Made in Bremen

Herr Schmoll geht fischen

Die Werbeagentur mit Fotostudio Studio B gibt Kunden genau das Image, das sie sich für ihre Produkte wünschen. Das Unternehmen kann sich mit seinen 22 Mitarbeitern gut auf dem Markt behaupten.
24.02.2018, 21:07
Lesedauer: 4 Min
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Herr Schmoll geht fischen
Von Jürgen Hinrichs
Herr Schmoll geht fischen

Ursula Niemann und Detmar Schmoll gründeten 1990 das Studio B. Damals wurde noch analog fotografiert.

Christina Kuhaupt

„Frau Niemann“, sagt Herr Schmoll, wenn er über Frau Niemann spricht. Umgekehrt genauso. „Herr Schmoll“, sagt Frau Niemann, wenn sie über Herrn Schmoll spricht. Ungewöhnlich, denn Frau Niemann und Herr Schmoll sind Partner nicht nur im Geschäft, sondern auch im Leben. Vielleicht muss so viel Formalität aber sein, wenn man täglich mit Kunden zu tun hat.

Da kann man vielleicht noch „mein Mann“ sagen oder „meine Frau“, aber eher nicht Detmar oder Ursula, wie sie mit Vornamen heißen. Die beiden kennen sich seit fast 40 Jahren und haben 1990 ein gemeinsames Unternehmen gegründet: Studio B, die Werbeagentur mit Fotostudio.

Das Firmengebäude an der Otto-Brenner-Allee in Bremen-Osterholz ist eine Kiste, die mit Metall verkleidet wurde. Sie sticht heraus an dieser Stelle, das Silber leuchtet. Die Kiste steckt voller Technik, teurer Technik, alles bereit für Werbung aus einem Guss, die mit einem Foto beginnen kann, mit der Idee dahinter und am Ende ein ganzer Katalog ist, ein Flyer, eine Broschüre oder die voll entwickelte Homepage im Internet.

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Der Kunde kommt und wünscht sich ein Image, eine bestimmte Sprache und Anmutung seiner Produkte. Sie unterhalten sich darüber, versuchen, gemeinsam den Kern zu identifizieren. Ist das gelungen, kann es losgehen. Licht aus, Spot an, sozusagen. Die Arbeit im Studio beginnt. Detmar Schmoll ist der Fotograf. Er inszeniert und macht die Aufnahmen. Mal sind das Menschen vor seiner Linse, Models zum Beispiel, die Mode zur Schau tragen.

Mal hat er es aber auch nur mit Schrauben zu tun, technischen Geräten, Flaschen, Gläsern oder Tassen. Katalogware oft, die präzise ins Licht gesetzt werden muss. „Das ist sehr clean und reduziert“, erklärt Schmoll, „im Katalog wollen die Kunden vergleichen; Ausrichtung, Licht und Hintergrund müssen deshalb exakt gleich sein.“ Kreativ war, die Bildsprache festzulegen, der Rest ist Handwerk und kann öde sein. Schmoll sagt es so: „Produktfotografie ist Redundanz."

Zwei Menschen aus der Region

Der 61-Jährige stammt aus Dangast am Jadebusen. Seine Frau ist im südlichen Oldenburg aufgewachsen. Zwei Menschen aus der Region, und so liest sich auch die Liste ihrer Kunden – von Abeking & Rasmussen bis Vitakraft, von Bäckermeister Thräm, Ikea in Stuhr bis zum Friesischen Brauhaus zu Jever. Im Studio liegt ein Prospekt der Biermarke.

Die Winter-Kollektion, Ware aus dem Shop, die am Strand von St. Peter-Ording in Szene gesetzt wurde. „Wie das Land, so das Jever“, ein Slogan, der mit Bildern unterlegt wird. Die Botschaft: Frische, Natürlichkeit, Heimat. Das musste Studio B nicht erfinden, das war schon da und braucht lediglich Modifikationen, damit es bei der Marke keine Abnutzungserscheinungen gibt.

Auch Ursula Niemann ist ausgebildete Fotografin, so haben die beiden sich überhaupt erst kennengelernt, beim Unterricht in der Berufsschule Bremen. Sie gingen mit Jobs und Studium jeweils ihren eigenen Weg, bis die Idee geboren war, den Kunden ein ganzes Paket zu bieten, geschnürt aus allem, was ein Image braucht: die Idee, ihre Veredelung und den Transport, die Kommunikation. Das Bild ist da nur ein Baustein, wenngleich ein wichtiger.

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Als sie anfingen, wurde analog fotografiert. Es gab ein Labor und Vergrößerungsgeräte. Alles weg mittlerweile, fast alles. In einer Ecke im Halbdunkel des Studios steht noch ein alter Homrich, der Mercedes unter den Vergrößerern. „Das Focke-Museum wollte ihn wegwerfen, da bin ich mit einem Hänger vorbei und habe ihn abgeholt“, erzählt Schmoll.

Er hat auch noch einen Schrank voller Hasselblads. Kameras aus der analogen Zeit, die so wertvoll wie eine Rolex sind. Gefühlt, sagen die beiden Geschäftsführer, kam es über Nacht: der Wechsel zum Digitalen. „1997 haben wir die erste Internetseite gestaltet“, sagt Ursula Niemann, „wir sind sehr technik-affin und wollen immer weiter lernen.“

Innerhalb von nur zwei Jahren seien sämtliche Fotolabore vom Markt gewesen. Eine Revolution, die keine Wahl ließ: mitgehen und investieren oder untergehen. „Eine Zeitlang gab es nur eine Scheibe Salami aufs Brot“, schildert Schmoll den Übergang. Statt des Labors war es nun die Post-Production, Bildbearbeitung am Computer. Jeder Arbeitsplatz musste entsprechend ausgerüstet werden. „20-mal 6000 Euro“, rechnet Niemann vor.

Auf dem Hof steht ein Boot

Das finanzielle Risiko wurde belohnt. Heute kann sich Studio B mit seinen 22 Mitarbeitern gut auf dem Markt behaupten. „Wir sind zufrieden“, sagen Niemann und Schmoll. In den Jahren 2004 und 2005 haben sie zwei externe Fotostudios übernommen, eines im Bremer Steintor, das andere in Jever. So kommt auch neben dem Stammgeschäft etwas rein. Schmoll lässt sich außerdem gern für Spezialjobs engagieren.

Er fotografiert aus dem Flugzeug heraus, manchmal ist es ein Helikopter. Das kann sehr spektakulär sein. Die Luxusjacht von oben oder von der Seite, wie sie durchs Meer gleitet. Inseln, Verkehrskreuze, Industrieanlagen, Offshore-Windmühlen – Studio B fängt das ein. Auf dem Hof vor dem Firmengebäude steht ein Boot. Es ist mit Planen bedeckt. Dekoration? Ein nächster Auftrag? Nein, ganz anders. Das Boot ist ein alter Kutter aus Holz.

Detmar Schmoll zeigt ihn her, Besitzerstolz. Als junger Mann hat er in Bremen Meeresbiologie studiert und ist mit dem Forschungsschiff unterwegs gewesen. Einer aus Dangast mit Hang zur See. Den Kutter fährt er, wenn Saison ist. Nicht einfach so und aus Spaß. Schmoll hat eine Lizenz, er darf fischen. Sonst wirft er für seinen Kunden die Netze aus, hier tut er es für sich selbst.

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