Größte Arbeit für DHL kommt noch DHL-Verteilzentrum in Bremen läuft bereits auf Hochtouren

Die DHL-Mitarbeiter im Bremer Güterverkehrszentrum sind bereits seit einem Monat im Weihnachtsmodus. Warum die Anlage so besonders ist, und warum DHL im Bremer Viertel eine Weihnachtsfiliale eröffnet hat.
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DHL-Verteilzentrum in Bremen läuft bereits auf Hochtouren
Von Florian Schwiegershausen

Pakete links, Pakete rechts, an allen Ecken flitzen über die Förderbänder am DHL-Standort im Bremer Güterverkehrszentrum (GVZ) die Pakete. Nachdem die Black-Friday-Woche diverser Unternehmen vorbei ist, versendet DHL nun die bestellte Ware. Und das merken auch die Mitarbeiter im GVZ, die in der modernisierten Anlage auf der einen Seite Pakete auf die Förderbänder geben und auf der anderen Seite wieder entgegennehmen und sie in den jeweiligen Container oder Lkw einsortieren, der die Sendungen an den Zielort bringt. Es wird diese Woche noch mehr Aufkommen sein, als es ohnehin schon ist.

Denn hier bei DHL in Bremen-Strom, wo die Pakete zahlreicher Online-Versender sortiert werden, läuft nicht erst seit vergangener Woche das Weihnachtsgeschäft. Für das Logistikunternehmen beginnt die Hochsaison schon im November. Seitdem sind bereits viele der bundesweit zusätzlich 10 000 Saisonkräfte im Einsatz. Mit 36 000 Sendungen, die die Anlage pro Stunde sortieren kann, gehört Bremen zu den modernsten Standorten des Logistikunternehmens und kann sich damit mit so großen Mega-Paketzentren, wie es sie in Berlin oder Bochum gibt, messen lassen. Letzterer Standort, an dem Opel vor fünf Jahren die letzten Zafiras vom Band laufen ließ, wurde erst vor zwei Wochen offiziell in Betrieb genommen.

Was die Bremer Sortieranlage im GVZ außerdem von denen in anderen Städten unterscheidet: Hier können Sendungen, die in Folie verpackt sind, wesentlich schneller sortiert werden. „Wir können sie direkt auf die Förderbänder legen. An anderen Standorten müssen die Mitarbeiter sie erst eigens in Transporthilfen legen, die sogenannten ‚Mausefallen‘“, erklärt DHL-Sprecher Stefan Laetsch. Diese sollen ein Verheddern der mit Folie ummantelten Sendungen verhindern.

Im GVZ kommen die Mitarbeiter mit der neuen Anlage ohne diese Transporthilfen aus. Dazu kommen im Bremer GVZ zudem acht Hochleistungsscanner. Diese können die Sendungen von sechs Seiten sekundenschnell erfassen. Wenn ein Paket dort durchgelaufen ist, kann dies der Empfänger im Internet beim Sendestatus nachlesen. Im GVZ werden außerdem die Waren chinesischer Online-Kaufhäuser sortiert. Die werden in weißen Säcken herangekarrt, die zumeist per Container in Rotterdam angeliefert werden.

In diesen Tagen bewegt DHL täglich elf Millionen Pakete, während es außerhalb des Weihnachtsgeschäfts gut fünf Millionen Pakete sind. Doch der Spitzentag kommt erst noch, wie DHL-Vertriebschef Martin Linde bei seinem Besuch im Bremer GVZ erklärt: „Der 17. Dezember, also der Dienstag vor Heiligabend, wird wohl der arbeitsintensivste Tag werden.“ Es sei davon auszugehen, dass die Zahlen vom vergangenen Jahr nochmals getoppt werden. 2018 hatte DHL 1,5 Milliarden Pakete transportiert, ein Plus von mehr als sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.

All die Sendungen müssen nach dem Sortieren auch noch den Weg zu ihren Empfängern finden – entweder an die Haustür oder an eine der verschiedenen Packstationen. „Bis 2021 wollen wir das Netz der Packstationen bundesweit nahezu verdoppeln“, sagt Linde. Sind es derzeit etwa 4000 Standorte, sollen künftig nochmals 3000 hinzukommen. Erst im Sommer dieses Jahres hatte die Deutsche Post bekannt gegeben, dass an 500 Filialen der Supermarktkette Lidl jeweils eine Packstation entstehen soll.

In Bremen geht DHL noch einen anderen Weg. „Für die Weihnachtszeit bis Ende Januar 2020 hat die Deutsche Post DHL Group im Ostertorsteinweg 34-35 eine zusätzliche Filiale eingerichtet“, ergänzt DHL-Sprecher Laetsch. Der Saisonstandort im Viertel soll die umliegenden Filialen entlasten und die Wartezeiten verringern. Gleichzeitig sollen die Packstationen entlastet werden, die in diesen Wochen erfahrungsgemäß überfüllt sind. In den kommenden zwei Monaten wird DHL in Bremen und Bremerhaven sechs zusätzliche Packstationen in Betrieb nehmen. Bundesweit will das Unternehmen die Zahl dieser Selbstbedienungsautomaten bis 2021 von derzeit 4000 auf 7000 erhöhen.

Inzwischen zieht sich das Weihnachtsgeschäft für DHL längst bis Ende Januar. So sei es sehr beliebt, Gutscheine unter den Weihnachtsbaum zu legen. Damit bestellen die Beschenkten im neuen Jahr im Internet etwas – und die Welle der Warensendungen läuft ­weiter. Hinzu kommt auch eine gewisse Anzahl von Retouren. Laut DHL sind nicht nur in den Verteilzentren mehr Mitarbeiter im Einsatz, sondern auch in der Zustellung. Den Angaben zufolge haben die Fahrer kleinere Zustellgebiete als in der restlichen Zeit des Jahres.

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Grundsätzlich will DHL die Zustellung an der Haustür verbessern, wie Vertriebschef Linde erläutert: „Über die DHL-App soll in Zukunft das Zeitfenster weiter eingegrenzt werden, wann der Empfänger mit einer Lieferung rechnen kann.“ Wer die App auf seinem Smartphone hat, erhält schon jetzt Infos über eine anstehende Lieferung. Künftig sollen die Kunden am Morgen des Zustelltags die Info über die Uhrzeit der Anlieferung erhalten.

Dabei soll es sich um ein Zeitfenster von nicht mehr als einer Stunde handeln. Die Hoffnung von DHL ist, dass der Zusteller den Empfänger dann häufiger daheim antrifft. In der Bonner Zentrale der Deutschen Post und DHL gibt es jedes Jahr den Aufruf, im Starkverkehr zu helfen. Selbst die Mitarbeiter der Führungsebenen sind dazu angehalten, einmal im Quartal an der Produktionsbasis mitzuarbeiten, damit sie den Kontakt zu den dortigen Mitarbeitern halten.

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Zur Sache

Letzte Einlieferung vor dem Fest

Damit Pakete deutschlandweit rechtzeitig zu Heiligabend beim Empfänger sind, bittet DHL um die Einlieferung bis spätestens Freitag, den 20. Dezember, um 18 Uhr. Weihnachtsbriefe sollten spätestens am Sonnabend, den 21. Dezember, den Weg in den Briefkasten oder die Postfiliale gefunden haben. Dies gilt allerdings für deutschlandweite Sendungen. Beim Paketversender Hermes sollen die Sendungen spätestens am 20. Dezember bis 12 Uhr im Paketshop abgegeben werden. Die gleiche Frist nennen auch die Mitbewerber DPD, GLS und UPS für Standardpakete. Danach ist bei fast allen bis Montag, den 23. Dezember, bis 12 Uhr eine Lieferung per Express möglich, damit das Paket Heiligabend rechtzeitig eintrifft.

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