Aufsichtsrat prüft fristlose Kündigung Flughafen will Geschäftsführer Bula endgültig loswerden

Der Bremer Flughafen will sich möglichst schnell endgültig von seinem Geschäftsführer Jürgen Bula trennen. Das ist das Ergebnis einer Sondersitzung des Aufsichtsrates der Flughafen GmbH.
01.03.2018, 19:28
Lesedauer: 3 Min
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Flughafen will Geschäftsführer Bula endgültig loswerden
Von Peter Hanuschke

Noch bekommt Ex-Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Bula sein Gehalt. Doch nach Ansicht des Airport-Aufsichtsratsvorsitzenden Ekkehart Siering gibt es ausreichend Gründe für seine fristlose Kündigung. Um das durchzusetzen, holt sich der Aufsichtsrat nun anwaltliche Hilfe. Außerdem gebe es Anhaltspunkte, die auf strafbare Handlungen hindeuteten. Bestätige sich das, werde darüber unverzüglich die Staatsanwaltschaft informiert, sagte Siering.

Der Aufsichtsrat war am Donnerstag zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Es ging dabei um den Ex-Flughafenchef Jürgen Bula, der vom Aufsichtsrat im November von seinem Posten als Airportchef abberufen wurde. Beauftragt hatte der Aufsichtsrat in diesem Zusammenhang eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die auch die Geschäftszahlen des Flughafens der vergangenen Jahre prüfen sollte. Der Prüfprozess sei noch nicht gänzlich abgeschlossen, aber es könne durchaus sein, dass das Investitionsvolumen des Flughafens angepasst werden müsse, sagte Siering im Anschluss an die Sondersitzung.

Eine Vielzahl von Verstößen

Deutlich werde durch den vorläufigen Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, dass der Aufsichtsrat von Bula in der Vergangenheit nicht ausreichend über Dinge finanzieller Art informiert worden sei. „Dadurch hatte der Aufsichtsrat kein vollumfassendes Bild vom Flughafen“, sagte Siering. In diesem Zusammenhang lägen dienstliche Verletzungen der Informationspflicht vor. Zudem habe es von Seiten Bulas eine Vielzahl von Verstößen gegen interne Regularien gegeben. So sei unter anderem das vorgeschriebene Vier-Augen-Prinzip bei Rechtsgeschäften nicht eingehalten worden. Ebenso seien Personalvorgänge nicht ausreichend dokumentiert worden.

Näher ins Detail ging der Aufsichtsratsvorsitzende aber nicht: Der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft sei vertraulich. „Wir sehen uns aber auf jeden Fall in der Abberufung bestätigt“, so Siering. Unter Bula habe es unter den Mitarbeitern ein Klima der Angst gegeben. Sie hätten sich Sorgen um ihre Arbeitsplätze gemacht. Inzwischen sei ein Aufatmen innerhalb der Belegschaft zu vernehmen.

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Die Abberufung des Managers hatte der Aufsichtsrat mit verschiedenen Vorfällen am Airport begründet, die schwere Störungen im Verhältnis zwischen dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern gezeigt hätten. Zudem sei das Vertrauensverhältnis zwischen Geschäftsführer und Aufsichtsrat erschüttert und dadurch eine verlässliche, aufgabengerechte und kooperative Zusammenarbeit nicht mehr möglich gewesen. Für die Freistellung sei nicht der Vorfall im Juni ausschlaggebend gewesen, als Bula während Tarifverhandlungen größere Mengen Alkohol konsumierte, hieß es in der Begründung. Dafür wurde er abgemahnt, wie sich erst Monate später herausstellte, als die Ereignisse aus besagter Nacht öffentlich wurden.

Der eingeleitete Prozess der Neuaufstellung sei richtig gewesen. Siering ist zuversichtlich, dass der Posten des Geschäftsführers bis zum Sommer besetzt sein wird. Gesucht wird dabei nach einem Kandidaten von außen. Damit hat der Aufsichtsrat eine Personalagentur beauftragt. Es habe auch bereits erste Gespräche gegeben.

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In welchem Umfang das Investitionsvolumen des Flughafens falsch dargestellt wurde, dazu sagte Siering, der auch Staatsrat im Wirtschaftsressort ist, dass „wir uns noch genau angucken müssen, ob dieser Bereich erhöht werden muss“. Es gebe noch zwei, drei offene Fragen. Antworten darauf würde der komplette Abschlussbericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geben. Es sei auch nicht ausgeschlossen, dass neben Bula noch weiteren Personen ein Fehlverhalten anzulasten sei.

Sollte der Flughafen künftig nicht in der Lage sein, die geplanten Investitionen mit eigenen Mitteln zu stemmen, sei nicht auszuschließen, dass diese Lücke durch Kredite geschlossen werde. Dass der Flughafen, der zu hundert Prozent im Eigentum der Stadt Bremen ist, vor diesem Hintergrund Subventionen der öffentlichen Hand bekomme, sei kein Thema, so der Staatsrat.

Höhe des entstandenen Schadens noch nicht bekannt

Klar sei auch, dass durch das Verhalten von Bula dem Flughafen ein Schaden entstanden sei. Wie hoch der ausfalle, könne Siering nicht sagen. Das sei noch nicht quantifizierbar. So oder so sei dieser heutige Tag kein schöner – sowohl für den Flughafen als auch für den abberufenen Geschäftsführer, der „nun mit allen Konsequenzen leben muss“. Eine Konsequenz wäre bei der fristlosen Kündigung auf jeden Fall der Wegfall seines Gehaltes. Laut Beteiligungsbericht aus dem Jahr 2015 lag das bei jährlich 275.000 Euro. Im Zusammenhang mit Bula prüfe der Aufsichtsrat auch, weitere rechtliche Schritte gegen ihn einzuleiten.

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Für negative Schlagzeilen sorgte am Bremer Flughafen in der jüngsten Vergangenheit auch die Entwicklung der Passagierzahlen: 2017 nutzten 2,54 Millionen Passagiere den Hans-Koschnick-Airport – das war der dritte Rückgang in Folge nach dem Rekordjahr 2014, als es 2,77 Millionen Passagiere waren. Siering ist aber zuversichtlich, dass es in diesem Jahr wieder einen Aufwärtstrend geben wird. Das deute sich an, weil es mehrere Airlines gebe, die ihre Frequenzen am Bremer Flughafen wieder erhöhen.

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