Bestellerprinzip, das seit vier Jahren bundesweit gesetzlich für die Maklerkosten bei Mietwohnungen gilt und sich dort nach vorherrschender Meinung bewährt hat, könnte die Gebührenregelung bei den Kaufimmobilien grundlegend ändern: Dann bezahlt allein der Auftraggeber die Courtage, in der Regel ist das der Verkäufer. Entsprechende Gesetzesinitiativen sind von den Grünen und der SPD im Bund auf den Weg gebracht worden, doch die Union sträubt sich dagegen.

Der WESER-KURIER hat die Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft sowie die Verbraucherzentrale und den Eigentümerverband Haus und Grund dazu befragt. Ergebnis: Eine deutliche politische Mehrheit fordert die Einführung des Bestellerprinzips.

Für Annabel Oelmann, Leiterin der Verbraucherzentrale, liegen die Vorteile einer Einführung des Bestellerprinzips auf der Hand: „Insbesondere in angespannten Wohnungsmärkten mit vielen Maklern und hohen Verkaufspreisen ist dann mit mehr Wettbewerb, verbesserter Beratungsqualität und auch mit einer Reduzierung der Provision zu rechnen. Diese Entwicklung ist bereits am Mietwohnungsmarkt erkennbar.“

Genau die entgegengesetzte Position nimmt Ingmar Vergau vom Eigentümerverband Haus und Grund Bremen ein. Er lehnt die Einführung des Bestellerprinzips ab: „Sie führt nicht zu einer Senkung der Erwerbsnebenkosten, sondern wird diese sogar erhöhen. Werden die Maklerkosten durch den Verkäufer in den Kaufpreis eingepreist, erhöhen sich für den Käufer auch die Notargebühren und die Grunderwerbssteuer.“ Einen gesetzlichen Reformbedarf sieht Vergau nicht, auch nicht hinsichtlich der Gebührenhöhe. Eine Teilung der Courtage hält er jedoch für ein denkbares Modell.

CDU blockiert

Nachdem die SPD in der Bundesregierung das Bestellerprinzip bei den Maklergebühren für Mietwohnungen habe durchsetzen können, sei es nun Zeit, „dies auch für Hauskäufe umzusetzen“, meint der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Falk Wagner. „Ich hoffe im Interesse junger Familien sehr, dass die CDU ihre Blockade bald aufgibt“, sagt er.

Namens der Grünen-Bürgerschaftsfraktion bekräftigt Robert Bücking die Inhalte des Gesetzentwurfs der Grünen-Bundestagsfraktion: Danach sollten das Bestellerprinzip und eine Deckelung auf zwei Prozent des Immobilienpreises verbindlich vorgeschrieben werden. „Das Bestellerprinzip ist gerechter“, sagt Bücking. Makler seien eine wichtige Berufsgruppe, die vermittelnd zwischen Verkäufern und Käufern wirken könne. Wegen der stark gestiegenen Immobilienpreise seien die Maklergebühren aber unangemessen in die Höhe geschossen: „Aufgrund des Booms können sie jetzt ein leistungsloses Zusatzeinkommen einstreichen.“ Der Grünen-Politiker hat allerdings Zweifel, ob es politisch gelingt, eine Deckelung der Provision durchzusetzen.

Ralf Schumann von der Fraktion der Linken findet es nach der Einführung des Bestellerprinzips bei Mietwohnungen ebenfalls nur konsequent, diese Regelung auch auf die Vermittlung beim Immobilienkauf anzuwenden: „Wir unterstützen den Gesetzentwurf der Grünen im Bundestag. Gerade für Familien mit kleinen bis mittleren Einkommen wäre das ein wichtiger Schritt, den Erwerb von Wohneigentum zu fördern.“

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Bei der FDP sei das Thema noch nicht ausdiskutiert, er persönlich sei jedoch dafür, dass der Auftraggeber des Maklers diesen auch bezahlen solle, erklärt der FDP-Abgeordnete Thore Schäck: „Dann kann jede und jeder diese Entscheidung für sich treffen, und es entsteht ein funktionierender Markt.“ Im Übrigen müsse der Immobilienerwerb in Deutschland wieder günstiger werden, „und das betrifft auch den Bereich der Maklerkosten“. Jan Timke, Abgeordneter der Bürger in Wut (BIW), sieht gesetzlichen Handlungsbedarf, „weil die Überwälzung der Maklercourtage auf den Käufer den Immobilienkauf in Zeiten ohnehin hoher Preise weiter verteuert und damit dem erklärten Ziel entgegensteht, die im internationalen Vergleich niedrige Eigentümerquote in Deutschland zu steigern“. Die BIW spreche sich auch beim Immobilienkauf für das Bestellerprinzip aus.

AfD lehnt Bestellerprinzip ab

„Dringenden Reformbedarf haben wir in unserem Land an diversen anderen Stellen, aber nicht eben bei der Maklercourtage“, meint der AfD-Bürgerschafts- und Bundestagsabgeordnete Frank Magnitz. Seine Partei lehne hier ordnungsrechtliche Eingriffe und somit auch ein gesetzlich fixiertes Bestellerprinzip ab. Durch die Portale im Internet gebe es außerdem genügend Möglichkeiten, seine Immobilie ohne Beauftragung eines Maklers zu verkaufen. Magnitz fordert aber eine „Rücknahme der meist exorbitanten Steigerungen der Grunderwerbssteuer in den letzten Jahren“.

Die stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Silvia Neumeyer argumentiert gegen das Bestellerprinzip. Eine solche Umstellung werde das Problem der hohen Erwerbsnebenkosten nicht lösen, wenn die Provision stattdessen auf den Kaufpreis aufgeschlagen werde und sich dadurch auch die Grunderwerbssteuer erhöhe. Eine Teilung der Provision, wie sie sie bereits in elf von 16 Bundesländern Usus sei, halte sie für eine gute Grundlage. Neumeyer ruft außerdem den im Koalitionsvertrag von CDU und SPD im Bund enthaltenen Vorschlag in Erinnerung, die Grunderwerbsteuer zu senken beziehungsweise Grundfreibeträge einzuführen, um Käufer bei den Nebenkosten zu entlasten.

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Dass die CDU/CSU vom Bestellerprinzip bei den Maklerkosten nichts wissen will, kann Professor Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln nicht nachvollziehen: „Das entspricht doch der Marktwirtschaft– wer die Musik bestellt, soll sie auch bezahlen.“ Voigtländer ist von einem positiven Markteffekt des Bestellerprinzips überzeugt. „Es dürften sich dann mehr Menschen für einen Immobilienkauf entscheiden“, sagt er. In Deutschland sei der Anteil an Immobilieneigentümern im internationalen Vergleich auch deshalb gering, weil der Kapitalbedarf für die Erwerbsnebenkosten enorm hoch sei. Würden die Nebenkosten deutlich günstiger, gäbe es weniger Kaufhürden.

Der Ökonom weist darauf hin, dass in europäischen Ländern mit Bestellerprinzip die Maklerprovision geringer ausfällt als in Deutschland: In den Niederlanden, Großbritannien oder Schweden müssten Haus- und Wohnungsverkäufer nur zwei Prozent des Kaufpreises als Provision aufbringen. „Schließlich kann der Verkäufer mit dem Makler besser über die Höhe der Provision verhandeln als der Käufer, der in einer schwächeren Position ist.“ Außerdem könne der Verkäufer mehrere Angebote einholen und den günstigsten Makler beauftragen.

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