Landstromanlagen an Bremer Liegeplätzen

Mehr Landstrom für Binnenschiffe

In Bremen sind 21 von insgesamt 23 Liegeplätzen für Binnenschiffe mit Landstromanlagen ausgerüstet. Lob kommt dafür vom Bundesverband der Binnenschifffahrt, der aber der Bundesregierung Versäumnisse vorwirft.
12.02.2021, 05:00
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Mehr Landstrom für Binnenschiffe
Von Peter Hanuschke
Mehr Landstrom für Binnenschiffe

Senatorin Claudia Schilling und Hafenkapitän Uwe Kraft vor Stromanlage.

Christina Kuhaupt

In der Regel erzeugen Binnenschiffe wie auch Hochseeschiffe den Strom am Liegeplatz mit ihren schiffseigenen Hilfsdiesel beziehungsweise Generatoren selbst. Um diese Umweltbelastung zu vermeiden, sind Binnenschiffe seit Januar dazu verpflichtet, Landstrom zu nutzen. Problem dabei: In den Häfen entlang der deutschen Wasserstraßen finden sich nur selten Landstromanlagen. Eine Ausnahme bildet Bremen: Zwischenzeitlich sind 21 von insgesamt 23 Liegeplätzen für Binnenschiffe mit Landstromanlagen ausgerüstet. Die letzten zwei Liegeplätze im Hüttenhafen befinden sich in Vorbereitung und werden in einer letzten Ausbaustufe fertiggestellt.

„Mit dieser Quote liegt Bremen ganz weit vorne“, sagt Jens Schwanen, Geschäftsführer vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. „Ansonsten ist das Angebot recht überschaubar.“ Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) betreibt nach eigenen Angaben für die gewerbliche Schifffahrt bundesweit etwa 80 Liegestellen mit 280 Entnahmesäulen und insgesamt 650 Anschlüssen. Insgesamt gebe es entlang der Bundeswasserstraßen etwa 600 Liegeplätze allein nur in der Liegenschaft des WSV.

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Dass es viel weniger Landstrom-Anlagen als Liegeplätze gebe, sei nicht das einzige Problem, so Schwanen. Habe der Binnenschiffer die Wahl, werde er sich meistens für den Liegeplatz ohne verpflichtende Landstromanlage entscheiden – und das aus gutem Grund. Verantwortlich sei dafür der Gesetzgeber. Denn Landstrom sei wesentlich teurer als der von den Schiffen selbst erzeugte Strom. Während durch Dieselgeneratoren erzeugter Strom rund 16 Cent pro Kilowattstunde koste, schlage der Landstrom mit 25 bis 35 Cent pro Kilowattstunde zu Buche. Die Bundesregierung habe im vergangenen Jahr zwar entgegengesteuert und bei der Novellierung des Erneuerbaren-Energien Gesetzes (EEG) durch die Begrenzung der sogenannten EEG-Umlage auf 20 Prozent die Kosten für die Nutzung von Landstrom deutlich gesenkt, „doch seltsamerweise hatte das Bundeswirtschaftsministerium dabei aber allein die Seeschifffahrt im Blick“.

„Scheinbar hat Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier übersehen, dass es auch im Hinterland Häfen und innenstadtnahe Liegestellen gibt, wo mit Landstrom ein wesentlicher Beitrag zur Verringerung der Schadstoffemissionen geleistet werden könnte“, sagt Schwanen. Nicht nur die Anwohner in den Seehäfen, sondern auch die Bevölkerung in den Innenstädten hätten ein starkes Interesse daran, dass die Energieversorgung der Schiffe von Land aus erfolge. Die Binnenschifffahrt sei gerne bereit, an Stelle des Dieselgenerators den Strom von Land zu nutzen. Es müsse dafür der Gesetzentwurf nachgebessert werden.

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Schwanen habe aber keine Hoffnung, dass sich dahingehend zeitnah etwas ändere: Im Wahljahr werde die Bundesregierung das EEG nicht mehr anfassen. „Ich habe die Hoffnung, dass es für die Binnenschifffahrt auf anderem Wege einen Ausgleich gibt.“ Vielleicht habe der Bremer Weg Vorbildfunktion, so Schwanen. Pro Liegeplatz wird laut dem Häfenressort ein Tagessatz von 15 Euro abgerechnet, der bereits die Nutzung des Landstromanschlusses beinhaltet. Das sei ein gutes Angebot, sagt Sebastian Poser, Geschäftsführer der Bremer Dettmer Reederei, auf Nachfrage.

Mit der verpflichtenden Nutzung der Landstromanlagen habe man einen weiteren Schritt zum klimaneutralen Hafen gemacht, so Häfensenatorin Claudia Schilling (SPD). „Durch die tagesgenaue Berechnung haben wir zudem ein leistungsgerechtes und transparentes System für unsere Kundinnen und Kunden geschaffen.“ So stärken wir den bereits jetzt schon besonders umweltfreundlichen Verkehrsträger weiter.

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