Vermessung des Ozeans

Bremer Start-up gewinnt europäischen Gründerpreis

Das Bremer Start-up Plan Blue will mit Hilfe einer besonderen Kamera den gesamten Meeresboden kartographieren. Mit dieser Idee hat sich das junge Unternehmen nun gegen andere europäische Start-ups durchgesetzt.
12.12.2018, 17:50
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Start-up gewinnt europäischen Gründerpreis
Von Stefan Lakeband
Bremer Start-up gewinnt europäischen Gründerpreis

Mit dem Dive Ray will Plan Blue den Meeresboden kartographieren.

Plan Blue

Etwa zwei Drittel der Erde sind mit Wasser bedeckt. Doch was auf dem Meeresboden passiert und in welchem Zustand er sich befindet, ist noch weitgehend unerforscht – ein Geheimnis. „95 Prozent des Meeresboden ist unbekannt“, sagt Hannah Brocke. Die Biologin will das ändern. Zusammen mit drei anderen Kollegen hat sie Plan Blue gegründet. Die Vision des Bremer Start-ups: den gesamten Meeresboden zu kartographieren.

Einen ersten Erfolg hat das junge Unternehmen jetzt schon erzielt: In der französischen Hafenstadt Marseille hat Plan Blue einen europäischen Start-up-Wettbewerb für die Raumfahrtbranche gewonnen. Die „Galileo Masters“ zeichnen Ideen aus, die das gleichnamige Europäische Navigationssystem nutzen. Plan Blue verwendet Galileo, um die gesammelten Daten später auf der Landkarte verorten zu können.

Das Besondere am Geschäftsmodell ist jedoch etwas anderes: Das Start-up vermisst und kartographiert den Meeresboden auf neuartige Weise. Dazu haben die vier Gründer den „Dive Ray“ entwickelt, ein Gestell, das neben Sensoren auch über eine Kamera verfügt, die hyperspektrale Bilder einfangen kann. Während eine normale Kamera nur das aufzeichnet, was auch das Auge sehen würde, erfasst eine Hyperspektralkamera auch sehr viele, eng beieinanderliegende Wellenlängen – und somit wesentlich mehr Daten, die später verarbeitet werden können.

Damit lassen sich dann präzise Aussagen über den Zustand des Bodens treffen sowie Mineralien und Vegetation identifizieren. Diese Technik wird unter anderem schon bei der Erdbeobachtung von Satelliten eingesetzt. Plan Blue hat nun eine solche Kamera unter die Wasseroberfläche gebracht.

Schneller, präziser, günstiger

„Die Kartographierung des Meeresbodens ist wichtig für die großen Probleme der Menschheit, wie Klimawandel und Ressourcenverknappung, aber auch um der Industrie zu helfen, nachhaltig zu arbeiten und effektiver zu wirtschaften, etwa mit Offshore-Windparks oder Aquakulturen“, sagt Brocke. „Mit der Kamera lässt sich etwa Plastikmüll auf dem Meeresboden erkennen“, sagt Guy Rigot, der neben Brocke, Joost den Haanund Raja Kandukuri zum Gründungsteam von Plan Blue gehört. Die Effekte des Klimawandels ließen sich etwa an der Veränderung von Korallenriffen ablesen. Zu den Kunden gehören Forschungsinstitute, Behörden und Unternehmen. „Wenn irgendwo ein neuer Hafen gebaut wird, muss man vorher wissen, wie der Meeresboden dort beschaffen ist“, sagt Rigot. Erste Einsätze mit einem Prototyp habe es bereits im Sommer gegeben, zusammen mit den Universitäten von Nizza und Guam.

Bislang war die Kartographierung des Meeresbodens sehr umständlich. Taucher haben immer nur kleine Abschnitte genauer untersucht und Fotos gemacht. Die Ergebnisse seien sehr subjektiv gewesen, sagt Rigot. Bei der Lösung von Plan Blue soll das anders laufen, sie will schneller, präziser und deutlich günstiger sein. Die Daten können am Computer verarbeitet werden. Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz sollen etwa Korallen, Sand und Steine etwa automatisch erkannt werden können. Die Software soll die Daten auch so aufbereiten, dass sie leicht zu verstehen sind.

Gründer wollen in Bremen bleiben

In Marseille hat sich Plan Blue nun gegen zahlreiche andere Start-ups aus ganz Europa durchgesetzt. Als Gewinn gibt es neben einem Preisgeld auch die Möglichkeit, Teil eines Start-up-Inkubators zu werden. Einen solchen will die europäische Weltraumorganisation Esa bald in Bremen eröffnen. „Da würden wir gerne mitmachen“, sagt Rigot. Die Gründer wollen mit ihrem Unternehmen jedenfalls in Bremen bleiben.

Dass Plan Blue in der Hansestadt beheimatet ist, hat mit der Entstehungsgeschichte der Firma zu tun. Sie ist als Ausgründung aus dem Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie (MPI) entstanden, wo bereits an der Beobachtung von Korallenriffen mit Hyperspektralkameras gearbeitet wurde. Das MPI haben die Gründer mittlerweile verlassen und sind in das Technologie- und Gründerzentrum Bitz gezogen. Ihre eigentliche Arbeit führt sie aber in die Meere dieser Welt.

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