Zum Schutz der Erde OHB erforscht Asteroidenabwehr

Ein Asteroideneinschlag ist eine ständige Bedrohung für das Leben auf der Erde. Wie man eine solche Gefahr aber abwenden kann, das wird unter anderem auch bei OHB in Bremen untersucht.
30.06.2017, 20:48
Lesedauer: 3 Min
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OHB erforscht Asteroidenabwehr
Von Stefan Lakeband

Im Jahr 2027 wird es eng. Am 27. August wird „1999 AN10“ der Menschheit ganz nah kommen. So nah, dass man ihn mit einem Fernglas von der Erde aus sehen soll. In gerade mal 380.000 Kilometern Entfernung, so die Schätzungen, wird der Asteroid an der Erde vorbeifliegen – genauso weit ist es auch bis zum Mond. Eine eher geringe Distanz aus astronomischer Sicht. Auch wenn keine Gefahr für die Menschheit bestehen soll, so ist „1999 AN10“ eine Erinnerung daran, dass die Begegnung mit einem Asteroiden nicht immer so glimpflich ausgehen muss.

Deshalb stellen sich Experten immer wieder die Frage: Was passiert, wenn so ein Flugkörper auf die Erde zusteuert? Ein Einschlag hätte verheerende Folgen und würde große Schäden verursachen. Deshalb arbeiten Fachleute daran, Systeme zu entwickeln, um mögliche Einschläge zu verhindern – einige von ihnen auch in Bremen. So ist OHB unter anderem Sponsor des Asteroid Day, der am Freitag weltweit veranstaltet wurde. Er soll die Öffentlichkeit auf Asteroiden und deren Rolle im Sonnensystem aufmerksam machen. Auch im Hinblick darauf, mögliche Einschläge frühzeitig zu erkennen und abzuwenden.

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„Das ist eine potenzielle Gefahr für die Erde“, sagt Fritz Merkle, Vorstand bei OHB. Schon Asteroiden mit einem Durchmesser von 20 bis 30 Metern könnten in der Einschlagsregion große Schäden verursachen; bei Objekten mit 100 Metern Durchmesser seien die Folgen weltweit spürbar. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit eines Einschlags relativ gering. Ein Asteroid mit etwa 60 Metern Durchmesser trifft im Schnitt etwa alle 1500 Jahre auf die Erde, ein circa 400 Meter breiter alle 100.000 Jahre.

Gefahr muss frühzeitig erkannt werden

Momentan führe OHB nur kleinere Studien durch, sagt Merkle. Vergangenes Jahr waren die Pläne noch um einiges größer: OHB war Teil der europäischen Asteroid Impact Mission (AIM), die wiederum Bestandteil eines gemeinsamen Projekts mit der US-amerikanischen Weltraumagentur Nasa war. Bei dieser Mission ging es darum, eine Sonde zum Asteroiden Didymos zu schicken, die aufzeichnen sollte, wie der Himmelskörper auf einen Zusammenstoß mit einem Raumfahrzeug mit hoher Geschwindigkeit reagiert.

Die gesammelten Daten sollten anschließend helfen, Verteidigungsstrategien für den Fall zu entwickeln, dass ein Asteroid auf Kollisionskurs mit der Erde ist. 2020 hätte die Sonde starten sollen, doch daraus wird nichts: Auf der Ministerratskonferenz der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa wurde dem Projekt die Finanzierung verweigert.

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Dass die Idee hinter dem Projekt richtig ist, glaubt Merkle weiterhin: Wenn ein Asteroid mit einer Sonde zusammenstößt, könnte das dessen Flugbahn beeinflussen. Vielleicht verschiebt sie sich nur um einige Meter, im Laufe der Zeit summiert sich diese Kurskorrektur jedoch. Im besten Fall so sehr, dass der Asteroid an der Erde vorbeifliegt. „Dafür muss man aber eine mögliche Gefahr frühzeitig erkennen“, sagt Merkle.

Verhinderung eines Asteroiden-Einschlags

Zudem müsse man die Oberfläche und innere Struktur des Asteroiden kennen. Besteht er aus festem Gestein, kann ein Einschlag große Auswirkungen haben. Setzt er sich hingegen hauptsächlich aus Eis und Geröll zusammen, könnte eine Raumsonde wenig oder auch gar keinen Effekt auf die Flugbahn haben.

Das ist aber längst nicht die einzige Methode, um einen Asteroiden-Einschlag zu verhindern: Anstatt eine Sonde auf den Asteroiden stürzen zu lassen, könnte sie auch einfach nur um ihn herumkreisen. Weil sich diese zwei Körper gegenseitig anziehen, könnte auch so die Flugbahn minimal geändert werden.

Einen Asteroiden mit einer Atombombe zu sprengen, so wie im Hollywood-Film Armageddon, davon halten Merkle und andere Experten wenig. „Anstatt eines gefährlichen Objekts hätte man dann viele kleinere“, sagt der OHB-Vorstand. Denkbar wäre es aber, eine solche Bombe in der Nähe des Asteroiden zu zünden, damit die Druckwelle der Explosion ihn aus der eigentlichen Flugbahn schiebt. Ein anderer Ansatz wäre, den Flugkörper mit einem Hochleistungslaser so aufzuheizen, dass die verdunstenden Gase wie eine Raketendüse wirken und ihn verschieben.

Doch egal für welche Methode man sich letztendlich entscheide, „es muss eine hoheitliche Aufgabe sein“, sagt Merkle. Die Finanzierung müsse daher von der Politik übernommen werden. „Am Ende kann es nur eine globale Aktivität werden, bei der viele Länder mitmachen.“ Er sei überzeugt, dass in den kommenden Jahren etwas in dieser Richtung passiert.

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