Pakete zu Weihnachten „Die Maschinen laufen auf Hochtouren“

Frank Schmidt ist bei Deutsche Post DHL verantwortlich für Bremen. Im Interview verrät er, wie viele Pakete sie im Weihnachtsgeschäft liefern und warum Briefzusteller auf Elektro-Dreirädern unterwegs sind.
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„Die Maschinen laufen auf Hochtouren“
Von Stefan Lakeband

Herr Schmidt, wir sprechen fast genau vier Wochen vor Heiligabend miteinander. Wie viele Pakete werden heute in Bremen ausgeliefert?

Frank Schmidt: Am Ende des Tages werden allein für die heutige Zustellung in Bremen und Umgebung rund 150.000 Pakete durch unser Paketzentrum in Hemelingen gegangen sein. Das sind 20 Prozent mehr als in den vergangenen Wochen. Die Maschinen laufen daher auf Hochtouren. Die Zahl ist auch deswegen so hoch, weil wir Pakete aus anderen Verteilzentren bearbeiten, die jetzt schon an ihrer Leistungsgrenze sind.

Was erwarten Sie für die kommenden Wochen? Schließlich rückt Weihnachten näher.

Wir sind für 170.000 Pakete am Tag gerüstet. Aber zugegeben: Es kommt eine spannende Zeit auf uns zu. Besonders das aktuelle Wochenende dürfte ein noch nie da gewesenes Ausmaß annehmen.

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Wegen des Black Friday?

Ja. Diesen Tag und die Woche danach streichen wir uns rot im Kalender an. Der Black Friday gewinnt seit Jahren an Bedeutung und ist für viele der Einstieg in das Weihnachtsgeschäft. Dieses Jahr dürfte es noch extremer werden, denn über die Corona-Zeit hat sich das Bestellverhalten geändert. Früher waren es hauptsächlich junge Menschen, die im Internet bestellt haben, heute machen es Jung und Alt.

Wird es für Sie wieder etwas entspannter, wenn sich die Pandemie gelegt hat?

Das glaube ich nicht. Sehr viele Leute haben sich daran gewöhnt, Waren im Internet zu kaufen und sich liefern zu lassen.

Von wie vielen Sendungen mehr sprechen wir, die in den kommenden Wochen auf Sie und Ihre Mitarbeiter zukommen?

Im Vergleich mit dem Weihnachtsgeschäft 2019 erwarten wir 15 bis 20 Prozent mehr Pakete. Wir haben deshalb in den vergangenen zwei Monaten rund 350 neue Mitarbeiter eingestellt: im Paketzentrum und in der Auslieferung von Paketen und Briefpost.

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Dauerhaft oder nur befristet?

Natürlich haben wir auch befristete Verträge geschlossen. Leuten, die sich gut in den Betrieb einfinden, wollen wir aber schon weit vor Ablauf des Vertrages signalisieren, dass wir sie gerne behalten würden. Ich gehe daher davon aus, dass wir von den 350 neuen Mitarbeitern 40 bis 50 Prozent auch langfristig beschäftigen werden.

Wie schwer war es, neue Mitarbeiter zu finden?

In diesem Jahr war das vergleichsweise einfach. Durch die Corona-Pandemie hatten wir viele Bewerbungen, etwa von Leuten, die ihre Arbeit verloren hatten oder aus der Gastronomie kommen und sich während des Lockdowns umorientiert haben.

Corona hat in diesem Jahr viele Branchen beeinträchtigt. Wie haben Sie die Pandemie gespürt?

Wir haben relativ kurzfristig unsere Abläufe geändert und arbeiten bei der Auslieferung etwa mit zwei Gruppen. Die erste kommt um 7 Uhr, die zweite um 9 Uhr. So wollen wir sicherstellen, dass nie der komplette Standort zur gleichen Zeit da ist. In der Auslieferung versuchen wir, Kontakte zu vermeiden. Unsere Kunden haben dafür Verständnis. Schließlich dient es ja auch ihrem Schutz.

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Was hat Corona mit der Quote der zugestellten Pakete gemacht?

Die ist gestiegen, schließlich arbeiten viele Menschen nach wie vor von zu Hause. Aktuell stellen wir 96,5 Prozent aller Sendungen in Bremen zu – entweder direkt an den Empfänger oder an die ausgewählte Packstation. Das ist ein sehr guter Wert.

Vergangene Woche hat die Post angekündigt, dass Tausende neue Packstationen in ganz Deutschland entstehen sollen. Wie viele kommen in Bremen dazu?

Wir haben hier derzeit rund 180 Stationen und wir merken, dass unsere Kunden sie gerne nutzen. Wie viele aber hinzukommen werden, kann ich nicht genau sagen. Das hängt davon ab, wie viele geeignete Standorte wir finden.

Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema. Wie passt das zusammen, wenn Sie täglich Tausende Pakete ausliefern?

Wir setzen bei der Auslieferung auf E-Mobilität. Die wird gerade für Bremen immer wichtiger. Von unseren 1000 Fahrzeugen haben aktuell 300 einen Elektroantrieb. 20 bis 30 kommen dieses Jahr noch hinzu, Anfang 2021 kommt der nächste Schwung.

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Das verhindert aber nicht mehr Verkehr, der durch das steigende Paketaufkommen entstehen dürfte.

Dafür setzen wir seit einiger Zeit E-Trikes ein, Dreiräder mit Elektroantrieb und einem großen Kasten hinten. Darin transportieren unsere Postzusteller seit Mitte des Jahres nicht nur Briefe, sondern auch kleine Päckchen. So entlasten wir die Paketzusteller und fangen gleichzeitig die sinkende Zahl an Briefsendungen auf.

Kommendes Jahr eröffnet Amazon in Achim ein eigenes Logistikzentrum, schon jetzt übernimmt der Konzern für einen Teil der Pakete den Versand selbst. Spüren Sie die zusätzliche Konkurrenz?

Natürlich merken wir das. Wir können das aber durch die allgemein gestiegenen Paketmengen ausgleichen. Und wir betrachten das aus zwei Blickwinkeln: Denn Amazon ist nicht nur ein Wettbewerber, sondern auch noch ein wichtiger Kunde. Wir nehmen die Situation aber ernst und geben unser Bestes. Das heißt auch, dass wir unsere Mitarbeiter nach Tariflohn bezahlen und in Bremen keine Subunternehmer beschäftigen. Das schafft Vertrauen bei unseren Kunden. Viele haben mittlerweile ein emotionales Verhältnis zu ihrem Zusteller.

Gerade jetzt in der Vorweihnachtszeit: Wie können die Bremer ihrem Zusteller eine Freude machen?

Die meisten freut es, wenn man ihnen Danke sagt und zeigt, dass man zufrieden mit der Arbeit ist. So etwas macht jeden Zusteller stolz. Alle meine Mitarbeiter leisten seit vielen Monaten einen hervorragenden Job. Sie halten den Laden am Laufen und ermöglichen, dass viele Menschen zum Schutz vor Ansteckung zu Hause bleiben können.

Das Gespräch führte Stefan Lakeband.

Info

Zur Person

Frank Schmidt

leitet die Niederlassung von Deutsche Post DHL in Bremen und ist für 4000 Mitarbeiter verantwortlich. Zuvor hat er unter anderem fast 20 Jahre als Briefzusteller für den Konzern gearbeitet.

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