Zukunft geklärt

Der Lloydhof hat einen Käufer

Die Entscheidung über den Verkauf des Lloydhofs ist gefallen. Den Zuschlag für den Büro- und Geschäftskomplex in der Bremer Innenstadt hat sich ein Unternehmen aus Bayern gesichert.
16.07.2017, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Der Lloydhof hat einen Käufer
Von Jürgen Hinrichs
Der Lloydhof hat einen Käufer

Blick auf den Lloydhof.

Christina Kuhaupt

Die Entscheidung über den Verkauf des Bremer Lloydhofs ist gefallen: Nach Informationen des WESER-KURIER hat das Unternehmen Denkmalneu aus Bayern den Zuschlag für den Büro- und Geschäftskomplex bekommen. Binnen weniger Wochen ist das der dritte große Coup für die Innenstadt. Zunächst wurde bekannt, dass das Bremer Carree von der Allianz an einen Projektentwickler aus Hamburg verkauft worden ist. Dann kündigte der Bremer Unternehmer Kurt Zech an, das Parkhaus Mitte kaufen zu wollen, es abreißen zu lassen und die Fläche zusammen mit den Gebäuden in der Nachbarschaft, darunter Karstadt, neu zu entwickeln. Und nun gibt es den Eigentümerwechsel beim Lloydhof, der spätestens zum Jahreswechsel vollzogen sein soll.

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Eigentlich sollte der Lloydhof abgerissen werden und einem City-Center Platz machen. Die Stadt hatte das Gebäude am Ansgarikirchhof dafür eigens gekauft. Doch am Ende fand sich kein Investor für das Einkaufszentrum. Seitdem werden die Geschäftsflächen von kleinen Läden genutzt, die kurzfristige Mietverträge bekommen haben. Der Umweltbehörde, die in den Büros der oberen Etagen sitzt, ist bereits gekündigt worden. Sie wird in die Überseestadt umziehen.

Als der Lloydhof in diesem Jahr zum Verkauf ausgeschrieben wurde, gab es nach Angaben der Wirtschaftsbehörde eine zweistellige Zahl von Interessenten. Verbindlich beworben haben sich drei: der Bremer Bauunternehmer und Projektentwickler Marco Bremermann, die Denkmalneu-Gruppe und ein drittes Unternehmen, das bis heute nicht bekannt geworden ist. Die Gebote sollen dem Vernehmen nach bei mehr als 20 Millionen Euro gelegen haben. Die Stadt hatte beim Kauf vor viereinhalb Jahren 23,8 Millionen Euro bezahlt.

Weitere Gespräche angekündigt

Denkmalneu-Chef Thomas Scherer erklärte am Wochenende auf Anfrage unserer Zeitung, dass sein Unternehmen sich für den Lloydhof beworben hat. Die Nachricht, welcher Bieter ausgewählt wurde, wollte er der Stadt überlassen. Indirekt bestätigte Scherer aber, dass Denkmalneu bei dem Geschäft zum Zuge kommen wird: „Die Tendenz geht dahin.“ Es werde dazu Anfang August weitere Gespräche mit den Bremer Behörden geben.

Das Unternehmen bezeichnet sich als Spezialist für die Veränderung von Immobilien im Bestand – und genau darum geht es beim Lloydhof. Er wird nicht abgerissen, sondern im Kern verändert. Für die Gestaltung der Fassade soll es einen Wettbewerb geben.

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Zurzeit engagiert sich Denkmalneu im großen Stil beim Umbau der alten Hauptpost in Leipzig, einem 120-Millionen-Euro-Projekt. In Dresden hat die Gruppe im vergangenen Jahr das Haus am Zwinger saniert, einen ehemaligen Büroriegel mit knapp 27.000 Quadratmetern Geschossfläche. Denkmalneu arbeitet bei der Finanzierung seiner Projekte mit einem milliardenschweren Familienunternehmen aus Deutschland zusammen.

In Dresden ist aus dem Büroriegel in der Altstadt etwas entstanden, was Denkmalneu „Das Lebendige Haus“ nennt. Eine bunte, sehr urbane und moderne Mischung aus Wohnen, Büro, Gewerbe und Gastronomie. Genau dieses Konzept soll nach den Worten von Thomas Scherer auch in Bremen umgesetzt werden. „Das ist ein extrem interessanter Standort“, sagt Scherer. Er zeigte sich genau informiert über die neuen Entwicklungen in der Innenstadt und will ein Teil davon sein. „Die Bremer City ist spannend, definitiv.“

Bremer Immobilie hat viele Vorteile

Wird es kommen wie in Dresden, wo der Umbau anderthalb Jahre gedauert hat, könnte sich der Lloydhof sehr schnell schon völlig neu präsentieren, zumal er mit seinen rund 15.000 Quadratmetern Nutzfläche deutlich kleiner ist als das ehemalige Haus am Zwinger. In Bremen gibt es außerdem den Vorteil, dass die Immobilie von der Stadt quasi frei von Mietern übergeben wird, also sofort angepackt werden könnte. Die Erdgeschossflächen sind von Existenzgründern und Anbietern besonderer Sortimente belegt. Eine Form von Zwischennutzung, die von den Ideengebern „Citylab“ genannt wird. Gegen eine nur geringe Miete können die Händler, Gastronomen und Dienstleister erproben, ob ihre Geschäftsideen am Markt ankommen.

Denkmalneu will nach Angaben von Unternehmenschef Scherer einen starken Akzent beim Wohnen setzen. „Das Lebendige Haus“ soll auch am Abend lebendig bleiben. Wie schon in Dresden könnte im Lloydhof ein Fünf-Sterne-Appartementhaus für Städte­reisende und Geschäftsleute entstehen.

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