Integration in vielen Bereichen gelungen

Studie: Geflüchtete auf gutem Weg in den Arbeitsmarkt

Vor fünf Jahren erreichte die sogenannte Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt. Nun zeigt sich: Die Integration von Geflüchteten ist in vielen Bereichen gelungen – vor allem auf dem Arbeitsmarkt.
20.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Studie: Geflüchtete auf gutem Weg in den Arbeitsmarkt
Von Stefan Lakeband
Studie: Geflüchtete auf gutem Weg in den Arbeitsmarkt

Die Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft ist in vielen Teilen gelungen – so lautet die Botschaft einer Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Viele Asylsuchende hätten demnach eine Stelle. Allerdings warnen die Forscher auch davor, dass die Integration nicht bei jeder Personengruppe gleich gut vorankomme.

Andreas Arnold /dpa

Es war vor fünf Jahren, als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihrem Satz „Wir schaffen das“ Deutschland auf die Integration von Geflüchteten vorbereitet hat. Für ihre Worte gab es Lob und Kritik. Und sie täuschten nicht darüber hinweg, dass es nicht einfach sein wird, Asylsuchende in die Gesellschaft zu integrieren.

Nun hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) eine Zwischenbilanz gezogen – das Ergebnis fällt positiv aus. „Die Studien zeigen, dass in vielen Bereichen die Integration von Geflüchteten bereits gelungen ist“, sagte Katharina Spieß, Ökonomin und Leiterin der Abteilung Bildung und Familie beim DIW am Mittwoch. Allerdings seien auch in den nächsten Jahren weiter Anstrengungen nötig. Das DIW hat sich in insgesamt vier Studien mit der Thematik beschäftigt. Dafür wurden 8000 Geflüchtete befragt, die zwischen 2013 und 2016 nach Deutschland gekommen waren.

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Eine der Untersuchungen zeigt, wie gut es ihnen gelungen ist, Arbeit zu finden. Das Ergebnis: 43 Prozent der von 2016 bis 2018 befragten Geflüchteten sind mittlerweile erwerbstätig. Dies sei durchaus ein Erfolg, sagte Studienautorin Felicitas Schikora. Denn dabei müsse berücksichtigt werden, dass diese Menschen erst drei bis fünf Jahre in Deutschland seien. Hinzu komme, dass die Anerkennung von ausländischen Abschlüssen mitunter lange dauert.

Was laut Schikora aber auffällt: Es gibt Personengruppe, bei denen die Integration in den Arbeitsmarkt schlechter gelingt als bei anderen. Vor allem bei Frauen, Eltern junger Kinder und Menschen mit geringer psychischer Gesundheit gebe es noch Defizite. „Ein Grund hierfür könnte sein, dass Frauen häufiger im Familienverbund fliehen und gleichzeitig in den Herkunftsländern eher traditionelle Rollenverteilungen vorherrschen“, heißt es dazu in der Studie. Die Forscherinnen forderten daher, gezielt diese Personengruppen bei der Integration zu unterstützen und beispielsweise die ganztägige Kinderbetreuung auszubauen – damit auch mehr Frauen am Arbeitsmarkt teilnehmen könnten.

Hilfe beim Einstieg in die Arbeitswelt

Die ungleiche Chancenverteilung nimmt auch Michael Zeimet, Geschäftsführer für den Bereich Aus- und Weiterbildung bei der Bremer Handelskammer, wahr. Über die Willkommenslotsen habe die Kammer allein in diesem Jahr 17 Geflüchtete in Ausbildungen, Praktika und Einstiegsqualifizierungen vermittelt – darunter war jedoch nur eine Frau. Davon abgesehen sei die Integration von jungen Asylsuchenden in Bremen aber „auf einem guten Weg“. Es würden sich immer noch viele Geflüchtete bei der Kammer melden und nach Hilfe beim Einstieg in die Arbeitswelt fragen. Und was Zeimet besonders freut: Auch das Interesse Bremer Firmen ist nach wie vor groß. „Die Unternehmen sind sehr offen für Geflüchtete“, sagt Zeimet. Allein in diesem Jahr hätten die Willkommenslotsen 35 Anfragen von Betrieben erhalten.

Als größtes Hindernis nehmen die Firmen und Zeimet die Sprache wahr. „Als Azubi muss man verstehen, was im Betrieb passiert. Das fängt beim Warnschild in der Firma an und hört bei der mündlichen Abschlussprüfung auf“, sagt der Geschäftsführer für Ausbildung bei der Handelskammer. In diesem Jahr besonders problematisch ist die Corona-Krise. Sie hat dafür gesorgt, dass Sprachprüfungen, die im Frühjahr hätten stattfinden sollen, nach hinten verschoben wurden. Zudem hat die Pandemie das Hotel- und Gaststättengewerbe in Schieflage gebracht und dazu geführt, dass dort weniger Ausbildungsplätze angeboten werden.

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Hier hätten zuletzt aber viele Geflüchtete einen Arbeitsplatz gefunden. Insgesamt waren im Land Bremen im Juli rund 7900 Menschen mit Fluchthintergrund arbeitslos gemeldet. Das geht aus Zahlen der Arbeitsagentur hervor. Darunter sind Menschen aus den acht nicht-europäischen Herkunftsländern Afghanistan, Eritrea, Irak, Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia und Syrien. Vergangenes Frühjahr hatten rund 5300 Geflüchtete eine Stelle. Und auch zuletzt sind viele aus der Arbeitslosigkeit auf den Arbeitsmarkt gewechselt; von Jahresanfang bis Juli waren es mehr als 830. Die meisten haben eine Stelle in der Zeitarbeit gefunden, viele aber auch in der Logistik und der Lagerei und im Baugewerbe.

Bildung im Vergleich zur Herkunftsgesellschaft betrachten

Neben den Sprachkenntnissen spielt auch die Bildung eine wichtige Rolle, wenn es um die Integration in den Arbeitsmarkt geht. Sie werde häufig nach den Standards des Landes bewertet, in das ein Mensch geflüchtet ist, so das DIW. Schaut man sich die Asylsuchenden an, die im Untersuchungszeitraum nach Deutschland gekommen sind, haben Geflüchtete daher häufig einen niedrigen Abschluss. Ein anderes Bild ergibt sich aber, wenn die Bildung im Vergleich zur Herkunftsgesellschaft betrachtet wird. Hier wird deutlich, dass die meisten Geflüchteten zur gebildeteren Hälfte ihres Landes gehören.

So zählen etwa 75 Prozent der nach Deutschland geflüchteten Syrer – die größte Gruppe unten den Asylsuchenden – in ihrer Heimat zur höher gebildeten Bevölkerungshälfte. Das kann bei der Integration von Vorteil sein. Diese Menschen „sind oft gesünder und erfolgreicher auf dem Arbeitsmarkt. Zudem erhalten ihre Kinder eine bessere Bildung“, sagt die DIW-Wissenschaftlerin Cornelia Kristen, die auch Soziologieprofessorin an der Uni Bamberg ist.

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