Columbusbahnhofs in Bremerhaven

Senat stellt 1,27 Millionen Euro für Kreuzfahrtterminal bereit

Der Hafenausschuss macht den nächsten Schritt zur Neugestaltung des Columbusbahnhofs am Kreuzfahrterminal in Bremerhaven: Dafür stellt er Planungsmittel über 1,27 Millionen Euro zur Verfügung.
11.02.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Senat stellt 1,27 Millionen Euro für Kreuzfahrtterminal bereit
Von Peter Hanuschke
Senat stellt 1,27 Millionen Euro für Kreuzfahrtterminal bereit

Das Columbus Cruise Center Bremerhaven hatte bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie seit 2015 Jahr für Jahr ein steigendes Passagieraufkommen.

Picasa

Die Kreuzfahrtbranche ist durch die Corona-Pandemie zum Stillstand gekommen. Kreuzfahrturlaube gehörten davor zu der Reiseform, die von Jahr zu Jahr eine steigende Beliebtheit erfahren hatte. Von diesem Boom hat auch Bremerhaven zunehmend profitiert. Wann sich die Branche von der Corona-Krise erholen wird, ist derzeit nur schwer absehbar. Dass sie sich aber erholen wird, davon geht nicht nur die Branche selbst aus, sondern auch der Hafenausschuss: Er hat am Mittwoch die Weichen für den nächsten Planungsschritt zur Stärkung des Kreuzfahrtstandortes in der Seestadt gestellt.

Lesen Sie auch

Es geht um die weitere Planung zum Rück- und Neubau des sogenannten Columbusbahnhofs. Dessen künftige Gestaltung kommt für die Weiterentwicklung des Kreuzfahrtterminals in den bisherigen Szenarien aus der Vor-Corona-Zeit eine zentrale Bedeutung zu. Zur Konkretisierung der Planungen hat der Hafenausschuss Mittel in Höhe von 1,27 Millionen Euro bewilligt, die Entscheidung fiel einstimmig am Donnerstag. Da es sich um eine virtuelle Sitzung handelte und der Beschluss im sogenannten Umlaufverfahren herbeigeführt wird, lag das Abstimmungsergebnis allerdings erst ein paar Tage später.

Erste Studie aus 2014

Die erste Projektstudie zum Columbusbahnhof stammt aus 2014. Darin geht es unter anderem um einen Neubau anstelle des jetzigen Mittelbaus. Die Studie sah vor, den Haupteingang des Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB) vom Nordkopf zurück an die ursprüngliche Position zum Mittelbau zu verlegen. Ergänzend wurde in der Studie vorgeschlagen, den Neubau zu nutzen, um Stellplätze für den ruhenden Verkehr zu schaffen. Insgesamt soll der Neubau auch für ein neues maritimes Dienstleistungsgebäude im Bereich der Columbus-Insel genutzt werden.

So soll das Gebäude unter anderem dem Hansestadt Bremischen Hafenamt unter der Leitung des Hafenkapitäns als Sitz dienen. Derzeit ist es provisorisch in einem Nebengebäude des Komplexes untergebracht, das ebenfalls zum Abriss vorgesehen ist. Außerdem soll auch für die private Wirtschaft die Möglichkeit geschaffen werden, sich dort anzusiedeln. Gerade auch Firmen, die ihren Standort im Altgebäude hatten und dort wegen der Mängel ausgezogen sind, sollen ihr Interesse an einer Rückkehr geäußert haben.

Lesen Sie auch

Der Columbusbahnhof wurde zu Beginn der 60er-Jahre geplant, er wurde aber nicht so realisiert wie vorgesehen: Statt eines zusammenhängenden Ensembles aus verschiedenen Gebäudeteilen entstanden nur der Nordflügel, der Mittelbau und ein Bürogebäude. Denn man wollte fertig werden, um so schneller auf die zunehmende Konkurrenz zu reagieren, die dem Schiffspassagierverkehr durch den transatlantischen Flugverkehr entstand. Auf den südlichen Teil des Gebäudes wurde verzichtet. Um beim aufkommenden Kreuzfahrttourismus als Destination eine Rolle zu spielen, wurde 2003 der Nordflügel zum Kreuzfahrtterminal umgebaut und seitdem von der mehrheitlich privaten Gesellschaft Columbus Cruise Center Bremerhaven betrieben. Finanziert wurde diese Modernisierung über 21 Millionen Euro vom Land Bremen und mit EU-Mitteln.

Hinten runterfiel dabei der Mittelbau, für den damals keine Nutzung gefunden werden konnte. Der Zustand des Gebäudes wird in den Planunterlagen als mangelhaft bezeichnet. Der Gebäudeteil könne auch aus sicherheitsrelevanten Gründen nicht mehr genutzt werden, hatte die stadtbremische Hafengesellschaft Bremenports, die für die Planung und Umsetzung des Gesamtumbaus verantwortlich ist, in einer früheren Bewertung festgestellt. Seit dem Auszug des Hansestadt Bremischen Hafenamtes in das benachbarte Bürogebäude Ende 2019 steht das Gebäude komplett leer und verursache erhebliche Unterhaltungskosten.

Abriss und Neubau

Für den Abriss des alten Gebäudeteils am Columbusbahnhof und den Neubau eines mehrstöckigen neuen Gebäudes an derselben Stelle liegen bislang grob geschätzte Kosten über 30 Millionen Euro vor. Welche Bedeutung das Kreuzfahrtgeschäft für Bremerhaven hat, das hatte Bremenports in einer Studie des Bremer Instituts für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) ermitteln lassen – das war allerdings vor Ausbruch der Corona-Pandemie, als das Passagierauf­kommen in Bremerhaven seit 2015 Jahr für Jahr zunahm. So lag das Aufkommen am CCCB 2015 bei 66.000, 2019 dann bei etwa 247.000 Passagieren.

Laut der Studie generierte der Terminalbetrieb beispielsweise 2018 einen Umsatz von 14,7 Millionen Euro bei einem Wertschöpfungsanteil von 9,3 Millionen Euro. Die Effekte der Kreuzfahrtbranche für Bremerhaven lagen demnach bei 40 bis 50 Millionen Euro. Die ISL-Studie sah außerdem langfristig ein weiteres Wachstum des Kreuzfahrtmarktes voraus.

Dass die Kreuzfahrtbranche wieder an die Entwicklung vor der Krise anknüpfen wird, davon geht Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD) aus, die in der Sitzung betonte, wie wichtig Kreuzfahrt für Bremerhaven sei. Es müsse dafür gesorgt werden, den Standort weiterhin attraktiv zu gestalten.

+++ Dieser Artikel wurde am 18. Februar aktualisiert, als der Beschluss des Hafensausschusses vorlag +++

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+