Schlepper-Übernahme Die Schlepper-Hochzeit

Die Hamburger Schlepperreederei Fairplay hat ihren Hamburger Konkurrenten Bugsier übernommen. Bugsier ist neben einer dänischen und einer niederländischen Schleppreederei auch in Bremerhaven aktiv.
13.11.2017, 16:18
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Die Schlepper-Hochzeit
Von Markus Lorenz

Hamburg/Bremerhaven. Immer Anfang Mai tanzen Hamburgs Schlepper zum Hafengeburtstag fröhlich Ballett. Doch in Wahrheit ist in der Branche niemandem zum Schunkeln zumute. „Es herrscht ein sehr, sehr harter Verdrängungswettbewerb“, sagt Walter Collet, Geschäftsführer der Hamburger Schlepperreederei Fairplay. Um im Konkurrenzkampf zu überleben, hat das Familienunternehmen gerade den Hamburger Konkurrenten Bugsier übernommen. Collet ist ab sofort Chef von etwa 1000 Mitarbeitern und mehr als 100 Schleppern, die in allen wichtigen nordwesteuropäischen Häfen im Einsatz sind. In Hamburg ist das vergrößerte Unternehmen mit etwa 50 Prozent Marktanteil der Platzhirsch, der Umsatz liegt bei etwa 200 Millionen Euro.

Mit dem Schleppen von Containerfrachtern und anderen Schiffen sei im größten deutschen Hafen derzeit kein Geld zu verdienen, erläutert der Schlepperchef. Sowohl Fairplay als auch Bugsier machten auf der Elbe schon längere Zeit Verluste, die sie durch Gewinne in anderen Häfen kompensieren müssten. „Der Hamburger Hafen war mal unser Brot-und-Butter-Geschäft. Im Moment ist es nur trockenes Brot.“

Hintergrund der wirtschaftlichen Probleme ist neben der Konkurrenz anderer Anbieter die rigide Ausgabenpolitik der Großreedereien. Die zahlten in Hamburg zurzeit keine auskömmlichen Preise. Die Fusion der Hamburger Traditionsunternehmen soll deren Chancen am Markt entscheidend verbessern. Nach Angaben des Fairplay-Geschäftsführers sind die Großkunden dazu übergegangen, ihre Aufträge stets für die gesamte Nordrange auszuschreiben. Die neue Hamburger Branchengröße kann nun lückenlos in Rotterdam, Antwerpen, Bremerhaven und Wilhelmshaven mitbieten. Aktiv ist die Schlepperreederei zudem in polnischen Häfen sowie im Bergungs- und Offshoregeschäft. Beide Firmen ergänzen sich in ihren Angeboten. Während Fairplay seine Stärken in Rotterdam, Antwerpen und Polen hat, liegt die Domäne von Bugsier in den deutschen Häfen.

So ist Bugsier auch in zweitgrößten deutschen Seehafen in Bremerhaven aktiv. Und auch in der Seestadt gab es in den vergangenen Jahren viel Bewegung in der Schlepperbranche: So verkaufte im vergangenen Jahr Linnhoff Schiffahrt aus Hamburg als Eigner die Bremer Unterweser Reederei GmbH (URAG) an den spanischen Boluda-Konzern. Und in Bremerhaven gibt es zahlreiche Mitbewerber: Neben der Schleppreederei Svitzer Towage, die zum dänischen A.P-Möller-Konzern gehört und folglich die Maersk-Schiffe als Kunde bekommt, ist dort auch die niederländische Reederei Kotug-Smit Towage an der Stromkaje unterwegs.

Jobs soll das Zusammengehen in Hamburg nicht kosten, versichern die Manager. Lediglich die Verwaltungssitze in Hamburg würden zusammengelegt, die Suche nach einem neuen Bürostandort laufe. Collet: „Wir schließen betriebsbedingte Kündigungen aus.“ Auch wenn Fairplay den Konkurrenten zu 100 Prozent übernommen hat, soll der seit insgesamt 151 Jahren bestehende Name Bugsier erhalten bleiben, die Flotten weiter unter dem bisherigen Label betrieben werden.

Die Entwicklung des Schleppergeschäfts in den deutschen Häfen werde „sicher nicht einfach“, glaubt Walter Collet, der die Fusion als großen Schritt nach vorn sieht. Das Familienunternehmen gibt sich selbstbewusst. Collet: „Unser Ziel ist, dass es in jedem Hafen in Europa nur zwei Anbieter gibt: uns und noch einen.“

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