Asteroid Day

Gefahr aus dem All

Der 30. Juni ist der internationale Asteroid Day. Das Ziel: Das Bewusstsein für die reale Bedrohung eines Asteroiden-Einschlags weltweit zu schärfen. Unterstützung gibt es aus Bremen.
29.06.2018, 18:51
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Gefahr aus dem All
Von Peter Hanuschke

Regelmäßig gibt es Asteroiden-Einschläge auf der Erde – sie sind von der Größe aber so klein, dass sie keine großen Schäden anrichten. Dass es irgendwann aber mal wieder zu einem Einschlag kommt, der eine ganze Region und mehr vernichten kann, daran gibt es keinen Zweifel. Um das Bewusstsein für diese reale Bedrohung weltweit zu schärfen, hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen 2016 den 30. Juni zum internationalen Asteroid Day erklärt. Unterstützt wird dieser Tag auch vom Bremer Raumfahrttechnologiekonzern OHB.

Dass es technisch durchaus möglich wäre, einen solchen Einschlag zu verhindern, darüber ist sich die Wissenschaft einig. Nur müsste mit der Entwicklung zeitnah angefangen werden, um rechtzeitig genug Abwehrmaßnahmen einleiten zu können. Ansonsten kommt es zum Einschlag – so wie vor 110 Jahren: Am 30. Juni 1908 schlug ein Asteroid in Tunguska in Russland ein und verwüstete eine Fläche von 2000 Quadratkilometern.

Near Earth Objects in großer Zahl

Ums Leben kam bei diesem bisher größten Asteroideneinschlag in der jüngeren Geschichte der Menschheit niemand, weil die Region unbewohnt ist. Am 15. Februar 2013 ging es hingegen nicht so glimpflich aus: Ein Asteroid mit einem Durchmesser von 15 bis 20 Metern trat in die Erdatmosphäre ein, brach 30 bis 50 Kilometer über der Erde auseinander und verursachte eine enorme Druckwelle, die 7000 Gebäude in Tscheljabinsk im Ural beschädigte.

Etwa 1500 Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Zwischen fünf und 500 Meter große Asteroiden – sogenannte Near Earth Objects – gibt es in großer Zahl im All. Problem: Nur sehr wenige davon sind bekannt. Deshalb entwickelt die Europäische Weltraumorganisation Esa ein Frühwarnsystem – vor allem für diese zahlreichen kleineren Asteroiden.

Sie würden zwar die Zivilisation auf der Erde nicht auslöschen, wie etwa der Asteroid, der vor 65 Millionen Jahren die Dinosaurier ausgerottet hat, doch ein Objekt, das um die 100 Meter groß ist, würde bei einem direkten Treffer eine Stadt wie Hamburg oder München vernichten.

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Deshalb bemüht sich die Esa gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa geeignete Maßnahmen zur Abwehr dieser Objekte zu entwickeln und zu testen. Ein erster Schritt dazu war das Vorhaben Asteroid Impact & Deflection Assessment (Aida), das Esa und Nasa 2011 zur Verteidigung des Planeten beschlossen haben. Der europäische Part der geplanten Mission nannte sich AIM (Asteroid Impact Mission).

2015 wurde die OHB System AG von der ESA mit einer Machbarkeitsstudie zu AIM beauftragt. Zu mehr kam es nicht: 2016 vertagte die Esa die Entscheidung. Ursprünglich war geplant, 2020 eine Sonde mit einer Sojus-Rakete auf die Reise zum Zwillingsasteroiden Didymos zu schicken. Der Größere der beiden Asteroiden ist ein Koloss mit 800 Metern Durchmesser.

Sein kleinerer Begleiter durchmisst lediglich 170 Meter, wird inoffiziell Didymoon genannt und ist das eigentliche Ziel der Mission. „Diesen Zeitplan können wir nun leider nicht mehr einhalten“, sagt Marc Scheper, bei OHB Abteilungsleiter für die Studienbereiche Raumtransport, Robotik und Exploration. „Der Plan der Mission steht aber weiterhin: Eine Sonde soll zum Asteroiden fliegen, ihn beobachten und vermessen sowie die Oberfläche analysieren.“

Europäer müssen ihre Pläne ändern

Da die Amerikaner jedoch ihren Teil der Mission wie geplant umsetzen werden und 2020 zu Didymos starten, müssen die Europäer ihre Pläne ändern. Die neue Mission heißt Hera und soll Informationen über die Zusammensetzung des Asteroiden gewinnen. „Hera soll den Einschlagkrater untersuchen, den die Amerikaner mit ihrer Dart-Mission durch Beschuss 2022 hinterlassen haben werden.“

Die Europäer wollen mithilfe von Hera überwachen, ob es gelingt, Didymoon aus seiner Bahn zu werfen. Wenn das funktioniere, sei ein geeignetes Verfahren gefunden, um Asteroiden abzulenken. OHB rechnet sich aufgrund der der AIM-Erfahrungen gute Chancen aus, auch den Auftrag für Hera-Machbarkeitsstudie zu bekommen. "Die Bedrohung ist real und deshalb müssen wir jetzt damit anfangen, die Technologien für deren Abwehr zu entwickeln", sagt OHB-Chef Marco Fuchs.

Unabhängig von einem geeigneten Abwehrsystem baut OHB Italia im Auftrag der Esa ein sogenanntes „Fly-Eye“-Teleskop. Damit könne schon bald von Sizilien aus nach Near Earth Objects Ausschau gehalten werden. Dieses Teleskop soll der Anfang eines weitreichenden Netzwerks sein, um künftig sehr viel frühzeitiger von Asteroiden mit Kollisionskurs Erde erfahren zu können.

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