Stellungnahme der Bremer Baumwollbörse

Rassismusvorwürfe: Ein Plakat sorgt für Kritik

Die Baumwollbörse nimmt Stellung zu Rassismusvorwürfen: Auslöser für die Vorwürfe ist ein Plakat mit einem Mann aus Tansania, mit dem die Baumwollbörse gerade für den World Cotton Day wirbt.
07.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Rassismusvorwürfe: Ein Plakat sorgt für Kritik
Von Peter Hanuschke
Rassismusvorwürfe: Ein Plakat sorgt für Kritik

Die Bremer Baumwollbörse wirbt mit diesem Plakat für den internationalen Baumwolltag (World Cotton Day), der an diesem Mittwoch stattfindet. Das Banner, das einen Mann aus Tansania zeigt, ist Auslöser für Rassismusvorwürfe gegen die Baumwollbörse. Die weist alle Vorwürfe von sich.

Frank Thomas Koch

Ein glückliches Lächeln inmitten gepflückter Baumwolle. Der Mann mit diesem zufriedenen Gesichtsausdruck kommt aus Tansania und ist das Motiv für ein Werbebanner, das derzeit an der Baumwollbörse hängt und für Aufregung sorgt. Es geht dabei unter anderem um den Vorwurf des Rassismus. Die Baumwollbörse, die mit dem Plakat auf den internationalen Baumwolltag (World Cotton Day) an diesem Mittwoch aufmerksam machen wollte, kann die Kritik so nicht nachvollziehen: Sie beruhe auf Missverständnissen.

Die Vorwürfe lauten nach Angaben der Baumwollbörse beispielsweise, dass auf dem Plakat die „historische Verflechtung von Baumwollhandel und Kolonialismus, die Versklavung und Ausbeutung Schwarzer Menschen systematisch ausgeblendet und relativiert wird“. Die Baumwollbörse stelle mit dem Banner Ausbeutungsverhältnisse und weiße koloniale Praxis dar und legitimiere diese mit dem Bild.

„Wir distanzieren uns“

„Wir distanzieren uns von jeglichem rassistischen Gedankengut“, stellt die Baumwollbörse klar. „Black Lives Matter gilt auch für die Baumwollbörse“, so eine Sprecherin. „Wir sind neutral und urteilen nicht über Religion, Hautfarbe, Kultur oder Herkunft.“

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Der World Cotton Day geht laut Baumwollbörse auf eine Initiative der Cotton-4-Länder Afrikas – Benin, Burkina Faso, Tschad und Mali zurück – aus dem Jahre 2019 bei der Welthandelsorganisation (WTO). Ziel sei die Würdigung der Leistung aller Menschen, die im Baumwollanbau und ihrer Verarbeitung tätig sind. Und er soll auf die Bestrebungen hinweisen, für eine Verbesserung ihrer Lebenssituation durch weltweites Engagement zu sorgen. Auf dem Plakat am Gebäude der Baumwollbörse sei ein Mitarbeiter einer Entkörnungsfabrik für biologisch zertifizierte Baumwolle in Tansania zu sehen. Keineswegs solle das Motiv verletzen – im Gegenteil.

Auch Menschen, die auf ihre eigene dunkle Hautfarbe hinwiesen, darunter eine Studentin der Uni Bremen, hätten sich durch dieses Plakat angesprochen gefühlt, so die Baumwollbörse, und machten auf den transatlantischen Sklavenhandel und den globalen Kapitalismus aufmerksam. „Schwarze Menschen wurden versklavt, um Baumwolle und andere Rohstoffe zu ernten“, zitiert die Baumwollbörse eine der E-Mails. „Diese menschenunwürdige Behandlung im Kolonialismus, in der Schwarze Menschen entrechtet, verschleppt, ausgebeutet und getötet wurden, ist auch maßgeblich verantwortlich für die Entstehung von Rassismus, der sich noch heute in allen Gesellschaften strukturell wiederfindet“, heißt es darin weiter. Ein Bild zu verwenden, das eine Schwarze Person mit Baumwolle abbildet, sei somit nicht nur eine stereotypisierte Darstellung, sondern auch ein Motiv, das Rassismus reproduziere.

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Der Aufforderung, das Plakat abzuhängen, ist die Baumwollbörse nicht nachgekommen. „Bei der Hängung war uns gerade vor dem Hintergrund der in der Öffentlichkeit intensiver geführten Diskussion über Rassendiskriminierung bewusst, dass wir als Baumwollbranche historisch begründet eine besondere Verantwortung bei diesem Thema tragen.“ Es gehe der Baumwollbörse gerade deshalb darum, zu verdeutlichen, dass auf allen Ebenen der Gesellschaft – bis hin zum Konsumenten allein durch individuelles Handeln – viel zur kontinuierlichen Verbesserung in den Baumwoll-Ursprungsländern beigetragen werden könne.

„Wir haben uns für das Motiv entschieden, da die Baumwollbranche international und vielfältig ist.“ Baumwolle werde in fast 80 Ländern auf der Welt angebaut. Insgesamt seien 150 Millionen Menschen weltweit in die Baumwollproduktion eingebunden. Und was das Wichtigste sei: Diese Menschen lebten davon. Rund zwei Drittel arbeiteten in Entwicklungsländern.

„Wir möchten diese Industrie unterstützen“

Afrika gehöre zur Gruppe der weltgrößten Baumwollexporteure und strebe derzeit den Aufbau einer Arbeit und Einkommen schaffenden Textilindustrie an. „Unser tansanischer Kollege steht für die Baumwollindustrie Afrikas, die zu den wichtigsten der Welt gehört.“ Die dortigen Bauern seien auf ihre Arbeit stolz, „wir sind dies auch„. Und weiter: “Wir möchten diese Industrie unterstützen und sichtbar machen. Sichtbar machen heißt auch, dass wir die Menschen vorstellen, die daran entscheidenden Anteil haben. Daher wünschen wir uns auch, dass Textilien vom Endkonsumenten mit Wertschätzung betrachtet werden.“

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Die Bremer Baumwollbörse, die weltweit im Verbund mit 16 weiteren Baumwollbörsen über die vertragsgemäße Abwicklung des Baumwollgeschäfts wacht, will mit dem Motiv des World Cotton Day auf die Bedeutung der Baumwolle für Millionen von Menschen hinweisen. „Wir verschließen uns nicht vor der geschichtlichen Entwicklung des Baumwollanbaus und dem damit verbundenen menschlichen Leid.“ Ziel sei es, „durch die Abbildung der heutigen Realitäten unserer Industrie, Menschen aller Hautfarben aus unterschiedlichsten Ländern in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu rücken, die die Welt mit einem der wichtigsten Rohstoffe für die industrielle Verarbeitung versorgen“.

Info

Zur Sache

World Cotton Day

Auf Initiative der Cotton-4-Länder Afrikas Benin, Tschad, Burkina Faso und Mali findet auch in diesem Jahr am 7. Oktober der Weltbaumwolltag statt. Ziel sei es, so die Welthandelsorganisation (WTO) als Organisatorin, mit diesem Tag die globale wirtschaftliche Bedeutung von Baumwolle hervorzuheben sowie das Bewusstsein für den Rohstoff zu steigern: durch Anerkennung der Leistung aller, die an der Produktionskette beteiligt sind.

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