Geflüchtete am Arbeitsmarkt

5300 Geflüchtete in Bremen haben einen Job

In Bremen finden immer mehr Geflüchtete einen Job: Im Verlauf des Jahres 2018 sind die Zahlen um 50 Prozent nach oben gegangen. Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor.
22.04.2019, 20:33
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5300 Geflüchtete in Bremen haben einen Job
Von Lisa-Maria Röhling
5300 Geflüchtete in Bremen haben einen Job

Unter Asylsuchenden in Bremen steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sprunghaft an.

Christoph Schmidt / dpa

Immer mehr Geflüchtete finden in Bremen einen Job: Fast 5300 Menschen aus acht nicht-europäischen Herkunftsländern hatten im vergangenen Herbst eine Arbeitsstelle in Bremen.

Das geht aus einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit hervor, in der die Zahl der Beschäftigten unter Asylsuchenden aus Afghanistan, Eritrea, dem Irak, dem Iran, Nigeria, Pakistan, Somalia oder Syrien aufgelistet ist. Demnach waren knapp 3730 Geflüchtete sozialversicherungspflichtig angestellt, knapp 1570 gingen einer geringfügigen Beschäftigung nach.

Noch 2017 hatten knapp 3520 Geflüchtete in Bremen einen Job ‒ somit haben innerhalb eines Jahres 1780 mehr von ihnen eine Anstellung gefunden. Zum Vergleich: In Hamburg erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten im gleichen Zeitraum von 12.000 auf 15.000. Die neuen Bremer Zahlen zeigen: Ein großer Teil der in Bremen tätigen Geflüchteten war sozialversicherungspflichtig beschäftigt.

Die Hälfte dieser sozialversicherungspflichtigen Geflüchteten übt nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit sogenannte Helfer- oder Anlerntätigkeiten aus, für die kein formaler Bildungsabschluss gebraucht wird. Ein Drittel fällt unter die Kategorie Fachkraft. Das heißt:

Sie gehen einem Beruf nach, für den eine mehrjährige Ausbildung nötig ist. Zu den 3730 Beschäftigten zählen auch 589 Menschen, die eine Ausbildung in Bremen machen. Gerade bei den Lehrlingen gibt es einen erheblich Zuwachs: Noch im Herbst 2017 machten 288 Geflüchtete eine Ausbildung ‒damit hat sich ihre Zahl innerhalb eines Jahres verdoppelt.

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Wann die Geflüchteten nach Deutschland gekommen sind und wie lange sie für ihre Jobsuche gebraucht haben, lässt sich aus den Zahlen allerdings nicht erkennen. So erklärte Jörg Nowag, Sprecher der Agentur für Arbeit Bremen-Bremerhaven, dass in der Arbeitsmarktstatistik lediglich die von den Arbeitgebern gemeldeten Beschäftigten erfasst werden, eine Verbindung zu den Bundesstatistiken über den jährlichen Zuzug von Geflüchteten werde aber nicht hergestellt. Wie viele der beispielsweise in der Hochphase der Flüchtlingsbewegung nach Deutschland gekommenen Asylsuchenden inzwischen einen Job haben, sei deshalb nicht erfasst. Zwischen 2015 und 2018 haben nach Angaben des Bundesministeriums für Migration und Flüchtlinge 17.835 Menschen einen Asylantrag in Bremen gestellt, was ein Prozent aller Anträge bundesweit ist. Die Zahl der Anträge ist über die vergangenen Jahre in ganz Deutschland beständig zurückgegangen.

In Bremen gibt es unterschiedliche Landesinitiativen, mit denen Geflüchtete einen Weg in ein festes Arbeitsverhältnis finden können. Ein Beispiel dafür ist das Projekt „Zukunftschance Ausbildung“ des Aus- und Fortbildungszentrums für den bremischen öffentlichen Dienst (AFZ). Damit werden seit 2014 Geflüchtete zunächst in einer einjährigen Einstiegsqualifikation auf den Berufsstart vorbereitet, bevor sie eine duale Ausbildung beginnen. Im ersten Jahrgang 2014 meldeten sich 21 junge Menschen für eine solche Einstiegsqualifikation, 2017 waren es bereits knapp 160.

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Inzwischen kooperiert das Projekt nicht nur mit öffentlichen Einrichtungen, sondern auch mit zahlreichen Unternehmen in der Stadt. Um jungen Geflüchteten den Weg in diese Qualifikation oder die Ausbildung zu erleichtern, ist außerdem im vergangenen Sommer mit der Bremer Integrationsqualifizierung ein weiteres Programm des Wirtschaftsressorts gestartet. Auch mit der Ausbildungsgarantie werden Geflüchtete unterstützt.

Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) betonte, dass der Arbeitsmarkt in Zeiten des Fachkräftemangels auf Zuwanderung angewiesen sei. Allerdings hätten Geflüchtete in Deutschland vor allem einen Anspruch auf Schutz: „Der Schritt ins Berufsleben kommt erst an zweiter Stelle.“ Auch forderte sie Verständnis für jene Geflüchtete, die es bisher nicht in den Arbeitsmarkt geschafft haben.

Speziell aus Syrien seien zunächst gut ausgebildete Menschen nach Deutschland gekommen, denen der Schritt auf den Arbeitsmarkt leicht gefallen sei. Viele andere, die später flohen, brachten meist weniger Qualifikationen mit. Die Senatorin erklärte, sie finde es allerdings nicht angebracht, „den Wert des Menschen in erster Linie an seiner Nützlichkeit für den Arbeitsmarkt zu messen“.

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