Landesbank-Krise Bremer Reeder bangen um ihre Schiffe

Nach dem Verkauf von milliardenschweren NordLB-Krediten an den US-Finanzinvestor Cerberus wächst in Bremen die Angst vor den Folgen für die maritime Branche.
08.02.2019, 18:51
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Reeder bangen um ihre Schiffe
Von Florian Schwiegershausen

Für die angeschlagene NordLB soll es ein Befreiungsschlag gewesen sein – der bereitet Deutschlands Reedern aber große Sorgen. Die Norddeutsche Landesbank hat ein Paket mit faulen Schiffskrediten im Wert von 2,7 Milliarden Euro, das den Namen „Big Ben“ trägt, an den US-Finanzinvestor Cerberus verkauft. Dieses Paket umfasst insgesamt 263 Schiffe. Wenn der neue Besitzer nun die Darlehen fällig stellt, könnten Reeder ihre Schiffe verlieren und in Schlieflage geraten.

"Wenn solche Portfolien vermehrt ins Ausland gehen, kann das kein gutes Zeichen für den Schifffahrtsstandort Deutschland sein", sagt der Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR), Christian Denso. Den Verkauf großer Schiffskreditportfolien an ausländische Investoren müsse man mit Sorge sehen. "Ausländische Eigentümer vergleichen die Bedingungen konsequent weltweit, stellen also die Frage nach der deutschen Wettbewerbsfähigkeit.“

Zahl der betroffenen Bremer Reder ist nicht bekannt

Denso weist darauf hin, dass die Schiffskredite mit dem Schicksal von Reedereien verbunden sind: „Daran hängen vor allem in Norddeutschland tausende hochqualifizierter Arbeitsplätze, insbesondere auch an Land ab. Die neuen Eigentümer sollten das im Blick haben.“ Der Verkauf an den Finanzinvestor bedeute jedoch nicht automatisch einen erheblichen Einschnitt für die deutsche Flotte, so der VDR-Sprecher. “Wenn die Schiffe weiterhin vom deutschen Standort aus bereedert werden können, das heißt kommerziell und technisch gemanagt, bleiben die meisten Arbeitsplätze hier erhalten.“

Alexander Geisler, Geschäftsführer vom Verband Hamburger und Bremer Schiffsmakler, hält eine Verwertung der Schiffe seitens Cerberus für wahrscheinlich. Er sagte dem WESER-KURIER: „Aus unserer Sicht wäre es natürlich besser gewesen, wenn man Wege und Mittel gefunden hätte, die Schiffe hier zu behalten. Denn jedes Schiff, dass Deutschland verlässt, ist im Zweifel ein Schiff, das keine Charterparty von einem deutschen Broker benötigt.“ Daher bedeutet laut Geisler ein möglicher Verkauf von Schiffen ins Ausland auch eine Schwächung des gesamten maritimen Clusters am Standort Deutschland.

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Wie viele Bremer Reeder vom Verkauf des Kreditpakets betroffen sind, ist nicht bekannt. Ein Experte, der nicht genannt werden möchte, stellte allerdings eine einfache Rechnung auf: „Wenn das Kredite für 263 Schiffe sind und ein Teil davon noch von der Bremer Landesbank stammt, werden bestimmt Schiffe dabei sein, die Bremer Reedern gehören.“ Auf alle Fälle sind von dem Verkauf Reedereien aus Niedersachsen betroffen. Nach Angaben der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ gehört ein Teil der Schiffe Reedereien in Haren an der Ems, in Leer und Emden. Dieter Sturm (CDU), Stadtrat in Haren, sagte dem NDR: „Bislang ist es ja so, dass fast alle Reedereien die Krise zumindest als Reederei überlebt haben, mit deutlichen Umsatzeinbußen. Das wird, so rechnen wir, zum Abbau von Arbeitsplätzen oder zum Verlust von Steuereinnahmen führen.“

Ein Branchenexperte schildert folgendes Szenario: „Cerberus wird versuchen, für Schiffe aus dem Paket, die vielleicht noch gar nicht so alt sind und Potenzial haben, einen höheren Wert zu erzielen, als der, mit dem sie im Paket verzeichnet sind.“ Entweder werde der Investor gezielt mögliche Käufer ansprechen oder versuchen, über eine Auktion mit einem Schiff einen guten Preis zu erzielen.

Die NordLB hat nicht viel Zeit

Dagegen vermutet der Bremer Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel, dass Cerberus die Schiffe nicht sofort zu Geld machen will. „Sie spekulieren nicht unrealistisch, dass die Situation wieder besser wird – gerade bei den mittelgroßen Schiffen sieht das gar nicht mal so schlecht aus“, sagte Hickel. Der Ökonom glaubt, dass der US-Investor angesichts seiner Finanzkraft keinen Druck hat, die Schiffe möglichst schnell zu verkaufen: „Die warten dann lieber auf ein gutes Geschäft.“ Durch das Engagement der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft bei der HSH-Nordbank liegt der nominelle Wert der Schiffsflotte im Unternehmen inzwischen bei 12,1 Milliarden Euro.

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Die NordLB indes hat nicht viel Zeit. Hier sollen die faulen Schiffskredite schnell aus den Bilanzen verschwinden. Allerdings ist die Landesbank immer noch im Besitz eines noch viel größeren Pakets an faulen Schiffskrediten über vier Milliarden Euro – es trägt den internen Namen „Tower Bridge“. Das soll bis Jahresende ebenso aus den Büchern verschwinden. Das Land Niedersachsen als Mehrheitseigner der NordLB denkt über die Gründung einer „Bad Bank“ nach, um die Schiffe dorthin auszulagern.

Die Bank hatte über das Paket „Tower Bridge“ ebenso mit Cerberus verhandelt. Man sei sich aber nicht über den Preis einig geworden. Allerdings sind sich Branchenexperten, die nicht genannt werden möchten, sicher, dass der Verkauf beider Pakete zur gleichen Zeit der NordLB womöglich überfordert hätte. Denn die enormen Wertberichtigung für beide Pakete gleichzeitig sei nur schwer zu stemmen für die angeschlagene Bank. Ein Experte sagte: „Damit würde sie gleich in eine weitere Kapitalerhöhung rutschen.“

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