Symptome und Verlauf Wie sich eine Omikron-Infektion bemerkbar macht

Die Kurve zeigt steil nach oben: Täglich steigt die Zahl der Neuinfektionen, die Omikron-Variante ist in Bremen dominierend. Was über die Symptome bekannt ist und wie hoch das Risiko für schwere Verläufe ist.
08.01.2022, 19:00
Lesedauer: 4 Min
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Wie sich eine Omikron-Infektion bemerkbar macht
Von Sabine Doll

Die Omikron-Virusvariante breitet sich immer stärker aus, im Land Bremen ist sie laut dem aktuellen Wochenbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) mit 86 Prozent vorherrschend. Täglich steigt die Zahl der Neuinfektionen, die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt Bremen hat am Freitag die 1000er-Marke überschritten. Studien aus Ländern, wo sich die Variante früher ausbreitete, deuten darauf hin, dass die Krankheitsschwere bei einer Omikron-Infektion abnimmt. Was das bedeutet und welche Symptome auf eine Ansteckung mit der Variante hinweisen.

Wie ist die Lage in den Bremer Arztpraxen?

"Wir haben bereits zwischen den Jahren festgestellt, dass das Infektionsgeschehen anzieht, also sich mehr Menschen mit Symptomen und Infektionen melden", berichtet der Bremer Hausarzt Hans-Michael Mühlenfeld. Dass sich die neue Variante so schnell ausbreitet und die Kurve der Neuinfektionen fast senkrecht nach oben geht, führt der Vorsitzende des Bremer Hausärzteverbands, dem etwa 250 Ärztinnen und Ärzte angehören, zum einem auf die hohe Infektiosität der Virusvariante zurück. "Es zeigt sich, dass die Maßnahmen wie Abstand und das Tragen von Masken nicht mehr reichen, wir haben uns dadurch in der Delta-Welle sehr sicher gefühlt. Mit Omikron steckt man sich aber viel schneller an. Das ist fast wie bei den Masern, die ebenfalls hochansteckend sind", betont der Hausarzt. "Deshalb kann man wirklich nur dazu raten, Kontakte so weit wie möglich einzuschränken – und sich vor allem impfen beziehungsweise boostern zu lassen."

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Wie ansteckend ist die Omikron-Variante?

Auf Grundlage von Daten etwa aus Dänemark, Südkorea und Großbritannien kann die Virusvariante laut dem Bremer Forscher Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie als etwa 2,5- bis 3,5 Mal infektiöser als die Delta-Variante eingestuft werden. Erste Zahlen deuten darauf hin, dass die Inkubationszeit – die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten erster Zahlen – bei Omikron kürzer sein könnte als bei anderen Varianten, wie der Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, Jörg Timm, in einer Videokonferenz des Science Media Centers (SMC) sagte.

Woran erkennt man eine Infektion mit Omikron?

Hausarzt Mühlenfeld nennt vor allem grippe- oder erkältungsähnliche Symptome, Hals-, Gelenk- und starke Kopfschmerzen sowie körperliche Abgeschlagenheit. "Allerdings kann allein aufgrund der Schilderung nicht klar unterschieden werden, ob es sich um eine Infektion mit Omikron oder Delta handelt", betont er. "Deutlich seltener, fast gar nicht mehr, wird der Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns beschrieben, der zu Beginn der Pandemie ein Leitsymptom bei einer Infektion mit dem Ursprungsvirus war." Bereits bei Infektionen mit der Delta-Variante trat dieses Symptom laut Studien deutlich seltener auf.

Zu Symptomen, die speziell bei einer Omikron-Infektion auftreten können, schreibt das RKI im Wochenbericht von Donnerstag: "Am häufigsten wurden Fälle mit den Symptomen Husten (56 Prozent), Schnupfen (55 Prozent) und Halsschmerzen (38 Prozent) genannt." Die Zoe Covid-Studie des King's College London, für die in Großbritannien per App Daten gesammelt und ausgewertet werden, nennt außerdem Kopfschmerzen und – dies ist neu – Appetitlosigkeit sowie "brain fog"; Nutzerinnen und Nutzer beschrieben, dass sie sich während der Infektion "benebelt fühlten". Leichte und starke Müdigkeit werden ebenfalls angegeben. Auch starke nächtliche Schweißausbrüche seien bei mit der neuen Variante infizierten Patienten beobachtet worden, berichtete der südafrikanische Arzt Unben Pillay.

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Was sollte man beim Verdacht auf eine Infektion tun?

"Wer sich krank fühlt, diese oder andere Symptome hat, sollte sich umgehend isolieren, mehrfach selbst testen und testen lassen", sagt Hausarzt Mühlenfeld. Keinesfalls sollte man einfach in eine Arztpraxis gehen, sondern dort anrufen, betont er. Außerhalb der regulären Sprechzeiten kann man sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen unter Telefon 116 117 wenden, informiert das Gesundheitsamt auf der Internetseite gesundheitsamt.bremen.de. Dort sind auch weitere Informationen etwa zu Testmöglichkeiten zu finden und wie man sich bei einem positiven Ergebnis verhält. Bei schweren Symptomen wie etwa Atemnot oder Bewusstseinsstörungen sollte umgehend der Rettungsdienst über den Notruf 112 alarmiert werden.

Wie ist der Verlauf bei einer Omikron-Infektion, wie gefährlich ist die Variante?

Vorwiegend werden sogenannte milde Verläufe wie bei grippalen Infekten beschrieben, beschreibt Mühlenfeld aus der Hausarztpraxis. Nach Daten des Imperial College London mit Stand kurz vor Weihnachten ist das Risiko, mit einer Omikron-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, insgesamt bis zu 30 Prozent geringer als bei Delta. Bei zweifach Geimpften sinkt es laut den Zahlen aus der frühen Welle um 34 Prozent, bei Geboosterten um 63 Prozent. "Was also richtig schützt gegen Omikron, ist eine Dreifach-Impfung", sagte der Berliner Virologe Christian Drosten NDR Info. Bei Ungeimpften fällt es um 24 Prozent geringer aus.

Forscher warnen jedoch: "Mild heißt nicht harmlos", so der Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner. Es gebe noch keine Erkenntnisse über Long-Covid-Verläufe bei Omikron, auch spielten trotz einer grundsätzlich geringeren Schwere nach wie vor Risikofaktoren jedes Einzelnen eine Rolle. Problematisch sehen die Experten vor die hohe Zahl an Ungeimpften, Drosten wies auf etwa drei Millionen Ungeimpfte bei den über 60-Jährigen hin. "Wir haben immer noch zu große Impflücken", sagt auch Hausarzt Mühlenfeld. "Wir hätten viel früher klare Einschränkungen haben müssen, um diese Lücken zu schließen."

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