Luft- und Raumfahrt in Bremen OHB will Nummer eins in Europa werden

Die Zukunft des Bremer Raumfahrt- und Satellitenunternehmen OHB sieht rosig aus. Das Unternehmen befindet sich in einer gesunden Stabilisierungsphase und wird künftig von verschiedenen Projekten profitieren.
21.03.2017, 18:57
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OHB will Nummer eins in Europa werden
Von Peter Hanuschke

Die Zukunft des Bremer Raumfahrt- und Satellitenunternehmen OHB sieht rosig aus. Das Unternehmen befindet sich in einer gesunden Stabilisierungsphase und wird künftig von verschiedenen Projekten profitieren.

Die Zeiten, in denen das Bremer Raumfahrt- und Satellitenunternehmen OHB seit dem Börsengang 2001 von Jahr zu Jahr Umsatzsprünge von 200 Millionen Euro machte, liegen ein paar Jahre zurück. Grund zur Sorge gibt es aber nicht: Nach dem steilen Aufstieg hat sich die jährliche Gesamtleistung seit 2013 auf einem hohen Niveau zwischen 700 und 800 Millionen Euro eingependelt, im vergangenen Jahr lag sie bei 728 Millionen Euro.

Auch wenn die Gesamtleistung im Vergleich zu 2015 zwei Millionen geringer ausfiel, ist das Ergebnis vor Steuern und Zinsen im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 43 Millionen Euro gestiegen. Und was die weitere Entwicklung angeht, sprach OHB-Chef Marco Fuchs am Dienstag bei der Vorstellung der Bilanz von einer Zukunft, die rosig aussehe – auch wenn es nicht mehr das „aggressive Wachstum“ vergangener Zeiten geben werde. Man befinde sich weiterhin in einer gesunden Stabilisierungsphase. Fürs laufende Jahr rechnet OHB mit einem Umsatz von 800 Millionen Euro.

OHB profitiert von verschiedenen Projekten

In den nächsten Jahren werde das Unternehmen von ganz verschiedenen Projekten profitieren. In diesem Zusammenhang erinnerte Fuchs an die etwa zehn Milliarden Euro Finanzmittel, die die Mitgliedsstaaten der europäischen Raumfahrtbehörde Esa bei der Ministerratskonferenz im Dezember für laufende und neue Vorhaben gezeichnet haben: „Die Beschlüsse sind ein großer Erfolg für die Raumfahrt und damit für uns.“

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OHB baut und entwickelt dadurch beispielsweise den Telekommunikationssatelliten Electra, im Wesentlichen den Carrier für die Exomars-Mission, bei der 2020 ein Rover auf dem Roten Planeten landen soll, und das Unternehmen ist neben Hauptauftragnehmer Airbus Safran Launchers der zweite Industriepartner für die neue Trägerrakete Ariane 6, die ab 2020 Nutzlasten ins All bringen soll. OHB ist durch das Tochterunternehmen MT Aerospace mit seinen Standorten in Augsburg und Bremen am Ariane-6-Projekt beteiligt und ist etwa für die Hälfte des deutschen Anteils verantwortlich.

Deutschland beteiligt sich mit einem Anteil von rund 23 Prozent an den Gesamtkosten der Ariane-6-Entwicklung. Insgesamt stehen bis 2023 etwa 1,6 Milliarden Euro für das Trägerraketenprogramm bereit. Allerdings beteiligen sich auch die Industrieunternehmen. Fuchs: „Wir setzen voll auf die Ariane 6.“ Über 35 Millionen Euro habe das Unternehmen deshalb für Hallen-Neubauten in Augsburg und in Bremen in der Airport-City investiert.

Wachstum in den Anwendungsdisziplinen

OHB setzt aber vor allem auch auf ein Wachstum in den Anwendungsdisziplinen wie Erdbeobachtung, Telekommunikation und Wissenschaft. Gerade im Bereich Satelliten habe man viel Geld investiert und decke inzwischen das gesamte Größenspektrum ab. „Wir sind vielleicht ein kleinerer Player als andere Unternehmen, die in diesem Bereich tätig sind, aber wir sind dafür sehr breit aufgestellt“, so Fuchs. Und eines sei klar: Die Nachfrage nach Satelliten gerade im kommerziellen Telekommunikationsbereich werde in den nächsten Jahren enorm steigen.

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Gerade auch dieses Segment habe dazu beigetragen, dass das Thema Raumfahrt heute anders wahrgenommen werde, sagt Fritz Merkle, Vorstandsmitglied von OHB. Man müsse nicht mehr erklären, weshalb Raumfahrt nützlich sei oder nicht. „Raumfahrt, insbesondere durch Anwendungen, die durch Satelliten möglich werden, ist einfach Teil unserer Infrastruktur geworden, genauso wie Bahnhöfe und Flughäfen.“

Man verstehe vor dem Hintergrund von unvorhergesehenen politischen Entwicklungen in der Welt inzwischen auch besser, weshalb es wichtig sei, dass Europa mit Galileo ein eigenes Satelliten-Navigationssystem aufbaue oder mit SAR-Lupe die Bundeswehr ein eigenes deutsches Satellitenaufklärungssystem habe oder mit SARah ab 2019 ein neues bekomme, so Fuchs.

Anforderungen an Satelliten werden steigen

Was das Satellitengeschäft angeht, sieht Fuchs das Unternehmen auf dem richtigen Weg: „Ich denke, die Anforderungen an Satelliten werden steigen, weil sie wegen der Anwendungsvielfalt noch leistungsfähiger werden müssen.“ Darauf sei OHB eingestellt – „wir liegen voll im Trend.“ Es gebe drei Unternehmen in Europa, die im Satellitenbau tonangebend seien, OHB sei eines davon. In zehn Jahren wolle man aber vorneweg sein, so das Ziel. Und in der westlichen Welt gebe es etwa ein Dutzend von Unternehmen, die in diesem Bereich tätig seien, OHB gehöre zu diesem Kreis.

Die Zahl der Mitarbeiter der OHB SE stieg im vergangenen Jahr um 242 auf 2298. Sie arbeiteten in deutschen Gesellschaften, im europäischen Ausland sowie in Chile und Französisch-Guayana. Man werde auch in diesem Jahr weiteres Personal einstellen, das beziehe sich auch auf den Bremer Standort, wo derzeit mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt seien, so Fuchs. Der Auftragsbestand in Höhe von 1,6 Milliarden Euro (Vorjahr 1,7 Milliarden) liege weiterhin auf einem hohen Niveau, hieß es.

Bremen sieht Fuchs durch das Engagement von OHB, Airbus, vielen Zulieferfirmen und zahlreichen Instituten in Sachen Raumfahrt als Standort Nummer eins in Deutschland. Was Europa angehe, gehöre Bremen zu den Top-fünf-Standorten. Und weltweit genieße die Hansestadt ebenfalls einen exzellenten Ruf. Von der Bedeutung her habe sie ein Platz im „Top Dutzend“ sicher.

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