Trotz Corona-Krise

Arbeitgeberpräsident fordert Einstellung von Lehrlingen

Trotz Corona-Krise sollten Unternehmen an die Zukunft denken und Auszubildende einstellen. Das fordert Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Denn nach der Pandemie komme der Fachkräftemangel zurück.
09.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Arbeitgeberpräsident fordert Einstellung von Lehrlingen
Von Stefan Lakeband

Trotz schlechter Nachrichten in der Corona-Krise sollten Unternehmen die Zukunft planen. Das fordert Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Er traf sich am Freitag mit Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit, zu einem Gespräch in Bremen. Ein Thema: Wie wird der Arbeitsmarkt nach der Pandemie aussehen?

Kramer, der selbst ein Unternehmen leitet und seit 2013 Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) ist, glaubt, dass die deutsche Wirtschaft schon Ende kommenden Jahres das Niveau von vor der Krise erreicht haben wird. Eine Voraussetzung sei aber, dass Unternehmen sich nicht allzu sehr zurückhalten dürften. „Wenn jeder den Kopf einzieht, wird die Krise nicht vorbeigehen“, sagt Kramer. „Deshalb geht es jetzt darum, Mut zu verbreiten und die Wirtschaft hochzufahren.“

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Das sieht auch Höltzen-Schoh so. Zusammen mit Kramer appelliert sie an die Unternehmen, jetzt vor allem nicht bei der Ausbildung zu sparen. Das Frühjahr sei die klassische Zeit, in der Ausbildungsverträge geschlossen würden. Daran sollten Unternehmen festhalten. „Es ist noch nicht lange her, da war der Fachkräftemangel ein großes Problem“, sagt sie. Und das werde wiederkommen, sobald sich die Wirtschaft erholt habe. „Sonst sägen Unternehmen an dem Ast, auf dem sie sitzen“, ergänzte Kramer.

Aktuelle Zahlen lassen aber eine gewisse Zurückhaltung der Bremer Unternehmen beim Thema Ausbildung vermuten. Laut Joachim Ossmann, Chef der Arbeitsagentur Bremen-Bremerhaven, wurden im April 15 Prozent weniger geschlossene Ausbildungsverträge gemeldet als noch vor einem Jahr. Ossmann sagt aber auch, dass dieser Wert nur eine Momentaufnahme darstelle und die neu beschlossenen Lockerungsmaßnahmen noch keinen Niederschlag in der Statistik fänden.

Nicht jeder Ausbildungsplatz der Agentur für Arbeit gemeldet

Insgesamt wurden der Behörde 4317 freie Ausbildungsplätze im Agenturbezirk gemeldet, zu dem auch der Landkreis Osterholz gehört. Dem gegenüber stehen 3836 Bewerber. Die Zahlen geben allerdings nicht den gesamten Ausbildungsmarkt wieder, da längst nicht jeder Ausbildungsplatz bei der Agentur für Arbeit gemeldet wird; Gleiches gilt für Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen. „Es ist eine erkleckliche Zahl an Ausbildungsstellen auf dem Markt“, sagt Ossmann, „allerdings spürt man die Verunsicherung.“

Wie man Unternehmen diese Unsicherheiten nehmen kann, war auch Thema des Gesprächs, das Kramer und Höltzen-Schoh schon zum Jahreswechsel angesetzt hatte und trotz Corona-Pandemie durchziehen wollten. Die Chefin der Regionaldirektion macht deutlich, dass Betriebe nicht alleine seien und auf die Unterstützung der Arbeitsagenturen zählen könnten. Sollte sich herausstellen, dass durch die Pandemie der Ausbildungsmarkt deutlich an Fahrt verliere, ziehe die Bundesagentur für Arbeit ein Sicherheitsnetz, um Jugendliche aufzufangen. Das könnten etwa eine überbetriebliche Ausbildung oder eine Einstiegsqualifizierung sein. „Diese Maßnahmen sollen wie ein Schuhlöffel wirken, um ins richtige Berufsleben reinzuschlüpfen.“

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„Trotzdem sollte sich jeder junge Mensch bewerben“, macht Kramer deutlich. Denn solche finanziell geförderten Maßnahmen könnten nur eine Alternative im Notfall sein. Er selbst plane mit seinem Bremerhavener Unternehmen genauso viele Auszubildenden einzustellen wie in den Jahren vor Corona – obwohl auch der BDA-Präsident seine Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken musste.

Kramer ist jedoch froh, das Instrument Kurzarbeit nutzen zu können. Denn genau für solche Fälle sei es gedacht – wenn plötzlich die Aufträge ausblieben. Schon in der Finanzkrise habe sich die Maßnahme bewährt und auch jetzt geht er von den positiven Effekten aus. Immerhin sei mit 26 Milliarden Euro der Topf der Bundesagentur für Arbeit prall gefüllt.

Krisen nur bedingt vergleichbar

Höltzen-Schoh macht jedoch auch deutlich, dass die Krise 2009 mit der aktuellen Situation nur bedingt vergleichbar sei. Seien vor elf Jahren nur einige Branchen beeinträchtigt gewesen, würde nun die gesamte Wirtschaft die Folgen spüren. „Es leiden alle.“

Um die Situation so schnell wie möglich zu verbessern, sprach sich Ingo Kramer dafür aus, die Reisebegrenzungen soweit wie möglich zu lockern. Damit die Wirtschaft nicht nur in Deutschland wieder anlaufe, sondern in ganz Europa, müsse sich der grenzüberschreitende Verkehr normalisieren. „Denn das ist doch wirklich eine Art Schicksalsfrage“, sagte er ebenfalls am Freitag in einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

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