Gewerbe in Bremen

Mehr Gewerbeflächen erschlossen als geplant

Bremen hat im vergangenen Jahr mehr als doppelt so viel Flächen zur gewerblichen Nutzung erschlossen wie geplant. Auch etliche neue Unternehmen sind 2017 in die Stadt gekommen.
19.03.2018, 19:05
Lesedauer: 3 Min
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Mehr Gewerbeflächen erschlossen als geplant
Von Stefan Lakeband
Mehr Gewerbeflächen erschlossen als geplant

Der Gewerbepark Hansalinie wurde im vergangenen Jahr um 30 Hektar erweitert. Dort haben sich viele Zulieferer für das Mercedes-Werk angesiedelt.

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Viel wurde in diesem Jahr schon über das Image von Bremen gestritten. Vor allem in der Außenwirkung komme Bremen schlecht weg, hieß es häufig. Dass die Hansestadt für Unternehmen aber auch interessant sein kann, zeigen Zahlen der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Im vergangenen Jahr haben sich 34 Unternehmen neu in Bremen angesiedelt. „Ich bin mit den Zahlen sehr zufrieden“, sagte Andreas Heyer, Geschäftsführer der WFB, dem WESER-KURIER. Besonders stark sei Bremen im China-Geschäft. Allein 13 Unternehmen aus diesem Land seien vergangenes Jahr nach Bremen gekommen.

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Auch national hat sich Bremen als attraktiver Standort präsentiert. 13 Unternehmen haben innerhalb Deutschlands ihren Sitz in die Hansestadt verlegt. Sie kommen etwa aus Hamburg, München, Pfaffenhofen und Neckarsulm, der Großteil sei aber aus dem niedersächsischen Umland. Darunter seien auch Firmen, die 80 bis 100 Mitarbeiter hätten und hofften, sich in Bremen besser entwickeln zu können. „Das sind gute, starke Mittelständler. Wenn sich solche Unternehmen für Bremen entscheiden, ist das immer ein Erfolg“, sagte Heyer.

Die meisten Umlandfirmen kommen laut WFB-Chef aus dem Dienstleistungsbereich, der IT und der Zulieferbranche. Der Grund, warum sie sich in Bremen niederlassen: Fachkräfte. „Manchen Unternehmen, die sich im niedersächsischen Umland entwickelt haben, fällt es nun schwer, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden.“ In Bremen als Großstadt gehe das hingegen leichter. Die Hansestadt punkte mit ihrer Branchenkompetenz und der Nähe zu Hochschulen.

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Der Austausch funktioniert aber auch in eine andere Richtung: „Wenn ein Unternehmen Bremen verlässt, ist es meist ein Flächenproblem.“ Denn viele Unternehmen bräuchten erschlossene Gewerbegrundstücke, wenn sie sich weiterentwickeln möchten. Die Zahl sei aber begrenzt.

Mehr Platz für Unternehmen

„Wir haben schon lange Zeit darauf aufmerksam gemacht, dass Gewerbeflächen in ausreichendem Maße zur Verfügung gestellt werden müsse“, sagte Heyer. Daher sei er froh, dass dieses Thema zuletzt viel diskutiert worden sei. Das zeigt sich auch an der Zahl der Gewerbeflächen. 2017 wurden demnach 59,4 Hektar neu erschlossen. Geplant waren eigentlich nur 24,5. Auch das wäre immer noch deutlich mehr gewesen als im Jahr zuvor. 2016 waren es gerade einmal 6,3 Hektar, die erschlossen wurden.

Zusätzlicher Platz für Unternehmen wurde nun in der Überseestadt, im Güterverkehrszentrum, vor allem aber in der Hansalinie geschaffen. Allein im Bremer Osten wurden 30 Hektar erschlossen – wovon etwa die Hälfte an Daimler und seine Zulieferer geht. Damit soll der Autokonzern den Platz nötigen bekommen, um den weltweit zweitgrößten Standort im Unternehmen noch weiter ausbauen zu können.

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Dadurch und von den Zulieferern des Daimler-Werks in Sebaldsbrück soll aber die gesamte Automobilbranche in Bremen profitieren und nicht nur der Konzern aus Stuttgart. „So kommen unterschiedliche Zulieferstrukturen in die Stadt, die neue Ideen und Kompetenzen mitbringen“, sagte Heyer. „Das ist in sich ein kleiner Strukturwandel.“

Der Geschäftsführer der WFB begrüßt zudem die Idee, dass Bremen und Umlandgemeinden bei Gewerbeflächen zusammenarbeiten, etwa beim Gewerbegebiet Achim-West. Das 100-Millionen-Euro-Projekt sieht vor, dass beide Städte gemeinsam die Infrastruktur ausbauen und Gewerbeflächen erschließen, die auf niedersächsischem Grund sind. „Wir sind ein Wirtschaftsraum, den sollten wir auch gemeinsam bearbeiten.

WFB organisiert sich neu

Am Ende des Tages ist die Fläche in Bremen endlich.“ So waren die Gewerbeflächen unter anderem für Coca-Cola ein Grund, die Produktion in Hemelingen zu schließen und im benachbarten Achim ein Logistikzentrum zu eröffnen. Auch das Bremer Mercedes-Werk hat vor etwa einem Jahr eine Logistikhalle in Achim angemietet. „Die Halle ist in der benötigten Größe kurzfristig verfügbar gewesen“, begründete eine Konzernsprecherin damals die Entscheidung.

Gerade in der Logistikbranche würden häufig kurzfristig Flächen gesucht, sagte Heyer. Das sei in Bremen nicht immer so schnell zu realisieren. Dass es in den Städten im Umland aber schneller gehe, glaubt er nicht. Hier seien lange Zeit Flächen erschlossen worden, die keiner so richtig hätte haben wollen. „Wenn jetzt jemand eine Hallenkapazität für 5000 Quadratmeter haben möchte, dann können wir ihm in Bremen kein Angebot macht.“ Anderswo herrsche hingegen Leerstand, so der WFB-Chef. „Dieser Leerstand ist aber auch eine Qualitätsaussage: Bisher wollte keiner dahin.“

2017 war für die WFB zudem ein spannendes Jahr, weil sie sich neu organisiert hat. Die Innovationsabteilung ist von den Wirtschaftsförderern zum Wirtschaftssenator gewechselt, der Geschäftsbereich Messe und ÖVB-Arena liegt nun beim Großmarkt. „In 2018 werden wir die Rahmenbedingungen schaffen“, sagte Heyer, „um die traditionelle Wirtschaftsförderung an die aktuellen Herausforderungen und Bedingungen anzupassen.“

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