Vereinswahlen am Donnerstag Rebellion beim Industrie-Club Bremen

Am Donnerstag sind im Industrie-Club Bremen Vereinswahlen. Jetzt haben sich neben dem bestehenden Vorstand plötzlich sechs Gegenkandidaten aufstellen lassen - und sorgen damit für Überraschung.
11.06.2017, 22:04
Lesedauer: 3 Min
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Rebellion beim Industrie-Club Bremen
Von Florian Schwiegershausen

Günther W. Diekhöner versteht die hanseatische Vereinswelt nicht mehr. Hauptberuflich ist er Geschäftsführer der Technologieberatung „DD – Die Denkfabrik“. Und ehrenamtlich ist er seit sechs Jahren der Präsident des traditionsreichen Industrie-Club Bremen.

In dieser Funktion wollen er und die anderen sieben Vorstandsmitglieder sich am kommenden Donnerstag bei den Wahlen des eingetragenen Vereins für zwei weitere Jahre im Amt bestätigen lassen. Doch im letzten Augenblick, zu dem das möglich war, haben sich sechs Gegenkandidaten im Alter zwischen 41 und 46 Jahren aufstellen lassen. Sie wollen frischen Wind in den Verein bringen, zu dessen wichtiger Funktion das Netzwerken gehört.

Zu den Gegenkandidaten gehört André Dillinger. Der 44-Jährige ist Gründer von Dillinger Witte & Partner, einer Strategieberatung vor allem für mittelständische Unternehmen.

Jüngere fühlen sich im Verein nicht gut aufgehoben

Dem WESER-KURIER nannte er Gründe für seine Kandidatur um einen Vorstandsposten im Industrie-Club Bremen: „Ich kenne mehrere, einige davon jüngeren Alters, die mir gesagt haben, dass sie sich im Industrie-Club nicht gut aufgehoben fühlen. Darunter sind auch ehemalige Mitglieder, die sich nach zwei oder drei Jahren wieder verabschiedet haben.“ Sie hätten wohl nicht so richtig in den Verein gefunden. Das sei schade, weil dadurch dem Industrie-Club Potenzial verloren gehe.

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Dillinger ergänzt: „Es gibt beispielsweise auch nicht so richtig eine Datenbank, über die zu erfahren ist, was denn die anderen Mitglieder so machen. Mit einer solchen Datenbank wäre es auch einfacher, sich besser zu vernetzen – sei es branchenorientiert oder themenorientiert.“ So regt der Unternehmer für Neumitglieder Patenschaften an: Ein alteingesessenes Mitglied solle sich ein neues Mitglied unter die Fittiche nehmen, um so schneller hinein zu finden.

In seiner offiziellen Kandidaten-Vorstellung für die anderen Mitglieder schreibt Dillinger außerdem: „Mit zeitgemäßen Formaten und Instrumenten das Netzwerken miteinander und untereinander stärken.“ Einige Formate des Clubs würden gut ankommen, diese könnten aber ergänzt werden durch andere. Regelmäßig lädt der Verein zu Veranstaltungen ein mit Gastrednern aus Industrie und Politik. Tradition ist inzwischen auch das Roland-Essen jedes Jahr im November im Bremer Rathaus.

"Demokratischer Prozess"

Zu den anderen Gegenkandidaten gehören die Personalberaterin Cornelia Hopp, der Wirtschaftsanwalt Markus Klindwort, der Kommunikationsberater Frank Künneke sowie die Geschäftsführerin Maren Schulz, die in Bremen mehrere Jahre bei der Handelskammer Sprecherin der Wirtschaftsjunioren war.

Um sich vorzustellen, haben sie eine E-Mail an alle Mitglieder geschrieben, mit kurzem Lebenslauf, ihren Zielen und was sie im Club verändern wollen. Das sei entsprechend der Vereinssatzung rechtzeitig geschehen. Zur Kandidatur sagt Dillinger abschließend: „Das ist eben ein demokratischer Prozess.“

Der amtierende Präsident Günther W. Diekhöner sieht das ebenso mit dem demokratischen Prozess. „Aber als hanseatisch sehe ich das persönlich nicht.“ Denn im Vorfeld hat der Unternehmer überhaupt nichts von möglichen Gegenkandidaten erfahren. Die E-Mail mit den Profilen der fünf Gegenkandidaten wurde außerdem über den Industrie-Club-Verteiler verschickt. Das Dokument trug auch das Logo des Vereins.

Arbeit ist ehrenamtlich

„Mich haben schon Leute darauf angesprochen, ob sich der Vorstand zurückziehen wolle, und wir hier unsere Nachfolge vorstellen“, sagte Diekhöner dem WESER-KURIER. So finde er, dass das alles mit der Gegenkandidatur am Vorstand vorbeigelotst worden sei. Und wer für die Kandidaten den Online- und Postverteiler zur Verfügung gestellt habe, da werde er mal nachfragen: „Da geht es schließlich auch um Datenschutz.“

Unzufriedenheit unter den Mitgliedern könne Diekhöner nicht feststellen. Er sagt außerdem: „In den sechs Jahren, in denen ich Präsident bin, konnten wir die Zahl unserer Mitglieder um 15 Prozent steigern.“ Zu seinen Mitstreitern im Vorstand gehören unter anderem der Flughafen-Geschäftsführer Jürgen Bula sowie Ex-Wirtschaftsstaatsrat Heiner Heseler. Der Club-Präsident gibt auch zu bedenken, dass die ehrenamtliche Arbeit zeittechnisch nicht zu unterschätzen
sei und es diverse Termine zu erledigen gebe.

Diekhöner sagte auch etwas enttäuscht: „Man hätte ja das Gespräch mit uns als amtierenden Vorstand suchen können.“ Der Club-Präsident wünscht sich nun, dass unter der entstehenden Diskussion bloß nicht das Ansehen des Industrie-Clubs kaputt gemacht werde. Was das Gespräch angeht, sagte Gegenkandidat André Dillinger: „Das hat sich irgendwie nicht ergeben.“ Diekhöner selbst erklärte: „Ich bin weiterhin offen für Gespräche.“ Damit sich am Ende vielleicht doch alles irgendwie klärt – auf hanseatische Art.

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