Am Ende bleibt der Schriftzug "Galeria"

Karstadt soll als Name verschwinden

Der Name Karstadt soll verschwinden und nur Galeria als Schriftzug übrig bleiben. Laut dem Bremer Marketing-Professor Christoph Burmann geht es hier in Zukunft nur noch um die Immobilien statt ums Warenhaus.
26.07.2021, 20:25
Lesedauer: 4 Min
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Karstadt soll als Name verschwinden
Von Florian Schwiegershausen
Karstadt soll als Name verschwinden

Auf diesem Archivfoto steht auf der Einkaufstüte noch Karstadt. Nach dem Willen des Warenhauschefs Miguel Müllenbach wird hier in Zukunft nur noch Galeria stehen. Die Namen Karstadt und Kaufhof sollen verschwinden.

Archiv/dpa

Ursula Nidrich aus Findorff will gerade in der Bremer Innenstadt Karstadt betreten, als sie vom WESER-KURIER erfährt, dass wohl das Ende dieses Namens naht. Sie sagt: "Ich finde es schade, wenn der Name Karstadt verschwindet." Sie war eigentlich Horten-Stammkundin. Doch nach dem Kaufhof-Ende geht sie nun zu Karstadt. Eine andere Kundin aus der Bremer Neustadt sagt, als sie Karstadt verlässt: "Ich möchte mein Karstadt behalten. Bei so etwas bin ich altbacken." Sie habe soeben beim Einkauf  auch kritisiert, dass das Schaufenster derzeit aussehe wie einem Ein-Euro-Shop. Wegen der harschen Kritik möchte sie ihren Namen nicht nennen. Das Aus für Karstadt im Schriftzug ist für sie ein emotionales Thema.

Doch vom Vorstandsvorsitzenden der Galeria Karstadt Kaufhof scheint das Ende der Namen Karstadt und Quelle besiegelt zu sein. Miguel Müllenbach sagte dem "Handelsblatt": „Es ist Zeit, dass man auch an der Marke sieht, dass wir jetzt ein Unternehmen sind.“ Das werde nicht mehr lange dauern. Details nannte Müllenbach nicht. Auffällig ist jedoch, dass die Internet-Auftritte Karstadt.de und Kaufhof.de bereits unter der Marke Galeria.de vereint wurden.

„Wir werden uns Ende Oktober mit unserem Konzept Galeria 2.0 strategisch komplett neu aufstellen“, kündigte Müllenbach an. Rund 600 Millionen Euro will der Konzern bis 2025 für den Umbau ausgeben, allein 400 Millionen Euro für die Modernisierung der 131 Warenhäuser. 50 bis 60 Häuser sollen komplett umgebaut werden, der Rest zumindest teilweise. Rund 200 Millionen Euro sollen in den E-Commerce-Ausbau sowie in IT und Logistik fließen.

„Wir wollen das vernetzte Herz der Innenstadt werden – und zwar mit Konzepten, die auf den lokalen Standort abgestimmt sind“, sagte Müllenbach. Dazu will der Handelsriese seine Häuser künftig in drei Kategorien einteilen: Weltstadthaus, regionaler Magnet und lokales Forum. Als Pilotfilialen sollen die Warenhäuser in Frankfurt, Kassel und Kleve dienen.

„Bei regionalen Magneten wie beispielsweise Kassel geht es darum, das Angebot mit Services, Waren und Erlebnis anzureichern, die genau dort nachgefragt werden“, erklärte Müllenbach. Galeria Karstadt Kaufhof will hier die eigene Verkaufsfläche reduzieren und damit Platz für regionale Produkte, aber auch Serviceangebote wie städtische Bürgerdienste, E-Bike-Stationen und Paketschalter schaffen. Ergänzt werden soll das stationäre Angebot mit einer App, in der nicht nur Parkplätze im eigenen Parkhaus und Tische im Warenhaus-Restaurant reserviert werden können, sondern auch Angebote von Partnern – etwa Friseurtermine oder die Abholung des neuen Personalausweises im Bürgerbüro.

Marketing-Professor Christoph Burmann von der Universität Bremen schrieb seine Dissertation 1993 über Karstadt und Kaufhof und bezweifelt, dass es dem Besitzer René Benko um eine Wiederbelebung der Warenhäuser geht. "Benko ist ein Immobilienunternehmer. Der hat keinerlei Interesse an irgendeiner Art von Warenhaus. Der will schlichtweg die Immobilien und die Grundstücke in den Innenstadtlagen versilbern." Das ist laut Burmann auch an einer Zahl abzulesen: "Wenn man sieht, dass jetzt 600 Millionen Euro in 131 Filialen gesteckt werden, da sagt jeder Fachmann, dass das ein Witz ist. Das reicht für ein paar neue Schaufensterdekos, und das war es dann schon."

Den Plan zur Vernetzung mit der Stadt per App und die digitalen Angebote zu stärken, betrachtet Burmann als einen guten Weg. Aber: "Müllenbachs Ziel ist ja wohl: Man will das Warenhaus in kleinere Einheiten zerlegen. Da sollen dann Dienste vom Bürgerservicecenter verfügbar sein sowie eine Parkfläche für E-Bikes. Aber in diesem Konzept braucht es kein Warenhaus." Daraus lasse sich die Motivation des Besitzers René Benko ablesen, den Wert der Immobilie zu maximieren, so Burmann: "Dazu macht er jetzt den Zwischenschritt, den er als Galeria 2.0 bezeichnet."

Das Ergebnis von seiner Dissertation in den 1990er-Jahren habe gezeigt, dass bereits damals Warenhäuser nur an den Top-Standorten mit einer Fläche von mehr als 12.000 Quadratmetern überhaupt einen Sinn haben: "Deshalb kann es gut sein, dass sich diese 'Weltstadthäuser' auch halten werden." Sollte der Name "Galeria" übrig bleiben, sieht Burmann das weniger problematisch: "Der Name ist von den Verbrauchern gelernt seit der Einführung damals als 'Galeria Horten'." Man müsse die Schriftzüge ändern, aber das sei immer noch kostengünstiger als in einen ganz neuen Namen zu investieren. Burmann ist sich bei den Kunden vor Ort sicher – in welcher Stadt auch immer: "Im Sprachgut der Menschen wird das weiterhin Karstadt oder Kaufhof bleiben."

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Die 17 Jahre alte Kölnerin Ariana Scheffel, die in Bremen zu Besuch ist, bedauert ebenfalls das Ende der Namen und wünscht sich generell: "Die sollten mal mehr jugendgerechte Mode anbieten und die Jüngeren in den sozialen Medien besser bespielen." Eine ältere Stammkundin sagt: "Den Namen Karstadt werde ich vermissen. Aber am Ende ist die Hauptsache, dass uns wenigstens dieses Kaufhaus in Bremen erhalten bleibt."

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Verdi betrachtet Konzept mit Skepsis

Auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi ist skeptisch. Der in Bremen für den Handel zuständige Verdi-Gewerkschaftssekretär Tobias Uelschen sagte: "Wenn am Ende für das Warenhaus weniger Flächen übrig bleiben, bedeutet das im nächsten Schritt wieder weniger Personal." Bereits in den vergangenen 20 Jahren wurde laut Uelschen sowohl bei Karstadt als auch bei Kaufhof Personal abgebaut.

Er kritisiert außerdem: "In all die Pläne und Konzepte der vergangenen Jahre wurden die Betriebsräte und die Mitarbeiter nie mit eingebunden." Erst jetzt habe es eine Mitarbeiterbefragung gegeben. Das sollte das Unternehmen viel öfter tun, weil die Beschäftigten vor Ort am besten wüssten, was die Stammkunden am meisten nachfragen und kaufen möchten. Uelschen kritisiert gleichzeitig, was der Konzern vor eineinhalb Jahren an Geld für das neue Logo mit der neuen Farbgebung und dem Schriftzug "Galeria Karstadt Kaufhof" ausgegeben habe.

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