Handel mit Sparkasse

Bremen übernimmt die Brebau

Das Land Bremen hat einen Handel mit der Sparkasse Bremen abgeschlossen, der die beiden großen Wohnungsbaugesellschaften Gewoba und Brebau neu aufstellt.
05.02.2019, 11:50
Lesedauer: 3 Min
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Bremen übernimmt die Brebau
Von Jürgen Hinrichs

Bremen verwandelt die Brebau in ein rein städtisches Unternehmen und nimmt die Mieter von rund 6000 Wohnungen unter seine Fittiche. Das haben am Dienstag Senat und Sparkasse, denen bisher jeweils die Hälfte der Brebau gehörte, öffentlich gemacht. Vorangegangen waren lange und zähe Verhandlungen, die große juristische Schwierigkeiten bargen. "Das ist ein sehr guter Tag für Bremen", zeigte sich Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) erleichtert. Freuen könnten sich die Mieter der Brebau, aber auch jene Menschen, vor allem junge Familien, die auf der Suche nach bezahlbaren Wohnraum seien.

Die Übernahme hat ihren Preis: Bremen zahlt der Sparkasse 190 Millionen Euro und gibt außerdem 6,9 Prozent an der Gewoba ab, der im Vergleich zur Brebau weitaus größeren Wohnungsbaugesellschaft. Über den Wert dieses Anteils wollten sich die Verhandlungspartner nicht äußern. Er dürfte bei einem Unternehmen, das rund 42 000 eigene Mietwohnungen im Bestand hat, bei mehr als 100 Millionen Euro liegen. So gesehen, hat die Stadt für die Brebau einen Gesamtbetrag von gut 300 Millionen Euro aufgebracht. Dafür kann Bremen in dem Unternehmen jetzt schalten und walten, wie es will.

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Geld aufnehmen muss das Land nicht, um diesen Kraftakt zu bewältigen. Der Grund ist ein Geschäft, das Bremen vor zweieinhalb Jahren mit dem Verkauf seiner Anteile an der Bremer Landesbank (BLB) über die Bühne gebracht hat. Damals wurden dem Käufer, der NordLB, 180 Millionen Euro abgerungen. Zusätzlich noch die Beteiligungen der BLB an der Gewoba, der Brebau und der Bremer Lagerhausgesellschaft (BLG). So kam bei der Stadt überhaupt erst der Gedanke auf, sich die Brebau komplett einzuverleiben. Sie besaß plötzlich die Hälfte des Unternehmens.

"Es ist heute wichtiger denn je, das Recht auf Wohnen nicht den Kräften des Marktes zu überlassen", sagte der Bürgermeister. Die Brebau werde ein weiterer wichtiger Motor für die Wohnungsbaupolitik des Bremer Senats sein. Das Unternehmen hat gut 6000 Wohnungen im eigenen Besitz und rund 5000 Wohn- und Gewerbeeinheiten in der Verwaltung. Es ist in Bremen nach der Gewoba die zweitgrößte Wohnungsbaugesellschaft und hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt wieder dem Neubau gewidmet.

Die Brebau-Übernahme wird mit dem bezahlt, was die Stadt für den Verkauf der BLB bekommen hat. Zum Gesamtpakt gehören zuallererst die Anteile der Landesbank an der Brebau, die später auf die Stadt übergegangen sind. Außerdem die Gewoba-Anteile sowie 180 Millionen Euro und die Beteiligung an der Bremer Lagerhausgesellschaft. Bremen hat die BLG-Anteile für sechs Millionen Euro an eine Tochterfirma des Bremer Abfallentsorgers Nehlsen verkauft. Dieses Geld, die 180 Millionen Euro und die Dividenden der Unternehmen ergeben unterm Strich 190 Millionen Euro. Das bekommt die Sparkasse, und die Gewoba-Anteile noch oben drauf.

Die Brebau ist von nun an zu hundert Prozent ein städtisches Unternehmen. Eine Machtverschiebung gibt es aber auch bei der Gewoba. Dort besaßen verschiedene Banken, darunter die Sparkasse Bremen, die Commerzbank und die Bremer Landesbank, etwas mehr als 25 Prozent. Mit dieser Sperrminorität konnten sie Einfluss auf die Geschäftspolitik nehmen. Das ist vorbei. Vom BLB-Anteil, der beim Verkauf der Landesbank an die Stadt ging, hat Bremen auf den Punkt genau so viel an die Sparkasse verkauft, dass die Bank zusammen mit den anderen Kreditinstituten künftig nur noch 24,9 Prozent der Gewoba besitzt. Die Stadt behält die Mehrheit, baut sie aus und mehr noch, sie kann fortan auch in diesem Unternehmen ganz anders und beherrschender agieren als bisher.

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Finanzsenatorin Karoline Linnert (Grüne) betonte am Dienstag, dass Brebau und Gewoba nicht als verlängerter Arm des Bausenators missverstanden werden dürften: "Auf Dauer müssen auch kommunale Unternehmen beweisen, dass sie rechnen können." Bei der Brebau sei es auch darum gegangen, die Gefahr abzuwenden, dass das Unternehmen irgendwann einem großen, renditehungrigen Wohnungskonzern zufällt.

Sparkassen-Chef Tim Nesemann versteht das: "Die Stadt muss das Risiko kontrollieren. Es hätte ja sein können, dass wir verkaufen." Gleichzeitig betonte der Banker, dass er sich nicht gerne von der Brebau getrennt habe.

+++Dieser Text wurde um 21.18 Uhr aktualisiert+++

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