Marineschulschiff soll weitergebaut werden

Fassmer-Werft aus Berne Favorit für die „Gorch Fock“

Ein neuer Betrieb muss sich darum kümmern, dass das Schulschiff der deutschen Marine weitergebaut wird. Gute Chancen hat eine Werft aus der Wesermarsch: Fassmer in Berne.
25.06.2019, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Peter Hanuschke und Barbara Wenke
Fassmer-Werft aus Berne Favorit für die „Gorch Fock“

Der Rumpf der "Gorch Fock" schwimmt.

Axel Heimken/dpa

Ob, wann und wo am Marine-Segelschulschiff „Gorch Fock“ weitergebaut werden soll, damit beschäftigt sich aktuell ein Ausschuss des Bundesverteidigungsministeriums. Sollte die Sanierung tatsächlich fortgesetzt werden, dann gilt nach Informationen dieser Zeitung die Fassmer-Werft in Berne als Favorit, um das „Gorch Fock“-Dauerproblem zu lösen.

Derzeit liegt die Bark noch am Labradorkai in Bremerhaven. Am Freitag wurde der sanierte Rumpf des Marineschulschiffes nach langem Hin und Her zwischen der Bredo-Werft und der Marine zu Wasser gelassen. Über drei Jahre lang hatte die „Gorch Fock“ im Trockendock der Bremerhavener Bredo-Werft gelegen, die als Subunternehmen für die inzwischen insolvente Elsflether Werft tätig war. Bei dem Hin und Her ging es um Forderungen der Bredo-Werft in Millionenhöhe. Der Streit darüber ist noch nicht beendet.

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Falls sich die Marine für den Weiterbau entscheiden wird – wovon in Branchenkreisen ausgegangen wird –, dann werden diese Arbeiten nicht in der Elsflether Werft stattfinden. Denn zum Ausbau müsse die „Gorch Fock“ definitiv noch einmal ins Trocken- oder Schwimmdock, wie Axel Birk, Vorstand der Elsflether-Werft, dem WESER-KURIER sagte. Und genau das gehe nicht in Elsfleth. Birk wollte weder bestätigen noch dementieren, dass dafür künftig die Fassmer-Werft genutzt wird. Es gebe mehrere mögliche Ausweichplätze, etwa in Emden, Bremerhaven und an weiteren Orten.

Elsflether Hafen muss vom Schlick befreit werden

Nach Abschluss weiterer erforderlicher Arbeiten in einem Dock könne die Ausrüstung der „Gorch Fock“ in Elsfleth vorgenommen werden, so Birk. „Zumindest dann, wenn das Land vorher den Elsflether Hafen vom Schlick befreit.“ Das Verteidigungsministerium wollte sich auf Nachfrage nicht dazu äußern, ob der Rumpf der „Gorch Fock“ zur Fassmer-Werft gebracht werden soll. Auch die Werft äußerte sich nicht.

Die Bredo-Werft hatte im Vorfeld der Ausdockung damit gedroht, die „Gorch Fock“ als Pfand im Trockendock zu behalten, bis die offenen Rechnungen bezahlt sind. Die Marine lehnte bislang eine Zahlung ab. Dennoch einigten sich die Parteien – zumindest vorläufig: Eine am Donnerstag durch die Bredo-Dockgesellschaft initiierte Vereinbarung zwischen der Elsflether Werft als Hauptauftragnehmer, dem Bundesverteidigungsministerium und dem Bremerhavener Unternehmen als Subunternehmer sichert Bredo nach eigenen Angaben Rechte im kommenden Gerichtsstreit um offene Forderungen in Höhe von etwa 10,5 Millionen Euro.

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Man habe diese Vereinbarung initiiert, um dadurch die Ausdockung zu ermöglichen und damit eine Fortführung der Sanierung und den Erhalt der Arbeitsplätze auf der Elsflether Werft zu sichern. Durch diese Vereinbarung seien die Rechte im anstehenden Gerichtsprozess der Werft so gesichert, „als läge die ,Gorch Fock' noch im Dock.“

Kein Grund für gerichtliche Anstrengungen nach erfolgreicher Ausdockung

„Wir gehen davon aus, dass im nächsten Schritt das Bundesverteidigungsministerium seine Beschwerde beim Oberlandesgericht Bremen gegen die Ablehnung des Eilantrags auf Herausgabe des Schiffes durch das Landgericht Bremen zurückzieht und der anberaumte Anhörungstermin am 4. Juli abgesagt wird“, sagt Dirk Harms, Geschäftsführer der Bredo-Dockgesellschaft. Nach der erfolgreichen Ausdockung gebe es keinen Grund mehr für gerichtliche Anstrengungen seitens des Bundes in dieser Sache.

Die Bredo-Werft hatte nach eigenen Angaben in der Vergangenheit immer wieder ihre Gesprächsbereitschaft gezeigt, um im Streit um die offenen Forderungen eine außergerichtliche Lösung zu finden. Der Bund hätte jedoch bis zuletzt eine Vergleichsvereinbarung und eine Zahlung abgelehnt.

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Zuletzt hatte der Bund die Strategie verfolgt, sich hinter die neue Leitung der Elsflether Werft zu stellen, Zahlungen außerhalb des Insolvenzverfahrens jedoch abzulehnen. Bei der Sanierung des 61 Jahre alten Schiffes ist offensichtlich in der Vergangenheit vieles schiefgegangen – das lässt die Kostenexplosion erkennen. Denn statt der ursprünglich veranschlagten Reparaturkosten in Höhe von zehn Millionen Euro sind bereits mehr als 70 Millionen Euro für die „Gorch Fock“ ausgegeben worden. Als maximale Summe für die Reparatur hat das Verteidigungsministerium 135 Millionen Euro festgelegt.

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