Unternehmerin Janina Marahrens-Hashagen

Frau soll Bremer Handelskammer führen

Der erste Vorläufer der Bremer Handelskammer ging vor fast 600 Jahren an den Start. Bald soll erstmals eine Frau an die Spitze gewählt werden. Die Unternehmerin kommt aus Bremen-Nord.
13.11.2018, 19:24
Lesedauer: 3 Min
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Von Lisa Boekhoff und Moritz Döbler

Die Handelskammer Bremen steht vor einem historischen Schritt: Das Präsidium will erstmals eine Frau für seine Führung vorschlagen. Die Unternehmerin Janina Marahrens-Hashagen soll am 21. Januar 2019 im Plenum der Kammer zur Präses gewählt werden. Das erfuhr der WESER-KURIER von mehreren Mitgliedern des Präsidiums. „Ich kann dazu noch gar nichts sagen. Das ist Sache des Präses“, erklärte Marahrens-Hashagen am Dienstag. Amtsinhaber Harald Emigholz wollte sich dazu nicht äußern. Der Vorschlag für die Nachfolge kommt stets vom Präses persönlich – auch in diesem Fall. Frauenförderung hatte sich Emigholz schon bei den Wirtschaftsjunioren vor mehr als 30 Jahren auf die Fahne geschrieben.

Offiziell will die Kammer – mit vollem Namen Handelskammer Bremen und IHK für Bremen und Bremerhaven – die Nominierung weder bestätigen noch dementieren. Ihr Sprecher Stefan Offenhäuser sagte lediglich, dass sich das Präsidium auf den Vorschlag von Emigholz verständigt habe. Die Wahl im Plenum steht zwar noch aus, eine Ablehnung gilt aber als ausgeschlossen. Marahrens-Hashagen selbst war vor 18 Jahren erstmals ins Plenum der Kammer gewählt worden.

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Dem Präsidium gehören zehn Mitglieder an, nämlich der Präses und neun Vize-Präsides, darunter Marahrens-Hashagen. Das einzige andere weibliche Mitglied, Wiebke Hamm, vertritt ein sehr kleines Unternehmen und kam nach einhelliger Darstellung nicht infrage. Die männlichen Vize-Präsides haben zum Teil schon mehrfach abgewunken oder wollen Konflikte mit dem Senat vermeiden. Das Präsidium, aus dessen Mitte der oder die Präses kommen soll, ist Teil des insgesamt 55-köpfigen Plenums. Alle Mitglieder sind ausschließlich ehrenamtlich tätig.

1849 Gründung der Handelskammer

Die Kammer datiert ihren ersten Vorläufer auf das Jahr 1451, als die sogenannten Elterleute sich für die „kopmann tho Bremen“ eine Satzung gaben. 1849 entstand mit der neuen Bremer Verfassung dann die Handelskammer. In der fast 600-jährigen Geschichte der Selbstverwaltung der Bremer Wirtschaft stand noch nie eine Frau an der Spitze. Dies könnte Folgen über die Kammer hinaus haben – etwa für die 1545 gegründete Schaffermahlzeit, die Kaufleute organisieren, um Spenden für das Haus Seefahrt einzusammeln. Bisher hat diese traditionsreiche Sozialeinrichtung für Seeleute noch nie eine kaufmännische Schafferin berufen.

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Marahrens-Hashagen stieg 1982 direkt nach dem Studium der Wirtschaftswissenschaften und des Bankenwesens in Hamburg in zweiter Generation in die 1949 gegründete Marahrens-Gruppe in Bremen-Nord ein. Das Unternehmen mit rund 180 Mitarbeitern ist spezialisiert auf die Produktion von Schildern. Es hat nach eigenen Angaben eine Frauenquote von mehr als 50 Prozent und hebt seine familienfreundlichen Arbeitszeiten hervor. Während einer Veranstaltung, die sich mit der Arbeitswelt der Zukunft beschäftigte, plädierte die Unternehmerin kürzlich für ein Umdenken in der Wirtschaft: „Es wird Zeit, dass wir uns neue Modelle überlegen.“ Diese sollten dann auch die Jugend ansprechen und mitnehmen. Heute gingen bereits viele ihrer Mitarbeiter, Mütter und Väter, in die Elternzeit. In ihrer Firma gehe es zudem darum, den gut ausgebildeten Frauen die Möglichkeit zu geben, ihren Beruf beizubehalten.

Eine von zwölf Präsidentinnen

Nicht nur im Präsidium der Handelskammer Bremen ist Janina Marahrens-Hashagen aktiv. Zudem ist sie Vorstandsvorsitzende des Unternehmerforums Bremen-Nord und vertritt die Interessen von 20 Mitgliedsbetrieben wie Kuka, Nehlsen und Lürssen.

Von den insgesamt 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland haben nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelskammertags derzeit zwölf eine Frau im Amt des Präsidenten oder Präses. Die Handelskammer Hamburg leitet seit dem vergangenen Jahr mit Christi Degen erstmals eine Frau als Hauptgeschäftsführerin. Doch eine Präses, wie das Amt auch in Hamburg heißt, gab es hier ebenfalls noch nicht. Das Wort Präses ist laut Duden zwar eigentlich maskulin, aber in der Kirche gibt es inzwischen reichlich Erfahrung mit Amtsinhaberinnen. Irmgard Schwaetzer ist aktuell die Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands und hatte bereits zwei Vorgängerinnen.

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