Aktuelle Situation

Herbstumfrage im Bremer Handwerk: Auf dem Bau läuft es am besten

Das Bremer Handwerk ist mit der aktuellen Situation grundsätzlich zufrieden. Das hat die Herbstumfrage der Bremer Handwerkskammer ergeben. Welche Branchen dennoch etwas pessimistischer in die Zukunft schauen.
24.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Herbstumfrage im Bremer Handwerk: Auf dem Bau läuft es am besten
Von Florian Schwiegershausen
Herbstumfrage im Bremer Handwerk: Auf dem Bau läuft es am besten

Die Bremer Betriebe im Bau und dem Ausbau sind zufrieden mit der derzeitigen Situation. Im Durchschnitt muss ein Kunde elf Wochen warten, bis der Handwerker mit dem Auftrag loslegt.

Hauke-Christian Dittrich /dpa

Das Bremer Handwerk ist im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbereichen mit einem blauen Auge davongekommen. So fasst der Hauptgeschäftsführer der Bremer Handwerkskammer Andreas Meyer das Ergebnis der Herbstumfrage zusammen. Daran haben dieses Mal 127 Bremer Handwerksbetriebe teilgenommen. Mehr als drei Viertel von ihnen sind mit der Gesamtsituation zufrieden. So beurteilen 78 Prozent davon die Geschäftslage als gut oder befriedigend. 86 Prozent der Firmen rechnen für die kommenden Monate mit einer mindestens befriedigenden Entwicklung.

Am besten schätzen die Firmen aus den Baugewerken ihre Situation ein. 84 Prozent von ihnen bewerteten die Geschäftslage als gut und befriedigend. Zwar hatte Meyer ein wenig mit diesem Ergebnis gerechnet, er sagt allerdings: "Überrascht war ich von der Situation bei den Gesundheitshandwerken und der dort eher negativen Einschätzung.“ Hier handelt es sich um Augenoptiker, Zahntechniker, Hörgeräteakustiker, Orthopädietechniker sowie Orthopädieschuhmacher. 75 Prozent von ihnen bewerteten die Geschäftslage als schlecht.

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Die Hälfte rechnet außerdem damit, dass die Aufträge auf diesem Niveau bleiben werden. Meyer erklärt das so: „Das ist eine ähnliche Situation wie beim Einzelhandel, die einfach der momentanen Zeit geschuldet ist. Also gehen die Menschen zum Arzt oder zu einem Optiker, weil sie nicht genau wissen, wie das dort zum Beispiel mit den Abständen ist?“ Das Kfz-Handwerk schätzt die Situation weiterhin verhalten ein. Die Zukunftsaussichten lassen keinen Optimismus erkennen.

Bei Bäckern, Konditoren und Fleischern ist derzeit das Glas sowohl halb leer als auch halb voll. Die Hälfte der Bremer Betriebe bezeichnete die Geschäftslage als schlecht. Dass es im Nahrungsmittelhandwerk weniger gut als auf dem Bau aussieht, erklärt Meyer so: „Da geht es um Bäckereien, Konditoreien und Fleischereien mit Gastronomieanteil – also mit Café oder einem Cateringservice dabei. Das ist natürlich stark beeinträchtigt.“ Wenn es allein um den Verkauf gehe, sehe man da an Sonnabenden lange Schlangen während in Cafés oder im Catering-Bereich das Geschäft ausbleibe. „Das ist die Wechselwirkung.“ Hier konnte die Handwerkskammer auch einen Einbruch bei den Ausbildungsplätzen feststellen.

Handwerk spürt Einbrüche mit zeitlichem Versatz

Was die Baugewerke angeht, bestehe da ein wenig die Sorge, wie sich die kommenden zwölf Monate weiter entwickeln werden. Denn der Kammergeschäftsführer geht davon aus, dass die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nicht am Handwerk vorbeigehen wird. Das Handwerk spürt Einbrüche erst immer mit einem zeitlichen Versatz. „Wir glauben aber, dass es mittelfristig nicht so schlimm ausfallen wird wie in anderen Branchen“, ergänzte Meyer. „Wir wollen nicht immer stöhnen, wie andere das tun, wenn es um staatliche Unterstützung geht.“ Handwerk habe sich schon immer dadurch ausgezahlt, dass es relativ krisenfest sei, weil es kleinteilig sei und eine hohe Bindung der Inhaber zu den Mitarbeitern bestehe.

Besonders positiv sieht Meyer, dass die Betriebe auch in Krisenzeiten an ihren Mitarbeitern festhalten: „Im Handwerk redet man nicht über Entlassungswellen, sondern wir werden da durchkommen, und es wird weitergehen.“ Dies solle auch ein Signal an junge Menschen sein, sich stärker für das Handwerk zu interessieren. Dort habe man langfristig einen Arbeitsplatz, um den man sich nicht sorgen müsse – zusammen mit einem guten Auskommen. So gehen 91 Prozent der Betriebe von einem gleichbleibenden oder wachsenden Personalbestand aus.

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Aufträge gibt es anscheinend genug: Die sogenannte Auftragsreichweite liegt im Durchschnitt bei elf Wochen. So lang wartet also ein Kunde, bis der Handwerksbetrieb mit dem Auftrag loslegt. Es handelt sich aber um den Durchschnitt quer durch alle Gewerke. Auf den Maurer oder Dachdecker warten die Kunden vielleicht trotzdem ein halbes Jahr. Der Wert hat sich im Vergleich zur Frühjahrsumfrage nochmals leicht erhöht.

Nur teilweise Realität geworden

Dass die seit Juli gesenkte Mehrwertsteuer mehr Aufträge bedeute, kann der Präses der Bremer Handwerkskammer, Thomas Kurzke, so nicht feststellen: „Ich habe durchaus einige Privatkunden, die deshalb den Auftrag noch in diesem Jahr fertig haben wollen.“ Jedoch: „Was man sich davon als Effekt erhofft hat, ist nur teilweise Realität geworden.“ Kurzke sieht auch, wie im Kfz-Bereich die Zahlen im Juli hochschnellten und im August einbrachen. Er zweifelt am Instrument – auch weil im neuen Jahr damit schon wieder Schluss ist: „Es hat uns Betriebe ja auch viel Geld gekostet. Am Ende werden das die Experten auswerten, was es gebracht hat.“ Allerdings mache das gerade bei größeren Bauprojekten schon einen Unterschied, ob man 16 oder 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen müsse: „Da geht es dann auch um größere Summen.“

Was Kurzke erfreulich feststellt: „In Bremen gibt es derzeit bei der öffentlichen Hand immer noch eine rege Ausschreibungstätigkeit. Damit tut man der hiesigen Wirtschaft einen großen Gefallen, wenn die Stadt die Projekte auch weiterverfolgt, die man sich vorgenommen hat.“ Langfristig rechnet Kurzke aber mit Auswirkungen durch den diesjährigen Homeoffice-Trend: „Ich rechne damit, dass Firmen dann in fünf Jahren weniger Büroflächen benötigen. Und weniger Büros bedeutet für das Handwerk weniger Aufträge, weil dadurch auch weniger zu renovieren ist.“

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